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Rastloser Landwirt mit dem Forscher-Gen

12,4 Hektar umfasst das Gelände unweit von Grünewalde, das Siegfried Thomas bewirtschaftet. Als Hobby-Schafzüchter hat er sich seltenen Rassen wie Gotland-, Texel- oder Dorperschafen verschrieben. Ruhepausen gönnt sich der rastlose Senior nicht, der im Oktober seinen 80. Geburtstag feiert.
12,4 Hektar umfasst das Gelände unweit von Grünewalde, das Siegfried Thomas bewirtschaftet. Als Hobby-Schafzüchter hat er sich seltenen Rassen wie Gotland-, Texel- oder Dorperschafen verschrieben. Ruhepausen gönnt sich der rastlose Senior nicht, der im Oktober seinen 80. Geburtstag feiert. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Grünewalde/Vetschau. "Dem Schnee, dem Regen, dem Wind entgegen….immer zu! Immer zu! Ohne Rast und Ruh!", heißt es im Gedicht "Rastlose Liebe". Uwe Hegewald / uhd1

Siegfried Thomas könnte Goethes Versen sehr gut Pate stehen. Freunde und Bekannte, die den 79-Jährigen kennen, attestieren ihm die Dynamik und Schaffenskraft eines 30-Jährigen. Die "rastlose Liebe" des diplomierten und promovierten Landwirts gilt dem Heimatverein Grünewalde, dessen Vorsitzender er ist. Sie gilt aber auch der Schafzucht, der Forschung und selbstverständlich seiner verständnisvollen Ehefrau. Thomas ist Leiter des Instituts für Umwelt und Landwirtschaft in Vetschau.

Mehrmals wöchentlich pendelt er die rund 50 Kilometer zwischen Grünewalde und der Spreewaldstadt, um den Job auszufüllen, für den er vor Jahrzehnten das Fundament gelegt hat. "In Vetschau befand sich eine Außenstelle der Agrar- und Umweltanalytik Jena. Wir haben Aufgaben übernommen, die eigentlich Kammern zu tragen haben. Die gibt es aber nur in nördlichen und westlichen Bundesländern", erklärt er. Als die Gesellschaft schließlich an ein französisches Unternehmen verkauft wurde, machte der Grünewalder mit einem Kreis von Fachleuten allein weiter. "Wir stehen Landwirten unterstützend zur Seite, sehen uns als fachliche Begleiter und Ratgeber", sagt er. Insbesondere durch die komplexen BImSch-Verfahren (Bundes-Immissionsschutzgesetz) seien die Bauern auf fachliche Hilfe angewiesen. Das Team um Siegfried Thomas berät zur Abgasreinigungsanlagen in Ställen, zu Gülle- und Gärrestelagern, Biogasanlagen und Frischmilchtankstellen, wie in Saßleben (Stadt Calau). "Mit Baurechten, Abfall-, Boden- oder Wasserrechten erweisen sich Projekte als äußerst komplex und vielschichtig", erklärt er.

Bereits in den Ferien auf Höfen und in Betrieben tätig, stand für den heutigen Grünewalder fest: "Ich studiere Landwirtschaft." Im Landkreis Torgau aufgewachsen, zog es ihn schließlich zum Studium an die Humboldt-Universität Berlin, zum Promovieren an die Uni Leipzig. Das Thema seiner Doktorarbeit (1978) lautete: Der Einfluss der Braunkohleindustrie auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Rinderbeständen. Vier Jahre war Thomas zu Untersuchungen im ehemaligen Bezirk Cottbus unterwegs. Wie entwickeln sich Rinder in belasteten Gebieten? Welche Auswirkungen hat die Luftverschmutzung im Kohlerevier? Und haben diese möglicherweise Folgen auf die Reproduktionsfähigkeit? Zwischenzeitlich residierte der Forscher in einem Schloss. Das Institut für Landwirtschaft des Bezirkes Cottbus hatte einen Sitz im Vetschauer Schloss, wo heute die Stadtverwaltung untergebracht ist.

Bemerkenswert: Als der Tierpark Cottbus vermehrt auf tierische Exoten setzte, nahm Siegfried Thomas seltene Rinderrassen zu sich und gründete den "Rinderhof Grünewalde". 12,4 Hektar umfasst die zu bewirtschaftende Fläche, zu der sich später noch rund 100 Schafe hinzugesellten. "Texel,- Dorper- und Gotlandschafe", zählt der Hobby-Schäfer auf, der seine Tiere im Winterhalbjahr in den Bioenergiehof Böhme in Obercarsdorf einquartiert. Mit dem Betrieb im Landkreis Sächsische Schweiz pflegt Siegfried Thomas intensive Kontakte. "Auf Böhmes Anwesen werden unterschiedliche Pappelarten gezogen, die in der Energieholzgewinnung Anwendung finden. Einige Stecklinge sind auch auf einer großen Fläche in Groß Beuchow in den Boden gekommen", informiert der Grünewalder. Seit der Wende ist er Koordinator der Internationalen Vereinigung zur Förderung nachwachsender Rohstoffe und Energieträger (INE). Kürzlich führte er Fachleute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durch die Lausitz. Stationen der Exkursion waren der Tagebau Welzow-Süd, Rekultivierungsflächen, der Weinberg Wobar in Großräschen und die Rotschlammhalde des ehemaligen Aluminiumwerkes Lauta. Wie Siegfried Thomas informiert, geht es darum, Energiewälder biologisch zu betreiben. "Zur Schädlingsbekämpfung werden spezielle Hühner- und Schafrassen wie Shorpshire eingesetzt. Reinrassige Shropshire-Schafe haben bewiesen, dass sie sowohl Weihnachtsbaum-Plantagen als auch Obstbaumkulturen zuverlässig beweiden, ohne die Triebe der Nadelgehölze zu verbeißen oder die Rinde der Obstbäume zu schälen." Jüngstes Steckenpferd sind Forschungen zur Bodenfruchtbarkeit bei denen der 79-Jährige mit der Technischen Universität Dresden zusammenarbeitet. "In unserer Region gibt es zu viele leichte Böden. Ziel ist es, mit Mikroorganismen einen speziellen Kompost herzustellen, um mit diesem die Fruchtbarkeit der Böden zu erhöhen", erklärt Thomas. Regelmäßig stehen Landwirte auch im Vetschauer Institut für Umwelt und Landwirtschaft auf der Matte, um Bodenproben analysieren und Düngeempfehlungen zu erhalten.