ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:19 Uhr

Abschied vom Schienenersatzverkehr
Protest gegen „Schneider-Zug“ in Raddusch

Letzter Schienenersatzverkehr in Raddusch FOTO: Peter Becker
Raddusch . Die neue Regionalbahn 41 soll die Anbindung an den RE2 nach Berlin verbessern. Doch das Gegenteil ist der Fall – sagen die Bürgerinitiativen Raddusch und Kunersdorf/Kolkwitz und schreiben einen Brief an den Ministerpräsidenten. Von Christian Taubert

Das erlebt ein Minister auch nicht alle Tage: Ein neuer Zug wird nach ihm benannt. Zwar ohne Taufe und nicht offiziell. Aber schon mit Fahrplanwechsel ab Sonntag hat die Regionalbahn (RB) 41 zwischen Lübben und Cottbus ihren Namen weg. Zumindest für die Einwohner der seit 2016 vom Regionalexpresse (RE) 2 abgekoppelten Lausitz-Haltepunkte Kolkwitz, Kunersdorf und Raddusch ist das der „Schneider-Zug“. Der aber ist nicht wohlwollend, sondern mit viel Protest aufgenommen worden.

Und das hat seinen Grund: Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) hat die als „Spreewald-Express“ angekündigte neue Regionalbahn auf die Schiene gesetzt, obwohl sie in den drei Orten abgelehnt worden war. Jetzt verkehrt die RB 41 im Zweistundentakt und bindet die Halte Kolkwitz, Kunersdorf und Raddusch wieder an den RE 2 an. Doch statt der einstigen direkten Halte ist nun ein Umsteigen in Lübbenau erforderlich. Da die RB 41 aber hinter dem schnellen RE 2 Cottbus - Berlin verkehrt, muss dort auf den nächsten Zug gewartet werden. „Das geht völlig an unseren Forderungen vorbei. Statt 70 Minuten benötigt der Reisende nun mindestens 100 Minuten bis Berlin“, erklärt Matthias Hantscher von der Bürgerinitiative „Haltepunkt Raddusch“ am Samstagmittag.

Blumen für den Busfahrer.
Blumen für den Busfahrer. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau / Christian Taubert

Da haben die Radduscher den bisherigen Schienenersatzverkehr „beerdigt“ und dem Busunternehmen gedankt. Hantscher machte dabei auch darauf aufmerksam, dass sich für die Radduscher das bisherige Angebot durch den Schienenersatzverkehr um die Hälfte reduziert: Die Bahn fahre aller zwei Stunden. Dafür sei die RB 41 um einen Vielfaches teurer. „Und dabei ist uns gleichzeitig die bisherige direkte Anbindung an den RE 2 genommen“, zeigt sich Hantscher verärgert.

In einem gemeinsamen Brief an Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) haben die Bürgerinitiativen Raddusch und Kunersdorf/Kolkwitz ihr Unverständnis über die jetzige Lösung zum Ausdruck gebracht und fordern, „die verkehrspolitisch unsinnige Entscheidung umgehend wieder zurückzunehmen“.

In Kolkwitz hat die Gemeinde unterdessen am Haltepunkt eine Möglichkeit zum Abstellen privater Fahrzeuge geschaffen. Der Parkplatz ist für all diejenigen, „die sich trotz der von der Verkehrsministerin persönlich veranlassten desaströsen Verkehrsanbindung an die Strecke Cottbus-Berlin ab dem 9. Dezember 2018 nicht abschrecken lassen und einen Zug nutzen möchten“, heißt es in einer Mitteilung der Bürgerinitiative. In dem Schreiben heißt es weiterhin, das das Kolkwitzer Protestbanner jetzt dauerhaft dort zu sehen sein werde. „Damit niemand auf die Idee kommt, dass die Bürger aufgeben“, sagt der Gerd Bzdak von der Bürgerinitiative Kunersdorf/Kolkwitz.

Die Landtagsabgeordneten der Linken Anke Schwarzenberg und Kathrin Dannenberg aus dem Oberspreewald-Lausitz-Kreis sehen in der Anbindung der drei Lausitz-Haltepunkte im Zwei-Stundentakt eine Verbesserung. „Aber es bleibt das Problem, dass der Bedarf und auch die Erwartungen größer sind“, erklärt Schwarzenberg. Sie verweist darauf, dass diese Bahnhöfe im Zuge der Ausschreibung des Vergabenetzes Elbe-Spree im Dezember 2022 wieder mit dem Regionalexpress angefahren werden sollen.

Der letzte Schienenersatzverkehr verlässt Raddusch.
Der letzte Schienenersatzverkehr verlässt Raddusch. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau / Christian Taubert

Vorgesehen sei, das die drei Halte aber nicht im Stundentakt realisiert werden, „sondern der RE 2 wird abwechselnd im Zwei-Stunden-Takt in Kolkwitz und Kunersdorf sowie im Ein-Stunden-Takt in Raddusch halten“, erläutert Schwarzenberg. Für die Linke sei das keine praktikable Lösung. „Das ist für Bahnreisende weder kundenfreundlich, noch für Pendlerinnen und Pendler eine verlässliche Verbindung“, kritisiert Dannenberg. Deshalb fordert die Linke, für 2022 den Ein-Stunden-Takt auf der gesamten Strecke des RE 2 für alle Bahnhöfe einzuführen und im Landesnahverkehrsplan Brandenburg zu verankern.

Letzter Schienenersatzverkehr in Raddusch FOTO: Peter Becker