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| 14:51 Uhr

Narren bei der Probe für den Karneval
Einkaufszentrum in Lübbenau wird zur Narren-Hochburg

 Mit viel Improvisationstalent zaubern die LKC-Aktiven aus einem Einkaufszentrum eine Karnevalshochburg.
Mit viel Improvisationstalent zaubern die LKC-Aktiven aus einem Einkaufszentrum eine Karnevalshochburg. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Lübbenau. Karneval ist nicht nur bunte Oberfläche. Was er den Aktiven bedeutet, zeigt ein Besuch beim Lübbenauer Karneval Club (LKC). Von Daniel Preikschat

Freitag, kurz vor 18 Uhr im Lübbenauer Kolosseum. Das Einkaufszentrum in der Neustadt leert sich, die letzten Kunden verlassen Kick, DM oder Bäcker Wahn. Zu tun gibt es nur noch im Asia-Bistro. Denn 30 bis 40 Mitglieder des Lübbenauer Karneval Clubs (LKC) haben sich eingefunden und wollen an diesem Abend versorgt werden. Sie bauen das Bühnenbild für ihr neues Programm „Ob Fernsehheld oder Serienstar, der LKC hat sie alle da“.

Im Obergeschoss dürfen sich die Männer und Frauen des Vereins in zwei großen leerstehenden Räumen ausbreiten. Die Frauen basteln Deko, arbeiten an Requisiten, legen sich schon mal die Kostüme zurecht. Vor allem aber wird viel erzählt und gescherzt. Die meisten haben eine anstrengende Arbeitswoche hinter sich und schalten um in den Wochenend-Modus. Auch Luise Jank, Geschäftsführerin beim LKC, Sie ist im Lübbenauer Rathaus beschäftigt, dort zuständig für Schulen und Sport.

Was sie am karnevalistischen Treiben so mag? Sie dürfe sich verkleiden, kurzzeitig mal jemand anders sein. Und sie dürfe Geschichten erzählen. Dieses Jahr dreht sich das LKC-Programm um TV-Helden und Serienstars. In den vergangenen Jahren war auch schon das Leben auf dem Land, im Zirkus oder in der Steinzeit Thema.

 Tänzerinnen der Spreeperlen und der Hupfdohlen des Lübbenauer Karnvalclubs (LKC) bereiten ihren Auftritt im Einkaufszentrum Kolosseum vor. Das Motto: „Ob Fernsehheld oder Serienstar, der LKC hat sie alle da“.
Tänzerinnen der Spreeperlen und der Hupfdohlen des Lübbenauer Karnvalclubs (LKC) bereiten ihren Auftritt im Einkaufszentrum Kolosseum vor. Das Motto: „Ob Fernsehheld oder Serienstar, der LKC hat sie alle da“. FOTO: LR / Daniel Preikschat

Über sieben Tanzgruppen immerhin verfügen die Lübbenauer. Anke Lehniger, im „normalen“ Leben Restaurantfachfrau, ist Trainerin bei den Hupfdohlen. Sie schätzt das Gemeinschaftserlebnis in der Gruppe Ü 45. Dabei könne es durchaus Mal „knallen“. Beispielsweise, wenn die Karnevalisten mit stark unterschiedlichem Engagement bei der Sache sind.

In der Gastronomie, sagt Luise Jank, sind eine ganze Reihe der insgesamt 80 Lübbenauer Karnevalisten tätig, es gebe aber auch Banker, Hausmeister, Lehrer. Elke Pampel hingegen war, wie so viele Rentner in der Spreewaldstadt, im Kraftwerk beschäftigt. Man komme mal raus und unter die Leute, bringe andere Menschen zum Lachen, erklärt sie, warum sie mitmacht. Dabei steht die Lübbenauerin selbst gar nicht auf der Bühne. Sie ist die Versorgerin der lustigen Gruppe, schmiert Stullen, kocht Kaffee. „Jeder hat bei uns seine Aufgabe“, sagt Luise Jank. Caro Lehmann zum Beispiel kümmere sich darum, Fotos und Videos im Internet zu verbreiten. Linda Dittmann ist für Werbung, Sponsoring und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Derweil leisten an diesem Freitagabend LKC-Präsident Thomas Pursche und Elferrat-Mitglied Konrad Wachsmuth ihren Anteil, aus einem Einkaufszentrum einen Auftrittsort für Karnevalisten zu machen. Das Kolosseum hat einen großen Innenhof mit Deckenlicht. Zwei Treppen führen ins Obergeschoss mit Balustrade. Ringsum liegen die Geschäfte an, deren Schaufenster dekorativ verhüllt sein wollen. Eine große runde Decken-Deko wird in die Höhe gezogen, mit breiten bunten Bändern. Zwei Wochen lang, bis Rosenmontag, duldet der Kolosseumbetreiber diese bunte Verkleidung, die jeweils vor den Aufführungen noch aufgehübscht wird. Auch die Bühne selbst darf stehen bleiben und muss nicht jedes Mal wieder neu aufgebaut werden.

„Das könnten wir auch gar nicht leisten“, sagt Konrad Wachsmuth. Er war hier selbst früher Center-Manager und hat dem Karnevalsverein die Türen geöffnet in das Einkaufszentrum. Die Suche nach einer geeigneten Aufführungsstätte hatte dem LKC zuvor lange Zeit Kummer und Sorgen bereitet. Nach dem Abriss des im Volksmund „Holzoper“ genannten Hauses der Gewerkschaft war die Frage: „Wohin jetzt?, stellte sich damals die Frage. Man sei im Karate-Klub im Gewerbegebiet gewesen, erinnert sich Thomas Pursche, habe auf dem Busparkplatz in der Dammstraße ein Zelt aufgebaut. Seit einigen Jahren nun also sei man im Kolosseum. Und sehr froh darüber.

Ohne Unterstützer sei man eben aufgeschmissen als Karnevalklub, sagt Geschäftsführerin Luise Jank. Der LKC bekomme sie zum Glück in Lübbenau von verschiedenen Seiten. „Die Stadt ist ein Mega-Unterstützer“, sie leiste finanzielle Hilfe und stelle die Turnhalle am Jenaplanhaus zur Verfügung. Die sieben Tanzgruppen brauchen Probengelegenheiten. Zwischen September und März werden jeweils einmal in der Woche Tänze einstudiert. Im Atrium der Kita Amalie-Schmieder-Haus erlaubt das die Evangelische Kirche, in ihrem Versammlungsraum die Spreewelten in der Alten Huttung.

Zwei Probleme aber lassen sich nicht so leicht lösen. Zum einen könnte der LKC mehr Zuschauer gebrauchen, so Präsident Thomas Pursche. Mehr als 500 Gäste, die auch bereit sind Eintritt zu zahlen, erreiche man nicht. Den größten Zuspruch habe immer die Premiere des jeweils neuen Programms am Samstag vor Rosenmontag. Das zweite Problem haben fast alle Vereine in der Region Lübbenau. Es fehlt an Trainern. Aktuell suche man nach einem/einer Trainer/in für eine neue Kindertanzgruppe. Interessierte können sich melden unter info@lkc.de oder aug www.facebook.com/LuebbenauerKarnevalClub/.