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Protestaktion in Berlin
Protest gegen die Agrarindustrie

Johann Lütke-Schwienhorst macht sich heute mit dem Traktor in Ogrosen auf zur Demo in Berlin.
Johann Lütke-Schwienhorst macht sich heute mit dem Traktor in Ogrosen auf zur Demo in Berlin. FOTO: Daniel Preikschat / LR
Ogrosen. Ökologische Höfegemeinschaft Gut Ogrosen beteiligt sich an Demonstration in Berlin.

Johann Lütke-Schwienhorst besteigt an diesem Freitag früh um 8 Uhr in Ogrosen den Traktor. Von der Ökologischen Höfegemeinschaft Gut Ogroßen geht es mit Tempo 35, überwiegend auf Bundesstraßen, nach Berlin. Fünf Stunden Fahrt bei voraussichtlich stürmischem Wetter. Nicht angenehm, aber es muss sein.

Dieser Ansicht sind alle Mitarbeiter in den vier Betrieben der Ogrosener Höfegemeinschaft, in der Milchprodukte und Fleisch in einem Hofkreislauf überwiegend für die Direktvermarktung sowie für Märkte und Gastronomen in der Region produziert werden. Denn der Traktor mit Johann Lütke-Schwienhorst am Steuer reiht sich ein in einen ganzen Traktor-Konvoi, der am Samstag in Berlin Hauptbahnhof, Landwirtschaftsministerium und Brandenburger Tor anfährt. Mit Transparenten, einer Erklärung für das Ministerium und Kundgebungen werde gegen eine „unterirdische Agrarpolitik“ demonstriert, wie es Lucas Lütke-Schwienhorst, Bruder von Johann und mit seinem Vater Heiner Lütke-Schwienhorst Betriebsleiter des Gut Ogrosen, ausdrückt.

„Unterirdisch“ sei beispielsweise, dass außerlandwirtschaftliche Investoren Ackerland in Größenordnung als Spekulationsobjekte erwerben können. In direkter Nachbarschaft zum Ogrosener Gut konnte die Münchner Rückversicherung erst kürzlich hunderte Hektar Boden in Besitz nehmen, heißt es weiter von dem Betriebsleiter. Bundes- und Landesregierung müssten nach Ansicht der Ogrosener Bauern bodenmarktpolitische Verantwortung übernehmen und derlei Aufkäufe von Ackerland verhindern.

Mit Hilfe neuer Rahmenbedingungen vorgebeugt werden müsste aber auch dem steigenden Export von Lebensmitteln und dem Profitstreben der Agrarindustrie, ergänzt Heiner Lütke-Schwienhorst. So werde der Bau von Tierhaltungsanlagen, die keine gesellschaftspolitische Akzeptanz mehr erfahren, gefördert. Dabei würden er selbst und seine Mitstreiter in der Höfegemeinschaft zeigen, dass umweltschonender Ackerbau und artgerechte Tierhaltung schon heute möglich sind. Seit immerhin nun schon 27 Jahren betreibt Lütke-Schwienhorst in Ogrosen ökologische Landwirtschaft. „Ein Weiterso in der Agrarpolitik“, sagt er, „kann es und darf es nicht geben.“

Sein Sohn Johann, der bereits zum vierten Mal für das Gut mit dem Trekker zur Demonstration in Berlin fährt, hat noch einen weiteren agrarpolitischen Missstand ausgemacht: Landwirtschaftliche Existenzgründer, die in kleineren und mittleren Betrieben umweltverträglich wirtschaften wollen, werden in Deutschland nicht unterstützt. Die bescheidenen Möglichkeiten, die sich durch die EU-Agrarpolitik ergeben, werden nicht genutzt, hat Johann Lütke-Schwienhorst erkannt. Statt dessen würden die Höfe sterben. Der Student weist hin auf die rund 120 000 Höfe, die Deutschland allein während der bisherigen Amtszeit Angela Merkels verloren habe.

Am Samstag Abend wird Johann Lütke-Schwienhorst von seiner Trekker-Tour wieder zurückgekehrt sein. Anstrengend wird es gewesen sein, sagt er, aber auch wichtig.