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| 12:47 Uhr

Traditionen pflegen
Ragower Frauen haben den Bogen raus

Die Ragower Frauen bereiten für das Osterreiten traditionell den großen Bogen aus Tannenzweigen vor.
Die Ragower Frauen bereiten für das Osterreiten traditionell den großen Bogen aus Tannenzweigen vor. FOTO: Peter Becker
Ragow. Ostersonntag ziehen Osterreiter durch die Region. Treff ist um 9 Uhr an der Kirche in Zerkwitz. Von Peter Becker

Eine Gruppe Frauen macht sich im Depot der Ragower Wehr an die Arbeit: Ein großer Anhänger voller Douglasienäste, gesponsert von Familie Nolde, steht an der Einfahrt und muss abgeladen werden. Die Frauen beeilen sich damit, denn das diesjährige Wetter lädt nicht zu längeren Freiluftaktivitäten ein. Fleißig binden die Frauen Zweig um Zweig für den Osterbogen – und das schon seit  20 Jahren.

Das mehrere Meter hohe portalähnliche Gebilde wird alljährlich am Ostersonntag von den Osterreitern durchritten – einmal bei der Ankunft in Ragow und einmal beim Weiterritt nach Krimnitz. Der Ragower Eberhard Richter wird sie wie in jedem Jahr mit seinem Spruch verabschieden: „So reitet hin, ihr Osterreiter, seid so frei, die Auferstehung zu verkünden.“

Die Tradition wurde 1998 vom Zerkwitzer Pfarrer Michael Oelmann und dem der Kirche benachbarten Landwirt Jürgen Sergel ins Leben gerufen. In Anlehnung an den einst heidnischen Brauch, die Felder zu umrunden, um eine gute Ernte zu beschwören, wurde das Osterreiten  mit evangelischer Prägung in die Neuzeit umgesetzt. Pfarrer Oelmann, inzwischen im Ruhestand, konzipierte das Osterreiten als ein Fest des Zusammenkommens, des Innehaltens und des Neuaufbruchs – ganz im lutherischen Sinne.

Neben dem Gottesdienst und dem Ausritt mit Reitern aus verschiedenen Regionen, sind es die vielen ehrenamtlichen Helfer, die dem jährlichen Osterhöhepunkt einen Erfolg bescheren. Allen voran sind dies Juliane Burisch und Marlies Sergel. Juliane Burisch, eine Berliner Rechtsanwaltsfachangestellte, kümmert sich um die Organisation der vielen tausend kleinen Dinge, während sich Marlies Sergel um Reiter und Pferde sorgt.

„In diesem Jahr war die Beschaffung des Buchsbaums außerordentlich schwierig, denn es gibt diesen wegen des Schädlingsbefalls kaum noch in den Gärten, aber die Zerkwitzer Frauen haben es trotzdem geschafft, viele Hoffnungssträußchen zu binden“, sagt die ehemalige Lübbenauerin. 

Die Ragower Frauen hatten bisher noch keine „Materialprobleme“, denn ihr Bogen wird stets aus Nadelholzzweigen gebunden. „Da hat immer mal jemand eine zu groß gewordene Tanne im Garten, die er uns zur Verfügung stellt“, erzählt die gelernte Floristin Viola Schmidt. Mit flinker Hand bindet sie Zweigbüschel an das Stahlrohr. Das Gestell wird das ganze Jahr über bei Herbert Herbig aufbewahrt. Er war es auch, der sich in Ragow für das Osterreiten eingesetzt hat.

Silke Lehmann: „Wir stellen uns der Tradition und fühlen uns einfach wohl dabei. Wir sind ein eingespieltes Team, denn fast alle sind von Anfang an dabei.“ Claudia Hasselmann ist erst knapp zehn Jahre bei den Bindefrauen und wurde damals von ihrer Mutter einfach mitgenommen. „Es ist immer schön zu sehen, wenn wir den fertigen Bogen zum Dorfplatz tragen und ihn beim Durchreiten der Reiter halten dürfen. Noch schöner ist es, wenn er die nächsten vier Wochen dort steht und ich sagen kann, dass ich mitgewirkt habe“, erzählt die junge Frau.