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Radeln für einen sauberen See

Wenn die Wettergegebenheiten am gestrigen Ostermontag eine Prognose für die Entwicklung am Altdöberner See darstellen, dürfen Anrainer, Bürgerinitiative (BI) und Weggefährten hoffen: Nach dunklen Wolken und Schneeschauer klarte der Himmel auf und sorgte für eine entspannte Stimmung an der Kaffeetafel. Insgesamt geht die BI von bis zu 300 Teilnehmern aus.
Wenn die Wettergegebenheiten am gestrigen Ostermontag eine Prognose für die Entwicklung am Altdöberner See darstellen, dürfen Anrainer, Bürgerinitiative (BI) und Weggefährten hoffen: Nach dunklen Wolken und Schneeschauer klarte der Himmel auf und sorgte für eine entspannte Stimmung an der Kaffeetafel. Insgesamt geht die BI von bis zu 300 Teilnehmern aus. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Altdöbern. Bis zu 300 Radfahrer, Skater oder Wanderer pilgerten am gestrigen Ostermontag zum Altdöberner See, um an diesem die Vorzüge einer touristischen Nutzung aufzuzeigen. Mit seiner einzigartigen Wasserqualität, dem Uferrelief und seiner Tiefe gilt er als der "Bergsee im Lausitzer Seenland". Uwe Hegewald / uhd1 uhd1

"Wir wollen die Oster-Sternfahrt dazu nutzen, um die Einzigartigkeit des Sees aufzuzeigen. Ab Dienstag werden wir uns wieder gegen Pläne stemmen, die ein Einspülen von braunem Eisenhydroxidschlamm (EHS) vorsehen", begründete Dr. Martin Schultze das Anliegen der Sternfahrt. Der Landwirt aus der Gemeinde Neu-Seeland zählt zu den Aktivposten der Bürgerinitiative (BI) Altdöberner See, die zum zivilen, dennoch friedlichen Ungehorsam auf Fahrrädern aufgerufen hatte.

Ausgangspunkte der Sternfahrt

Zu den Ausgangspunkten der Ostersternfahrten zählten am Montag neben Altdöbern, Luckaitztal, Pritzen, Leeskow und Lindchen (alle Amt Altdöbern) Göritz und Greifenhain (Stadt Drebkau/SPN) sowie Woschkow, Ortsteil der Stadt Großräschen.

"Die Überlegungen der LMBV, den See als Endlager für EHS aus dem Land Brandenburg und dem Freistaat Sachsen zu opfern, sorgt längst nicht nur bei Anrainern für Fassungslosigkeit", hadert Torsten Wolf mit der Situation. Im wenige Schritte vom See entfernten Lubochow hat der Dresdner mit seiner Familie einen Bauernhof erworben, viel Geld, Zeit und Kraft investiert und bereits erste Besucher empfangen. Darunter Freunde aus entfernten Regionen und sogar aus Schweden. "Die können und wollen nicht glauben, was hier passieren soll", erzählt Wolf.

Dass sich Leute finden, die für das Vorhaben des Bergbausanierers Verständnis aufbringen und diesem Bedenkenlosigkeit attestieren, können Mitglieder der BI nicht nachvollziehen. Es sind zu viele Fragezeichen, aber auch erwiesene Irrtümer, die sie bei typischem Aprilwetter haben aufs Rad steigen lassen. Am Treffpunkt Kunersdorfer Strand konnten die Ausflügler bei Kaffee, Kuchen und Gesprächen die Züge eines Irrtums ausmachen. Noch einmal schickt der Bergbausanierer Technik an die Ufer des Altdöberner Sees, dessen Füllhöhe gegenüber ursprünglichen Plänen um rund zwei Meter nach unten korrigiert wird.

178 Bürger hatten vor zehn Jahren dem Landesbergamt gegenüber schriftlich ihre Bedenken zum Ausdruck gebracht und das mit dem zu erwartenden, unzumutbaren Grundwasserniveau im Altdöberner Raum begründet. Es erfolgte eine nochmalige Überprüfung, obwohl die LMBV damals noch prophezeite, dass die Wasserhöhe im See keine Auswirkungen auf die Grundwassersituation in Altdöbern habe. Dass beim Thema EHS mit einer weitaus stärkeren Bewegung zu rechnen sei, belegen die hundertfachen Unterzeichnungen auf Unterschriftensammlungen oder der Open-Petition Deutschland.

Massiver Eingriff

Seenland-Gästeführer Horst Lehmann macht deutlich, welche Größenordnungen zu erwarten sind: "Laut Studien und Gutachten könnten 220 Millionen Kubikmeter EHS in den See eingebracht werden, der im Endstadium ein Volumen von 294 Millionen Kubikmeter betragen soll. Mir fehlt die Fantasie zu glauben, dass so ein massiver Eingriff keine Auswirkungen auf die Wasserqualität nach sich ziehen soll", so der Altdöberner. Michael Lachmann schlägt in die gleiche Kerbe: "Ich bleibe bei meiner Meinung. Wenn Lkws pausenlos Ockerschlamm von anderen Seen, Gräben oder Teichen anliefern, weiß doch keiner, welche schädliche Fracht mittransportiert wird." Der Altdöberner See würde in diesem Fall für alle Ewigkeit den Status des "Bergsees im Lausitzer Seenland" verlieren.

Zum Thema:
Der Altdöberner See wird bis 2021zum wasserreichsten künstlich geschaffenen See im Land Brandenburg geflutet. Laut LMBV liegt der Füllstand derzeit bei 70 Prozent. Mit einem pH-Wert von 7,3 weist der stellenweise türkisfarbene See eine vorzügliche Wasserqualität auf. Auch ohne Einleitung von Wasser steigt das Niveau im Restloch des ehemaligen Tagebaus Greifenhain kontinuierlich an. Die Flutung wurde eingestellt, da die Wassermassen im Sedlitzer und Großräschener See benötigt werden und Vorrang haben.