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| 02:42 Uhr

Raddusch tanzt, singt und erzählt

Der Kahnkorso beim Radduscher Hafenfest zieht jedes Jahr im Frühling die Blicke Hunderter Zuschauer auf sich. Auch beim Landeserntefest wird die Kahnfährgemeinschaft einen Kahnkorso veranstalten.
Der Kahnkorso beim Radduscher Hafenfest zieht jedes Jahr im Frühling die Blicke Hunderter Zuschauer auf sich. Auch beim Landeserntefest wird die Kahnfährgemeinschaft einen Kahnkorso veranstalten. FOTO: P. Becker/peb1
Raddusch. Wenn sich Radduscher Trachtenpaare am Montag in der Brandenburg-Halle im Tanze drehen, wird den Grüne-Woche-Besuchern das Herz aufgehen. Der 700 Einwohner zählende Vetschauer Ortsteil übernimmt von Beerfelde den Staffelstab und verteilt mit seinen Freunden schon mal eine farbenprächtige Einladung an alle: Auf ein Wiedersehen beim Dorf- und Erntefest des Landes am 9. und 10. September im Spreewald! Hannelore Kuschy

70 Bilder sind für den großen zweistündigen Festumzug beim Brandenburger Dorf- und Erntefest im September in Raddusch schon gemeldet. "Und es werden immer mehr", sagt Ortschronist Manfred Kliche hocherfreut. Mit mehr als 50 Akteuren fährt er am Montag, dem Brandenburg-Tag, zur Grünen Woche nach Berlin, um dort sein schönes Spreewalddorf vorzustellen.

Der Heimat- und Trachtenverein - er zählt mittlerweile 81 Mitglieder - schickt zwölf von ihnen mit in die Hauptstadt. "In Trachten werden sie zur Annemariepolka und zur Kreuzpolka tanzen. Zu hören sein wird natürlich auch unser Raddusch-Lied, für das Marlene Jedro aus Leipe den Text geschrieben und das Duo Lothar und Klaus die passende Melodie gefunden hat", erzählt der Radduscher, der die Moderation übernehmen wird. Und er stellt den Besuchern bei dieser Gelegenheit auch gleich die kostbare Radduscher Festtagstracht und die Kirchgangstracht vor.

"Herzlich willkommen", das heißt auf Wendisch "Witaj", sagen an diesem Tag auch zwölf Schüler der 3. bis 5. Klasse des Vetschauer Schulzentrums. "In wendischer Sprache werden sie singen und auch Tänze aufführen", sagt Anke Gräfe vom Verein Tyca-Regenbogen. Den Besuchern erklärt sie das Witaj-Projekt. "Wir pflegen die Trachten und Bräuche der Wenden und wollen vor allem die Sprache erhalten. Die lernen die Kinder am besten bei dem, was sie gerne machen: beim Spielen, Basteln, beim Theater spielen", beschreibt sie das Projekt. Gemeinsam mit Uta Körner war sie die erste Erzieherin in Vetschau, die im Jahr 2000 wendisch intensiv gelernt hat. Sie selbst betreut heute die Hortkinder im Schulzentrum, in dem 25 Mädchen und Jungen wendisch lernen. Uta Körner lebt das Wendische mit den Kleinen in der Radduscher Kita "Marjana Domskojc". Und auch die Vetschauer Kita "Sonnenkäfer" nimmt am Witaj-Projekt teil.

Wer Raddusch besucht, darf die Slawenburg keinesfalls auslassen. Im frühen Mittelalter war die Niederlausitz am westlichen Spreewaldrand überzogen von einem dichten Netz kleiner ringwallförmiger Burganlagen. Eine dieser Slawenburgen war zwischen 1984 und 1990 ausgegraben worden und steht seit etwa 15 Jahren wieder originalgetreu nachgebaut bei Raddusch. Als lausitztypisches Bodendenkmal erinnert die Slawenburg Raddusch an eine heute weitgehend verschwundene Kultur. Bis zum 23. April sind dort noch die Archäologischen Landschaften in einer Sonderausstellung zu sehen. Die ständige Ausstellung soll demnächst erneuert werden.

Für gute Laune in der Brandenburg-Halle wird nach Angaben von Ortschronist Manfred Kliche auch die Funkengarde des Koßwiger Karnevalsclubs sorgen. Die Koßwiger sind die Vetschauer Spaßmacher in der fünften Jahreszeit und haben für ihren Grüne-Woche-Auftritt am Brandenburg-Tag schon fleißig geübt.