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| 13:07 Uhr

Radduscher Bahnhof wird an den Tropf gehängt

Update | Calau. Mit dem Fahrplanwechel am kommenden Sonntag wird der RE 2 tagsüber in Raddusch, Kolkwitz und Kunersdorf nicht mehr halten. Am Samstag wird die Radduscher Bürgerintiative den Haltepunkt Raddusch deshalb auf Intensivstation schicken und ihn symbolisch an den Tropf hängen – auf dass er absehbar genesen möge. Hannelore Kuschy

Schon Tage vor dem Fahrplanwechsel am kommenden Sonntag ist der Parkplatz am Vetschauer Bahnhof überfüllt. Offensichtlich scheuen sich viele Pendler vor dem Schienenersatzverkehr und wollen sich langsam daran gewöhnen, mit dem Pkw nach Vetschau zu fahren, um dann weiter den Zug zu nutzen. Denn nur noch am frühen Morgen und am späten Abend werden Züge des RE 2 in Raddusch sowie auch in Kolkwitz und Kunersdorf halten. Schienenersatzverkehr ist vom 13. Dezember an eingerichtet.

Um den Parkplatz am Vetschauer Bahnhof zu entlasten, hat die Stadtverwaltung gemeinsam mit dem Straßenverkehrsamt eine Lösung gefunden: Beidseitig der Jahnstraße können Autos geparkt werden. Dazu würden sämtliche Schikanen zwischen Bahnhofstraße und Schönebegker Straße verschwinden, sagt Bürgermeister Bengt Kanzler.

Die Bürgerinitiative Haltepunkt Raddusch wird gemeinsam mit hoffentlich vielen Interessierten am Samstag, 12. Dezember, mit dem Eintreffen des RE 2 um 10.45 Uhr den Haltepunkt symbolisch an den Tropf hängen. "Bis zur Wiedereröffnung durch den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg nehmen wir den Haltepunkt sprichwörtlich in Intensivpflege", sagt Matthias Hantscher von der BI. Zudem solle deutlich gemacht werden, dass im Ort ein belebter Bahnhof mit neuem Nutzungskonzept entstehen kann. Jeder kann sich an diesem Tag die Räume im stillgelegten Bahnhofsgebäude anschauen und sich über die Chronik des Bahnhofs informieren - angelegt durch den Ortschronisten Manfred Kliche. Ute Jahn, Rita Wieck und Peter Becker werden Spreewaldbilder ausstellen. "Gleichzeitig", ergänzt Ortsvorsteher Ulrich Lagemann, "wollen wir für den Ankauf des Bahnhofsgebäudes durch die Stadt Vetschau werben". Statt dieses Haus dem Verfall preiszugeben, könne dort zeitnah eine Mobilitätsstation mit künstlerischem Flair und saisonalen Ausstellungen entstehen. Denn gerade der Bahnhalt Raddusch stehe für die Symbiose von öffentlichem Schienenverkehr und Tourismus. Sei es doch die Radduscher Kahnfährgemeinschaft, die erstmals mit dem Slogan "Von der Bahn in den Kahn" geworben habe. Gerade für den aufstrebenden Erholungsort sei es wichtig, dass der RE 2 zeitnah wieder dort halte. Denn schneller und vor allem pünktlicher kämen Reisende durch die Schließung tagsüber nicht ans Ziel, so die Bürgerinitiative. Eine ganze Region werde vom Schienenverkehr abgehängt, um zwischen Königs Wusterhausen und Cottbus vier Minuten im Fahrplan gut zu machen.

Kommentar: Noch viel Puste vonnöten

Zum Thema:
Aus einer Einwohnerversammlung am 19. Mai heraus haben sich 15 Personen gefunden, die im Anschluss die Bürgerinitiative "Haltepunkt Raddusch" (BI) gründeten. Seither haben sie sich in ungezählten Stunden mit Politikern, Fachleuten und Entscheidungsträgern auseinandergesetzt und daran gearbeitet, wie der Fahrplan mit stündlichem Halt beibehalten werden kann. Auch wenn das nicht gelungen ist, wird die BI weiter am Thema dranbleiben.