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| 02:32 Uhr

Pritzen kämpft um sauberen See

Wegen seines Uferreliefs und der guten Wasserqualität wird der Altdöberner See von Mitarbeitern der LMBV auch Bergsee genannt. Regelmäßig zieht es Freizeitsportler an die Ufer und auf die Radwege, obwohl die Böschungen und der See noch nicht freigegeben sind.
Wegen seines Uferreliefs und der guten Wasserqualität wird der Altdöberner See von Mitarbeitern der LMBV auch Bergsee genannt. Regelmäßig zieht es Freizeitsportler an die Ufer und auf die Radwege, obwohl die Böschungen und der See noch nicht freigegeben sind. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Pritzen/Altdöbern/Senftenberg. Entsetzen, Fassungslosigkeit und Wut zeichnen die derzeitige Stimmung in Pritzen. Seit einer Woche wissen die Einwohner der Altdöberner Ortslage, dass der Altdöberner See eine Option für das Einleiten von Eisenhydroxidschlamm (EHS) darstellt. Dem wollen die Dorfbewohner entgegenwirken. Protest formiert sich. Eine Bürgerinitiative zu bilden, ist beschlossene Sache. Uwe Hegewald / uhd1 uhd1

"Was müssen wir noch alles über uns ergehen lassen? Finden die Belastungen, die wir seit Jahrzehnten ertragen müssen, denn nie ein Ende?", fragen sich Helga und Herbert Glatz.

Das Senioren-Ehepaar steht beispielhaft für das Bild einer Lausitzer Familie, die wie kaum eine andere mit den Gegebenheiten der Braunkohlegewinnung vor ihrer Haustür zu kämpfen hatte. Sie verharrten im Dorf, das eigentlich dem Tod geweiht war, aus dem fast die komplette Dorfbevölkerung wegzog, Wohnhäuser und sogar die Kirche abgerissen wurden. Als kurz nach der politischen Wende das Aus für den ehemaligen Großtagebau Greifenhain erfolgte, kehrte allmählich Leben auf die bekannteste Halbinsel der Lausitz zurück. Auf drei Seiten wird Pritzen vom Altdöberner See umrahmt, der sich laut LMBV als "länderübergreifende EHS-Verbindungsstelle eignet".

LMBV-Pressesprecher Dr. Uwe Steinhuber verweist dabei auf eine Studie vom Institut für Wasser und Boden (IWB/Dresden), das im Auftrag der LMBV zahlreiche Tagebauseen auf Eignung für die Verbringung von EHS geprüft habe. Für den Altdöberner See sprächen etwa die zentrale Lage im Sanierungsgebiet, die enorme Wassertiefe von bis zu 70 Metern, die kurzen Transportwege sowie die Tatsache, dass dieses Gewässer noch nicht fertig geflutet sei.

"Gegenwärtig ist dies alles noch im konzeptionellen Ideenstatus. Die LMBV als Eigentümerin des Gewässers muss und darf solche Gedanken prüfen und verfolgen dürfen", betont Uwe Steinhuber.

Pritzen will diese Argumente nicht gelten lassen. "Ockerschlamm hat im Altdöberner See nichts verloren", sagt Gernot Lindemann. "Unser Dorf hat genug geblutet. Es geht auch darum, das Recht zuzusprechen, dass sich die Landschaft wieder erholen kann", bekräftigt er.

"Warum wird nicht auf Kippenflächen aktiver Tagebaue nach geeigneten Standorten gesucht oder diese geschaffen. Dort gibt es abseits von bewohntem Gebiet genügend umgedrehte Erde", appelliert Frank Heinrich, nach tragfähigeren Lösungen zu suchen. Was die Wasserqualität des Altdöberner See angeht, gilt dieser als eines der Vorzeigegewässer der LMBV, während anderswo mit riesigem technischem Aufwand um verträgliche pH-Werte gerungen wird. Darüber hinaus fürchten die Anrainer erhebliche Belastungen durch Lkw-Verkehr. "Wenn 200 Millionen Kubikmeter Eisenhydroxidschlamm aus Brandenburg und Sachsen angefahren und in den See eingebracht werden sollen, bekommen das die Anwohner zu spüren", prognostiziert Gernot Lindemann.

Anfang der Woche hatte er persönlich bei Amtsdirektor Detlef Höhl (SPD) vorgesprochen und sich die Vorhaben bestätigen lassen. Von der Amtsverwaltung und den Altdöberner Gemeindevertretern erwarten die Pritzener ein konsequentes Nein zur EHS-Einbringung. Die Abgeordneten sind von Bürgermeister Peter Winzer (SPD) im nichtöffentlichen Teil der jüngsten Gemeindevertretersitzung über die eventuellen Vorhaben am Altdöberner See informiert worden.

Zum Thema:
Am Donnerstag, 5. März, findet im Altdöberner Schützenhaus eine öffentliche Infoveranstaltung zum EHS-Konzept der LMBV mit der Kommune statt. "Damit dürfte dem öffentlichen Interesse an solchen Fragen sachgerecht begegnet und es entgegenkommend behandelt werden", betont Dr. Uwe Steinhuber. Beginn der Infoveranstaltung ist um 18 Uhr. uhd1