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Ideenwettbewerb unter Architekturstudenten
Räumlich denken einmal anders

Die Architekturstudenten um Dozent Prof. Ilija Vukorep (l.) von der BTU Cottbus-Senftenberg und Holger Siebert von der GWG Lübbenau (Mitte) vor der ehemaligen Gaststätte „Turbine“. Die Gruppe hat sich das Objekt angeschaut und Ideen gesammelt für eine sinnvolle Nachnutzung des Gebäudes.
Die Architekturstudenten um Dozent Prof. Ilija Vukorep (l.) von der BTU Cottbus-Senftenberg und Holger Siebert von der GWG Lübbenau (Mitte) vor der ehemaligen Gaststätte „Turbine“. Die Gruppe hat sich das Objekt angeschaut und Ideen gesammelt für eine sinnvolle Nachnutzung des Gebäudes. FOTO: Rüdiger Hofmann
Lübbenau. Architektur-Studenten besichtigen die „Turbine“ in Lübbenau und planen Nachnutzung. Von Rüdiger Hofmann

Raus aus dem Hörsaal, rein in den Zug und ab nach Lübbenau. Zehn wissbegierige Architektur-Studenten des Fachgebiets „Digitales Entwerfen“ von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg machen sich gemeinsam mit ihrem Dozenten, Professor Ilija Vukorep, auf den Weg in den Spreewald. Aber nicht, um Gurken zu essen oder Kahn zu fahren, sondern um sich die ehemalige Gaststätte „Turbine“ am Energieweg anzuschauen. Gelebte Praxis statt öder Theorie.

Hintergrund: Die Wohnungsbaugenossenschaft GWG will in Lübbenau die alte Gaststätte umbauen lassen. Entstehen sollen ein Generationstreffpunkt, Appartements sowie Wohngemeinschaften mit Altersbetreuung. Der große Saal des Gebäudes soll erhalten bleiben. „Wir suchen nun Ideen für den Gebäudeumbau, der auch ein städtebauliches Konzept berücksichtigt“, sagt GWG-Vorstandssprecher Holger Siebert. Die „Turbine“ ist Teil eines künftigen Energieparks und liegt nahe des Skulpturenparks „Alter Friedhof“. „Wir erwarten daher Lösungen, die der besonderen Lage des Areals zwischen Park und Neubausiedlung gerecht werden“, so Siebert.

Lösungen, die nun von den Studenten aus dem „Stegreif“ erarbeitet werden, sodass alle Beteiligten davon profitieren. Die Stadt Lübbenau und die GWG, um das Gebäude sinnvoll nachnutzen zu können. Die Anwohner, da das Umfeld dann wieder ansehnlicher wird. Und die Studenten, da es Kurspunkte für die Teilnahme gibt und es sich um einen Wettbewerb handelt, bei dem der Sieger Geld erhält (siehe Infobox).

„Die Anlage mit den dazugehörigen Garagen hat schon Potenzial“, sagt Lydia Beyers aus Cottbus. Die 23-Jährige hat sich einen ersten Überblick verschafft und schießt nun Fotos für ihr Konzept. „Für mich ist wichtig, dass es sich um ein Bestandsgebäude handelt und die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens aufgegriffen wird“, so die Studentin. Ihre Kommilitonin Patricia Cott findet diesen praktischen Vor-Ort-Besuch „total aufregend“. Nach dem Rundgang wolle sie am heimischen PC zunächst die Fotos den Grundrissen zuordnen und anschließend erste Ideen formulieren. „Das Gute ist, dass man recht frei sein kann bei dem Konzept.“ Das bestätigt Kursdozent Ilija Vukorep. „Macht euch zunächst mal keine Gedanken über die Tragfähigkeit oder die Finanzierung“, sagt der Professor mit einem Augenzwinkern Richtung GWG. Auch ist der Materialität keinerlei Grenze gesetzt. „Ihr solltet bloß keine metallischen Fassaden planen, da diese blenden“, so Vukorep.

Laut GWG kann viel, aber nichts muss. „Hallencharakter und Anblick von vorn sollten aber erhalten bleiben“, sagt Holger Siebert. Die Garagen dahinter können abgerissen werden. Die Parkanlage kann weiter genutzt werden, allerdings unter Berücksichtigung des Schallschutzes wegen der Nachbarschaft. Auf dem Gebäude stünden nach oben alle Wege offen. Vielleicht ein Loft? Eine begehbare Terrasse? Im Innern wären mehrere Appartements denkbar für jegliche Altersgruppe. „Bedenkt bei eurer Planung, dass auch Kinderwagen und Fahrräder untergestellt werden müssten“, gibt Siebert ein paar Tipps.

Fath Senja geht vorsichtig durch die „Turbine“. Sie gehört ebenfalls zu der zehnköpfigen Architekturgruppe, die an diesem Tag nach Lübbenau gekommen ist. „Ich finde es gut, kreativ sein zu dürfen. Auf diesem Wege können wir konstruktive Dinge besser verstehen“, sagt die junge Frau aus Indonesien. Ein konkretes Nachnutzungskonzept habe sie noch nicht parat. „Erstmal alles anschauen und eine Nacht darüber schlafen“, sagt sie.