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| 17:49 Uhr

Regional einkaufen
Radduscher Hofläden sind wieder am Start

 Stefan Przewozny weist Josie Kopsch auf die vielen regionalen Produkte hin und erklärt ihre Vorzüge.
Stefan Przewozny weist Josie Kopsch auf die vielen regionalen Produkte hin und erklärt ihre Vorzüge. FOTO: Peter Becker
Raddusch. Spreewaldtypische Produkte können von Einheimischen und Touristen endlich wieder gekauft werden. Von Peter Becker

„Zum Hofladen“ – diese örtliche Ausschilderung hat in den vergangenen Jahren für viel Ärger gesorgt. Urlauber wollten sich mit Spreewaldtypischem versorgen, folgten den Hinweisen – und standen vor verschlossenen Türen. „Zu verpachten“ stand dort lediglich zu lesen. Auch den Einheimischen blieben nur das Kopfschütteln und die Frage, wie es denn mal weitergehen soll. Diese Frage hat sich nun beantwortet: Mehrere Pächter betreiben verschiedene Geschäftsbereiche und wollen verlorengegangenes Vertrauen, besonders auch bei den Einheimischen, zurückgewinnen. Stefan Przewozny unterhält den eigentlichen Hofladen, Matthias Kloss kümmert sich um den Geschäftsbereich Leinöl, die anderen Bereiche wie Gaststätte und Kleintierhof sind noch nicht fest vergeben.

Stefan Przewozny ist ein gelernter Fitnesstrainer. Die Liebe brachte den Forster nach Lübbenau, schnell fand er großen Gefallen am Spreewald. An den Wochenenden ging es für ihn nun nicht mehr nur auf den Fußballplatz, seiner ganz großen Leidenschaft. Sein Interesse galt zunehmend mehr den zahlreichen Spreewaldmärkten in der Region. Gesundes und Regionales selbst zu verkaufen, kam dem gesundheits- und fitnessbewussten jungen Vater immer öfter in den Sinn. Mit dem Radduscher Hofladen sollte sich dieser Traum erfüllen. Seine Familie steht hinter ihm, sogar Mutti Bettina Przewozny kommt beinahe täglich aus Forst und unterstützt ihn im Laden. Sie war früher in einem vom Publikumsverkehr abgeschotteten Büro tätig und genießt es nun, mit Menschen aus der Region und bald aus ganz Deutschland ins Gespräch zu kommen. Sie bringt selbsthergestellte Keramik ins Geschäft ein. Die Angebotspalette des Hofladens reicht von Spreewaldprodukten mit der bekannten Dachmarke bis hin zu Geflügel, Wildfleisch und -wurst, sowie Gewürzen, regionaler Kleinkunst und Kunstgewerblichem.

Mathias Kloss ist ein Cottbuser und war bisher bundesweit in der Werbebranche tätig. Inzwischen verheiratet, zieht es ihn wieder näher an seine Heimatstadt heran. Der gesunden Lebensweise sehr zugetan, beschäftigt sich der junge Familienvater schon länger mit Lebensmitteln, ihrer Herstellung und Vermarktung. „Ich möchte den Verarbeitungsprozess wieder transparenter gestalten, den Kunden die Prozesse näherbringen, die Lebensmittel aus der Anonymität holen. Das Leinöl eignet sich dafür besonders, denn es ist ein uraltes regionales Produkt und bei den Spreewäldern besonders beliebt“, erzählt er. Bei ihm kann das Pressen und Abfüllen beobachtet werden. Seine Presse arbeitet bei Temperaturen von unter 39 Grad Celsius, damit zählt sein Produkt zu den kaltgepressten Ölen. „Bei höheren Presstemperaturen werden wertvolle Inhaltsstoffe wie die Omega-3-Fettsäuren abgebaut“, erklärt er Josie Kopsch und Anja Richter aus Lübbenau, die sich bei einem Hofladenbesuch Leinölherstellung und Verarbeitung erklären lassen. Selbstverständlich durften die beiden auch eine Verkostung vornehmen. Josie Kopsch: „Das Öl schmeckt angenehm mild, das hatte ich so nicht erwartet!“ Den Leinölsamen bezieht Mathias Kloss vorerst noch aus der Burger Mühle, er ist aber auf der Suche nach regionalen Erzeugern. Mit dem Spreewaldverein hat er schon Kontakt aufgenommen, von dort wurde ihm Unterstützung bei der Suche zugesagt. Bekanntlich gibt es kaum noch Leinen- oder Flachsanbauer in der Lausitz, nur wenige gehen das Wagnis ein. Die klimatischen Bedingungen haben sich verändert, der Flachs benötigt in der Aufgehphase viel Feuchtigkeit, die im Aufwuchsmonat April immer seltener ist – die Wirtschaftlichkeit ist nicht mehr gegeben.

Beide Lädenbetreiber wollen sich für die Zukunft einrichten, sich einbringen ins Dorfleben und den Kundenstamm wieder aufbauen. Eine der ersten vertrauensbildenden Maßnahmen wird ein Hoffest sein, noch mitten im Winter, bei Glühwein und Grillwurst: Am 1. und 2. Februar begrüßen die beiden ab 9 Uhr ihre Gäste.

Öffnungszeiten in der Vorsaison: Dienstag bis Samstag von 9 bis 17 Uhr.