Von Daniel Preikschat

Von der Decke des Ateliers im Lübbenauer Kulturzentrum Gleis 3 baumelt eine Siedlung. Ein kleiner Kiez der Lüfte. Oder ein Raumschiff? L & M steht auf dem Pappe-Gebilde geschrieben. Das steht für Lisa und Michelle, zwei von insgesamt 14 Schülern der Oberschule Ehm Welk in Lübbenau, die in dieser Woche mit dem renommierten Objektkünstler Philip Topolovac, der vor allem in Berlin schon etliche Ausstellungen bestreiten konnte, in einem Workshop zusammenarbeiten durften. Dank der Heinrich-Böll-Stiftung und des Kulturzentrums Gleis 3.

Am Freitag präsentierten die Schüler der Klassenstufen acht bis zehn ihre teils phantastisch anmutenden Siedlungsentwürfe. Es ging bei dem Projekt Travelling Art Space (Reisen durch Kunst-Raum) darum, mit wenigen Mitteln – Pappe, Cutter, Schneidematten und Heißluftpistole – improvisierte Lebensräume zu entwerfen für Menschen unterschiedlichster Herkunft. Dabei durften die Architekturen ruhig Skulpturen ähneln. Klingt abstrakt und erforderte auch viel Kreativität und Teamworkfähigkeit von den Schülern, so Schulleiterin Gabriela Lehmann. Allerdings, so Schülerin Celina, gab Künstler Topolovac viele gute Impulse, zeigte Fotos und eigene Arbeiten. Der Besuch des Ateliers von Philip Topolovac am Mittwoch in Berlin und der Ausstellung im Gropius-Bau sei ebenfalls sehr anregend gewesen.

Wie man bei der Präsentation am Freitag sehen konnte. Neben dem neuzeitlichen Luftschloss von Lisa und Michelle war etwa auch die Bienenwaben-Siedlung von Jasmine, Lilly und Huda zu sehen. Jonas und Raphael ließen sich von Fotos inspirieren vom beengten Wohnen in Rio de Janeiro und bauten eine gestufte Wohnanlage. „Alltag in Rio“ nannten sie ihre Arbeit. Während Jasmine, Veronique, Maggie und Joanne ein Dorf aus Pappe fertigten. Äußerst skurril mutet der Entwurf von Celina, Abai und Sulaiman an, die eine Ansammlung von Röhren, Kästen und Verstrebungen „Durch die Augen eines Autisten“ nannten.

Es sei nicht so leicht gewesen, „ins Thema reinzukommen“, erzählte eine Schülerin am Freitag. Im Endeffekt habe es aber Spaß gemacht. Raphael fand den Besuch des Ateliers von Künstler Topolovac in Berlin „amüsant und interessant“.

Schulleiterin Gabriela Lehmann indes hat mit Freude beobachtet, wie einige sonst eher zurückhaltende Schüler Talent an den Tag gelegt haben. Ein Projekt zum Thema Migration und Integration passt ihrer Ansicht nach gut zur Ehm-Welk-Oberschule. „Wir haben Schüler bei uns mit unterschiedlichsten Förderbedarfen“. Auch viele Schüler, die nicht mit der Muttersprache Deutsch aufgewachsen sind, besuchen die Schule. An der Kuntsprojekt-Woche beteiligten sich unter anderem auch Schüler aus Afghanisten, Pakistan und Syrien.

Als Belohnung für die kreative Arbeit gab es am Freitag im Atelier nicht nur die Vernissage. Mitschüler der Koch AG zeigten ebenfalls, was sie können, und zauberten ein kleines Buffett.