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| 02:44 Uhr

Qualitätsbuch wird Pflichtlektüre für Erzieher

Das Bewegungsangebot von Marion Schöneis (l.) von der Vetschauer Kita Sonnenkäfer kommt an bei den Kindern.
Das Bewegungsangebot von Marion Schöneis (l.) von der Vetschauer Kita Sonnenkäfer kommt an bei den Kindern. FOTO: Jan Augustin
Vetschau. Die Kitas im Oberspreewald-Lausitz-Kreis haben seit dem gestrigen Montag eine neue Arbeitsgrundlage. Ein 145-seitiges Qualitätshandbuch enthält pädagogische Schwerpunkte und Ergebnisse einer dreijährigen fachlichen Diskussion. Gute Erfahrung mit diesem Werk machte schon die Vetschauer Kita "Sonnenkäfer". Jan Augustin

Heidrun Schramm kann ihre Begeisterung für das neue Qualitätshandbuch für Kindertagesstätten im Oberspreewald-Lausitz-Kreis kaum verbergen. Die Leiterin der Vetschauer Kita "Sonnenkäfer" führt durch die Räume und Flure und egal, wo sie hineinschaut und Guten Morgen sagt, da finden sich die Ansätze des neuen Werkes wieder. Ob beim Bewegungsangebot für die "Grashüpfer" oder nebenan beim gemeinsamen Geburtstagsständchen in sorbischer Sprache.

Am Zustandekommen des Buches hatte ihre Einrichtung einen maßgeblichen Anteil. Als eine von neun Pilotkitas erprobte sie die Arbeit mit ihm, und sie habe gute Erfahrung gemacht. "Es hat uns noch mehr zusammengeschweißt", sagt die 49-Jährige. Elf Erzieher und zwei Einzelfallhelfer kümmern sich in der kommunalen Einrichtung im modernen Bürgerhaus derzeit um 77 Kinder.

Die Mitarbeiter nahmen in der Pilotphase an mehreren Fortbildungen und Diskussionsrunden teil. Ihre Arbeit nahmen sie dabei nicht nur selbst unter die Lupe. Untersucht wurde die Einrichtung auch von einem externen Institut. Die Rückmeldung sei wertschätzend gewesen, freut sich Heidrun Schramm. Froh sei sie aber auch gewesen, dass es Hinweise für weitere Verbesserungen gegeben habe.

Die Bewertung von anderen Trägervertretern waren bisher durchweg positiv gewesen, sagt die Praxisberaterin für Kindertagesbetreuung, Sabine Vogt. Das Papier sei eine "gute Grundlage", "übersichtlich" und "gutes Handwerkszeug", habe es geheißen. Das Handbuch, das sich auf acht Aufgabenbereiche der pädagogischen Arbeit konzentriert (siehe Infobox), biete eine Orientierung mit klaren Zielvorstellungen, aber ohne einzuengen. Es gehe auch nicht darum, dass die Kitas den Inhalt sofort im ersten Quartal umzusetzen hätten, erklärt Sabine Vogt, die betont: "Es wird nichts übergestülpt."

Entstanden ist das Qualitätshandbuch im Projekt "Qualität von Anfang an", das von 2012 bis 2014 im Kreis durchgeführt wurde. Im Rahmen der "Offensiven Bildung" initiierte die BASF Schwarzheide gemeinsam mit dem Landkreis das Vorhaben, um die Kitas und Träger bei der Qualitätsentwicklung zu unterstützen. Zu Beginn des Projekts hatte sich eine Arbeitsgruppe aus kommunalen Vertretern, Trägervertretern, Kindertagesstättenleitungen und Jugendamt gebildet.

Auf Qualität und eine kindgerechte Erziehung habe die Kita "Sonnenkäfer" freilich schon immer Wert gelegt, sagt Leiterin Heidrun Schramm. Nun aber habe die Einrichtung ein Instrument an die Hand bekommen, das als Arbeitsgrundlage diene und mit dem man die Qualität auch messen könne. Neben dem Kita-Gesetz habe es bisher nämlich keine Grundlage für die Erzieher gegeben. "Ich bin heilfroh, dass man so ein Papier entwickelt hat", betont die Kita-Chefin.

Das Qualitätshandbuch im Kreistagsinformationssystem unter www.osl-online.de

Zum Thema:
Folgende acht Aufgabenbereiche für die pädagogische Arbeit umfasst das neue Qualitätshandbuch für Kindertagesstätten: 1.) Die Gestaltung des alltäglichen Lebens. 2.) Alles zum Spiel. 3.) Projekte entwicklen und gestalten. 4.) Räume und ihre Gestaltung. 5.) Beobachtung und Dokumentation. 6.) Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. 7.) Gestaltung der Eingewöhnung in die Kita und den Wechsel in die Grundschule. 8.) Entwicklung der Teamarbeit.