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| 02:42 Uhr

Rassegeflügelzüchter verschaffen sich Gehör

Beim zurückliegenden Kreiszüchtertag der Rassegeflügelzüchter haben Delegierte einer Resolution für einen angemessenen Umgang mit der Vogelgrippe zugestimmt sowie für die kommenden drei Jahre einen neuen Verbandsvorstand gewählt. Dabei wurde Dietmar Schenker (Calau) in seiner Funktion als Verbandsvorsitzender bestätigt.
Beim zurückliegenden Kreiszüchtertag der Rassegeflügelzüchter haben Delegierte einer Resolution für einen angemessenen Umgang mit der Vogelgrippe zugestimmt sowie für die kommenden drei Jahre einen neuen Verbandsvorstand gewählt. Dabei wurde Dietmar Schenker (Calau) in seiner Funktion als Verbandsvorsitzender bestätigt. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Calau. Die Rassegeflügelzüchter zwischen Lübbenau und Neupetershain schlagen Alarm: Ein Wiederaufflammen der Vogelgrippe mit den verbundenen massiven Auswirkungen können und wollen sich die Züchter nicht vorstellen. Einstimmig stimmten sie kürzlich auf dem Kreiszüchtertag in Calau einer Resolution zu. uhd1

Sie wird dem Landwirtschaftsministerium des Landes Brandenburg zugestellt wie auch dem Petitionsausschuss des Landtages.

Im Schreiben wird der administrative Umgang mit der Geflügelpest kritisiert. "Durch die monatelang verhängte Stallpflicht mussten viele Züchter ihre Zuchttierbestände reduzieren. Bis heute haben sie mit den Folgen zu kämpfen", heißt es in der Resolution, die der RUNDSCHAU vorliegt. Mit der dauerhaften Haltung in Ställen und dem Verwehren von Auslauf sei "Tierquälerei angeordnet worden".

Dietmar Schenker, Vorsitzender des Kreisverbandes Calau skizzierte die Situation nach Erlassen der Stallpflicht mit den Worten "Schockstarre und Verärgerung". Es sei zwei Minuten vor zwölf. Man müsse die jetzige Ruhephase nutzen, um ein Signal zu setzen.

Gleichwohl räumte Dietmar Schenker ein, auch weiterhin eng mit den Behörden zusammenzuarbeiten, um überhaupt etwas erreichen zu können. "Wenn kein Dialog stattfindet, haben wir bereits verloren", so der Calauer. In der von allen Delegierten des Kreiszüchtertages unterzeichneten Resolution sind Forderungen für einen angemessenen Umgang mit der Vogelgrippe formuliert. So solle die Stallpflicht allenfalls in Risikogebieten und nicht flächendeckend verordnet werden. Angestrebt werden eine maximale Begrenzung von 21 Tagen, ferner die Verhinderung von Keulungsmaßnahmen sowie Änderungen bei der Geflügelpestverordnung. Rassegeflügelzüchter würden es begrüßen, Bestände von bis zu 100 Tieren generell von der Stallpflicht zu entbinden.

Eric Harting spricht sich dafür aus, Wirtschaftsrassen und Rassegeflügel gesondert zu betrachten. "Zum Erhalt seltener Rassen sollte wie in zoologischen Gärten verfahren werden. Dort gelten Sonderregelungen." Verbandsvorstand Dietmar Schenker empfiehlt, schon jetzt Ausnahmeanträge zu verfassen, um im Ernstfall reagieren zu können. Wie schnell sich ein einsetzender Ernstfall auswirkt, musste Wolfgang Herbrich erfahren. "Im November vorigen Jahres sollte in Calau die Hauptsonderschau für Antwerpener Bartzwerge stattfinden. Die Ausstellungshalle war für 900 angemeldete Tiere vorbereitet, Unterkünfte für die Züchter aus ganz Deutschland vermittelt, als plötzlich mit einem Federstrich alles zunichtegemacht wurde", blickt der Züchter aus Plieskendorf zurück. Alle vorangegangenen Mühen seien umsonst gewesen; ganz zu schweigen von lokalen Einnahmeverlusten.

"Die weit gereisten Zuchtfreunde bleiben ein ganzes Wochenende, halten sich in der Stadt auf oder unternehmen Ausflüge", so Zuchtwart (Hühner) Wolfgang Herbrich. Wilfried Mende unterbreitete sogar das Angebot, H5N8-Befallstiere in seinen Bestand aufzunehmen, um Auswirkungen in Erfahrung zu bringen. Ohnehin ist er der Auffassung, dass gesunde Tiere aufgrund ihres ausgeprägten Immunsystems einer Vogelgrippe widerstehen.

Bei der Zuchtbuchtagung und Züchterschulung am gestrigen Sonntag in Blankenfelde, berichteten die Delegierten des Kreisverbandes Calau von ihrer Resolution. "Wir sind klein, aber wir haben eine Stimme und wir sind auch Wähler", sagt Dietmar Schenker. Er kann sich vorstellen, dass andere Kreisverbände nachziehen - und er hofft auf ein Einlenken des zuständigen Ministeriums. Erst recht, wenn bei einer bundesweiten Neuausrichtung in Sachen Vogelgrippe das Votum der Länder erforderlich ist.