Von Daniel Preikschat

Sind Kleingartenvereine ein Auslaufmodell? Wer dem Vorsitzenden des Bezirksverbands Calau der Gartenfreunde e.V. zuhört, der könnte zu dieser Einschätzung gelangen. Martin Kreuzberg war bis vor Kurzem außerdem Vorsitzender der Altdöberner Sparte „Erlengrund“, die aber im vergangenen Jahr abgewickelt wurde. Von den 20 Pächtern sei kaum jemand mehr bereit gewesen, sich am Vereinsleben zu beteiligen und seinen Anteil zu leisten an der Pflege der Gemeinschaftsflächen. Es gab keine Teilnahme mehr an Sitzungen, nicht mal mehr bei Festen, so Kreuzberg. Stattdessen gab es immer mehr Nachbarschaftsstreitigkeiten. Daher habe der Vorstand hingeworfen, immerhin aber noch mit dem Flächeneigentümer, dem Amt Altdöbern, eine Vereinbarung ausgearbeitet. Sie regelt, wie die Parzellen weiter genutzt werden können. Für die Pächter lief es dabei darauf hinaus, dass sie deutlich mehr zahlen müssen als bisher. Die Pacht hat sich erhöht, Grünpflege und Buchhaltung müssen bezahlt werden. Statt mit bisher 50 Euro im Jahr sind die Altdöberner Laubenpieper künftig mit 300 bis 400 Euro im Jahr dabei.

Eine Entwicklung wie in Altdöbern sieht Martin Kreuzberg insgesamt im Bezirksverband mit seinen derzeit noch 54 Vereinen in Altdöbern, Calau, Vetschau und Lübbenau. Immer weniger Pächter beteiligten sich am Vereinsleben, teils aus nachvollziehbaren beruflichen oder gesundheitlichen Gründen. Zudem geben immer mehr betagte Kleingärtner ihre Parzellen ab oder engagieren sich nicht mehr in den Vorständen.

Nur zum Teil könne die Lücke geschlossen werden durch Neupächter mit Migrationshintergrund oder durch Langzeitarbeitslose, die in den Schrebergärten für Tafeln in der Region pflanzen und ernten. 100 Gärten stehen derzeit im Bezirksverband leer, sagt Kreuzberg, bewirtschaftet werden noch 2190. Zur Wende waren es noch 2400. Auch in Lübbenau, so der Verbandschef, gebe es schon Spartenbesitzer, die ihre Pacht nicht mehr an den Verein, sondern direkt an den Eigentümer zahlen. In den kommenden Jahren rechnet Kreuzberg mit dem Aus weiterer Sparten.

Wird ein Kleingartenverein abgewickelt, erklärt Peter Salden vom Fachblatt „Garten Flora“, die der Landesverband Brandenburg der Gartenfreunde e. V. herausbringt, habe das für die Pächter Folgen. Denn dann gilt für sie auch nicht mehr das Bundeskleingartengesetz. Sie verlieren den Kündigungsschutz, können sich nicht mehr auf einen Höchstpachtzins berufen und auch kein Entschädigungsrecht mehr in Anspruch nehmen. Das Kleingärtnern wird reine Privatsache.

Salden, der für einen seiner Berichte Martin Kreuzberg diese Woche in Lübbenau interviewt hat, kennt das Problem aus seiner Heimatregion Döbeln in noch zugespitzterer Form. Dort stünden nicht fünf, sondern 30 Prozent der Parzellen leer. Auch aus Sicht Saldens sind Kleingartenvereine nicht mehr zeitgemäß. Es seien zu DDR-Zeiten viel mehr entstanden als bewahrt werden können. Es wäre dennoch wichtig, die Grünflächen – wie auch immer – zu erhalten. Zum einen wegen der wichtigen ökologischen Funktion. Zum anderen, um Bodenspekulantentum vorzubeugen.