Am Sonnabend ging die Fahrt von Alexander Clauß über Luckau und Golßen weiter nach Berlin. CDU und SPD wollen das Gentechnikgesetz für die Biotechnologie lockern. Der Ökobauer will mit seiner Protestaktion darauf aufmerksam machen und strebt dagegen gleichzeitig eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht an. Der Aktionist war am Montag mit dem Fahrrad in Bayreuth losgefahren. Auf dem Anhänger hat er seine Botschaft platziert. „Grüne Gentechnik ist unchristlich, unsozial und unberechenbar wie eine Atombombe“ , lautet seine Anklage.
Über die Stationen Hof und Gera erreichte Alexander Clauß am Mittwoch die Nikolaikirche in Leipzig, wo er an einer Protestkundgebung vom Arbeitskreis Gentechnikfreies Leipzig teilnahm. „In dieser Stadt wurde der Satz geprägt 'Wir sind das Volk', daran habe ich die Menschen erinnert“ , berichtet er. „Die Politik entscheidet oft über die Köpfe hinweg“ , doch damit will sich der Demonstrant nicht zufrieden geben.
Von Sachsen aus ging die Reise weiter nach Brandenburg. Am Donnerstag übernachtete der Ökobauer in Schmerkendorf (Elbe-Elster) bei Pfarrer Andreas Bechler. „Ich bewundere seine Entschlossenheit, sich gegen die Genmanipulation und die Politik auf diese Weise zur Wehr zu setzen“ , sagte der 44-Jährige.

Radler übernachtet in Ogrosen
Am späten Freitagabend machte Clauß in Ogrosen Station. Ökobauer Heiner Lüdke-Schwienhorst unterstützte die Aktion des Bayreuthers und ist von dessen Fitness beeindruckt. „Es ist wichtig, auf die Risiken der grünen Gentechnik hinzuweisen“ , sagte der Landwirt, der in dem kleinen Dorf selbst Erzeugnisse aus kontrolliert ökologischem Anbau verkauft. „Unsere Kunden erwarten, dass die Produkte frei von manipulierten Genen sind.“
Alexander Clauß vertritt eine klare ablehnende Haltung zur grünen Gentechnik. Der Protest-Radler lehnt auch die Genforschung entschieden ab. Grüne Gentechnik nennt er „ein Verbrechen an der Natur und an der Menschlichkeit“ . Niemand wisse, welche Auswirkungen die genmanipulierten Pflanzen auf die Natur haben. „Ich habe drei Kinder, für dich ich Verantwortung übernehmen muss“ , begründet der Biobauer sein Engagement. „Außerdem müssen wir dafür sorgen, dass auch die kommenden Generationen in einer gesunden Umwelt leben können.“
Der Biobauer betreibt seit 1981 in Bayreuth einen kleinen Ziegenbetrieb, den er Mitte der 90er-Jahre in einen ökologisch wirtschaftenden umstellte. „Die Einführung von Gentechnik-Produkten in der Landwirtschaft bedroht auch die Ökolandwirtschaft“ , gibt Clauß zu bedenken, da eine Vermischung zu befürchten ist. Der 64-Jährige beschäftigt sich nach eigenen Aussagen seit drei Jahren intensiv mit der grünen Gentechnik. „Wenn die Politik diese Entwicklung nicht stoppt, führt das später zum Chaos in der Natur und zum Chaos in der Gesundheit beim Menschen“ , ist er überzeugt.
Alexander Clauß versucht seit mehreren Jahren mit Ein-Mann-Demonstrationen auf umweltpolitische Probleme aufmerksam zu machen. „Obwohl 70 bis 80 Prozent genmanipulierte Nahrung ablehnen, setzt sich die Bevölkerung nicht dagegen ein“ , bedauert der Bayreuther. Das sei ihm beim diesjährigen Umwelttag aufgefallen, bei dem das Interesse an dem Thema sehr gering war. Die Politik könne deshalb Entscheidungen treffen, die die Mehrheit der Bürger eigentlich nicht unterstützt. „Da die Menschen eher spektakuläre Aktionen wahrnehmen, habe ich mich zu dieser anstrengenden Reise entschlossen“ , begründet Alexander Clauß seine mehr als 400 Kilometer lange Fahrradtour.

Menschen fehlt oft die Information
„Ich habe auf meiner Reise schon viele interessierte Menschen getroffen“ , erzählt der in Schneeberg (Erzgebirge) aufgewachsene Biobauer. „Die meisten können mit dem Begriff 'Grüner Gentechnik' aber gar nichts anfangen“ , hat er dabei festgestellt. Doch er werde nicht müde, seine Gesprächspartner vor den Risiken der Gentechnik zu warnen und für ein Verbot zumindest in Deutschland zu werben.
Der letzte Teilabschnitt am Sonnabend von Ogrosen nach Berlin hatte es noch einmal in sich. „Nach einer kleinen Panne musste ich das Fahrrad einige Kilometer schieben“ , erzählte der Aktionist. Der Drahtesel wurde aber wieder repariert und die Tour fortgesetzt. Am Abend kam der 64-Jährige gut in Berlin an. Mit anderen Gen-Gegnern demonstrierte er gestern in der Hauptstadt gegen eine Lockerung des Gentechnikgesetzes.

Zum Thema Grüne Gentechnik
Pro: Die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung und eine Landwirtschaft, deren Existenz durch Klimawandel und Wasserknappheit bedroht sind, waren Argumente für die "Grüne Gentechnik". Gentechnisch veränderte Pflanzen sollen widerstandsfähiger gegen Insektenschädlinge sein. Die Pflanzen sollen außerdem auch bei schlechten Böden höhere Erträge bringen.

Kontra: Das ökologische Gleichgewicht wird gestört. Die Gefahren beim Eingriff in das Erbgut sind für Gesundheit und Umwelt noch nicht abzusehen. Ein Problem ist die mögliche "Kontaminierung" klassischer Pflanzen durch genetisch veränderte Organismen, zum Beispiel durch Pollenflug. Unkontrollierte Mutationen wären die Folge. Das würde wiederum den ökologischen Anbau gefährden.