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| 02:32 Uhr

Raddusch will Ockerpyramide bauen

Ortschronist Manfred Kliche lädt regelmäßig zum Wandern ein. Er hat 2015 mit Besuchern 24 Touren auf diesem historischen Rundweg und 14 entlang dem Moorlehrpfad unternommen.
Ortschronist Manfred Kliche lädt regelmäßig zum Wandern ein. Er hat 2015 mit Besuchern 24 Touren auf diesem historischen Rundweg und 14 entlang dem Moorlehrpfad unternommen. FOTO: P. Becker/peb1
Raddusch. Mit einer Pyramide könnte Raddusch demnächst von sich reden machen. Künftigen Generationen soll sie zeigen: Damit plagten sich unsere Vorfahren herum. Denn das Kunstobjekt soll aus Ockerschlamm gebaut werden. Die Touristiker planen auch einen neuen Wanderweg – den Libellenweg. Hannelore Kuschy

Hinter dem Radduscher Sportplatz füllen sich Geotubes mit einem braunen Schlamm-Wasser-Gemisch aus dem Radduscher Absetzbecken. Der entwässerte Schlamm könnte das Baumaterial für eine große Pyramide werden, die sich der Tourismusverein Raddusch und Umgebung im Ort vorstellt.

Vereinschef Peter Becker spricht vom Kunstdorf Raddusch. Die Pyramide könnte das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit der BTU Cottbus-Senftenberg werden, die in Raddusch ein Forschungslabor mit Freiluftbeprobungen vorsieht und in deren Ergebnis besagte Pyramide aus dem Radduscher Ockerschlamm entsteht. In ihrer Form soll sie den Pyramiden im Branitzer Park ähneln und künftigen Generationen einen Eindruck davon vermitteln, womit sich die Vorfahren so herumplagen mussten. "Ein künstlerisches Denkmal unserer Zeit eben", so Becker. Als Teil des Kunstdorfes stellen sich die Radduscher Touristiker auch die Aquamediale vor, die im kommenden Jahr dort mit installiert werden solle. Und nach wie vor sei der Schwarze Berg mit einer Naturbühne für ausgewählte Veranstaltungen weiter in der Diskussion. Noch aber fehle es am Geld.

Das zweite große Vorhaben kommt etwas anmutiger daher - der Libellenweg. "Mit diesem Wanderweg richten wir uns vor allem an die etwas Betagteren und junge Familien mit kleineren Kindern", erklärt der Radduscher. Denn dieser Weg entlang der Radduscher Kahnfahrt sei kürzer als alle bisherigen.

Dort, wo früher einmal eine Dükerbrücke war, soll wieder eine entstehen und diesen dann zwei Kilometer langen Rundweg erst möglich machen. Fördermittel seien durch die Stadt zu beantragen, so Becker. Den Eigenanteil von rund 15 000 Euro wolle der Verein aufbringen. Die Radduscher gehen deshalb auf Sponsorensuche. Plaketten mit dem Namenszug eines jeden, der für das Vorhaben Geld spendet, soll an den Bohlen der stufenlosen Brücke angebracht werden. "Zusagen haben wir schon für insgesamt 6000 Euro", stellt der Vereinsvorsitzende fest. Wer etwas dazugeben möchte, meldet sich unter der Telefonnummer 035433 70622.

Am Rückweg des neuen Wanderweges soll ein Spielplatz angelegt werden mit einer Libellenfigur. "Durch 60 kleine Linsen können die Kinder dann erkennen, wie eine Libelle die Welt sieht", erläutert er. Von Liegesitzen aus könnten müde Wanderer den Libellen zusehen, die dort ganz besonders oft zu beobachten seien. Der Weg soll praktisch den historischen Rundwanderweg und den Moorlehrpfad als touristisches Angebot ergänzen. Allerdings bereitet Vandalismus auf dem Moorlehrpfad den Vereinsmitgliedern Sorge. "Auf dem Boblitzer Abschnitt werden immer wieder Schilder entfernt und Info-Tafeln beschädigt", beklagt Peter Becker. Der Projektentwickler eines nahen Solarparks hat dem Verein Findlinge bereitgestellt, die mit Erklärungen auf einem Edelstahlschild die Tafeln ersetzen sollen.

Um möglichst viele Besucher für den Ort zu interessieren, haben Dieter Weißhahn, Joachim Seeck und Detlef Krüger an der Slawenburg zwei neue Informations-Tafeln aufgestellt. Dort erfahren Gäste unter anderem mehr über den historischen Rundweg, der im vorigen Jahr durch die Milchrampe in der Dorfmitte ergänzt wurde.

Die Geotubes wachsen. Diese Textilkissen sollen entwässerten Ockerschlamm für eine Kunstpyramide im Ort liefern.
Die Geotubes wachsen. Diese Textilkissen sollen entwässerten Ockerschlamm für eine Kunstpyramide im Ort liefern. FOTO: H. Kuschy