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| 17:45 Uhr

Lübbenau
Protest gegen Weg-Sperrung

Betroffen durch die eingeschränkte  Wegnutzung wären auch die Bewohner des Wohnhauses auf der Spreewaldinsel Erlenhorst.
Betroffen durch die eingeschränkte Wegnutzung wären auch die Bewohner des Wohnhauses auf der Spreewaldinsel Erlenhorst. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Lübbenau. Grundstücke am Wotschofskaweg sollen künftig nur noch zu Fuß erreichbar sein. Von Daniel Preikschat

Familie von Gumpert wohnt seit Dezember auf der Spreewaldinsel Erlenhorst. Das junge Ehepaar aus Berlin hat das zugewucherte Wohngrundstück in monatelanger Arbeit erst wieder in einen ansehnlichen Zustand bringen müssen. Das Haus von der Größe einer Villa sei mindestens 20 Jahre lang nicht bewohnt gewesen, so Julia Knabe-von Gumpert. Das gesamte Inselgrundstück haben die Neu-Lübbenauer erworben. Mehr als 20 000 Quadratmeter, die von 14 Kleingartenpächtern mit genutzt werden.

Die Freude über das schöne Wohnen in der Idylle am Fließ jedoch wird nun deutlich getrübt. Die Stadt Lübbenau will einen wichtigen Versorgungsweg, den Weg zum Wotschofskaweg, für Kraftfahrzeuge sperren lassen. Eine Beschlussvorlage dazu, die zunächst die öffentliche Bekanntmachung des Vorhabens betrifft, war kürzlich in der Stadtverordnetenversammlung heftig umstritten. Mehrere Pächter und auch Julia Knabe-von Gumpert, brachten in der Einwohnerfragestunde Einwände vor. Bereits zuvor hatten sich die Grundstücksbesitzer – neben den von Gumperts auch Christoph Wilde – in einem Schreiben hilfesuchend an die Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung gewandt.

Der Weg zum Wotschofskaweg soll für Kraftfahrzeuge künftig nicht mehr befahrbar sein. 50 Personen wären von dem Verbot betroffen.
Der Weg zum Wotschofskaweg soll für Kraftfahrzeuge künftig nicht mehr befahrbar sein. 50 Personen wären von dem Verbot betroffen. FOTO: LR / Daniel Preikschat

Hingewiesen wurde auf die mehr als 50 Personen allein auf den Grundstücken Wilde und Erlenhorst, die durch die sogenannte Teileinziehung des Wegs betroffen wären. Für den regelmäßigen Abtransport von Gartenabfällen und Gartengeräten ebenso wie für Flüssiggaslieferungen wären jeweils gebührenpflichtige Sondergenehmigungen zu beantragen. Zudem sei der Rettungsweg über den Schlossbezirk für Einsatzwagen der kürzeste. Auch die Post wurde bisher immer über den Weg zum Wotschofskaweg zugestellt.

Von Seiten der Stadt hingegen werden „Gründe des öffentlichen Wohls“ ins Feld geführt. Der motorisierte Verkehr sei stark gestiegen auf diesem Weg. Gerade „Unberechtigte“ nutzten ihn zunehmend, sodass der Weg nunmehr im „Bestand zerstört“ und ein Rohrdurchlass „stark in Mitleidenschaft gezogen“ wurde. Dabei liege der Weg, der sich vom Schlossbezirk zum Wotschofskaweg schlängelt, in einem sensiblen Bereich mit denkmalgeschütztem Park und Biosphärenreservat. Ähnlich äußerte sich in der Einwohnerfragestunde auch Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos).

Wenn Touristen auf Kähnen künftig auf verlassene und ungepflegte Kleingärten sehen mit Lauben-Ruinen, könne das auch nicht das erwünschte Ziel sein, so Pächterin Ilona Noack. Denn diese Gefahr sieht die Lübbenauerin durchaus. Für viele ältere Pächter, unter ihnen auch Menschen mit Behinderung, wären die Gärten nach einer Teileinziehung kaum noch zu unterhalten. Dabei seien auch Gärtner betroffen, die hinter der ehemaligen Badeanstalt ihre Parzellen haben.

Aus Sicht der ehemaligen Polizeibeamtin wäre es ein Leichtes, „Unberechtigte“ durch entsprechende Beschilderung und/oder einen einklappbaren Poller am Beginn des Wegs, für den nur Befugte einen Schlüssel haben, fernzuhalten. Eine mit Findlingen abgesperrte Grünfläche am Ende des Wegs, sollte, so die Meinung von Ilona Noack, als Wendemöglichkeit genutzt werden können. Ebenfalls mit entsprechender Beschilderung könnte das Parken dort verboten werden.

Die Stadtverordneten indes haben den Beschluss zur Bekanntmachung des Vorhabens nun erst mal beschlossen. In drei Monaten können Einwände und Einsprüche geltend gemacht werden. Ilona Noack ist sicher, dass es einige geben wird.