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| 12:33 Uhr

Romantisch historisch
Preußen reißen sächsisches Sommernachtsfest an sich

 Die Artistokraten aus Berlin wussten das Altdöberner Publikum zu fesseln. Vor ihrer unterhaltsamen Abendshow machte das Trio aus Berlin bereits im Park Appetit auf einen Besuch des „Sommerfestes in sächsischem Glanz“.
Die Artistokraten aus Berlin wussten das Altdöberner Publikum zu fesseln. Vor ihrer unterhaltsamen Abendshow machte das Trio aus Berlin bereits im Park Appetit auf einen Besuch des „Sommerfestes in sächsischem Glanz“. FOTO: Uwe Hegewald
Altdöbern. Berliner Künstler kündigen für 2020 neue Ausrichtung der Altdöberner Parksommerträumen an. Von Uwe Hegewald

Tiefenentspannt saß Hummlerus am Samstagnachmittag auf dem Rücken seines Kampfhahnes Herbert und stolzierte durch den Altdöberner Park. „Es ist das vierte oder fünfte Mal, dass ich eine Einladung erhalten habe“, so der Alleinunterhalter. Zauberei, Gaukelei, Flammentanz, Fakir-Shows aber auch das Ausrichten eines Kinderritter-Turnier, Musizieren oder Marionettentheater-Aufführungen zeichnen die Vielseitigkeit des Zirkuspädagogen aus. „Jubiläum? Das hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm“, antwortete Hummlerus auf die Frage der RUNDSCHAU, ob er die Altdöberner Parksommerträume gleichzeitig für eine Jubiläumsfeier nutzt. Die Heimatzeitung hatte den Künstler, dem auffallende Ähnlichkeit mit Andreas Hummel aus Laubst (Drebkau) nachgesagt wird, auf das 30-jährige Bühnenjubiläum hingewiesen.

Auf seinen Stelzen hatte er zweifellos den besten Blick auf das Festgelände, das sich am Samstag von Stunde zu Stunde füllte. Chöre, Musiker und Menschen in historischen Gewändern zogen die Blicke auf sich. Unter ihnen Susann Richter aus Dresden. „Es ist mein erster Besuch in Altdöbern. Ich bin von dieser Neuentdeckung beeindruckt“, fasste sie ihre ersten Eindrücke zusammen. Entspannt flanierte sie an der Seite von Töchterchen Martha als sächsische Edeldame durch den Schlosspark um ihre prächtige Garderobe zu präsentieren. „Bis zu 45 Minuten müssen für Ankleiden und Schminken eingeplant werden. Doch wer schaut bei einem Hobby schon permanent auf die Uhr“, erklärte sie. Ein Steckenpferd, das ihr jährlich zahlreiche Auftritte in Sachsen und Thüringen beschert und zugleich Abwechslung von einem anspruchsvollen Job, der viel Konzentration verlangt: Uhrmacherin im renommierten Betrieb Glashütte mit seinem Weltruhm. Aber gibt es an der Seite einer so edel gekleideten Barock-Dame keinen männlichen Begleiter? „Aber selbstverständlich. Mein Mann ist im französischen Garten als Fechtmeister tätig, wo er Leute vom Stand aber auch aus dem Volk die hohe Schule der Fechtkunst erklärt“, erteilte sie aufdringlichen Mannsbildern eine Abfuhr.

Luisa und Luca ließen sich es nicht nehmen, bei Fechtmeister Sven Richter einen Crashkurs zu absolvieren. Das alles unter den aufmerksamen Blicken von Oma Christina Martin aus Calau. „Im vergangenen Jahr waren wir auch schon bei den Parksommerträumen zu Gast. Auch, weil hier allen Generationen etwas geboten wird“, begründete sie ihren Wiederholungsbesuch mit einer Erkenntnis: „Am Sonntagnachmittag sind deutlich mehr Besucher unterwegs, als am Samstagnachmittag.“ Dieser gipfelte in ein „Sommernachtsfest in sächsischem Glanz“ – so recht nach dem Geschmack des eigens angereisten Carl Heinrich von Heineken (1707-1791), alias Hans Anacker und seiner Gemahlin Friederike Magdalena (Miriam Distelkamp).

Auch wenn sich die dreisten Preußen zunehmend anmaßten, das Fest auf der Naturbühne mit der Ostrock-Coverband „Splitt“, und mit den „Artistokraten“ (beide Berlin) bei der abendlichen Show auf der Festwiese hinter dem Schloss an sich zu reißen. Mit Beifallsorkanen und Lachsalven quittierte das Publikum die unterhaltsamen Darbietungen der Artistokraten, das eine Zugabe nach der anderen einforderte. Mit ihrer aufgeweckten Show gaben sie den Altdöberner Parksommerträumen zugleich eine neue Richtung. 2020 wird das Fest um eine Woche vorgezogen und nach zwei geschichtsintensiven Jahren näher an die Gegenwart herangerückt. „Im Fokus steht der Geburtsort Altdöbern. Wir heißen alle Personen willkommen die hier das Licht der Welt erblickt haben oder sich mit dem Ort in besonderer Weise verbunden fühlen“, kündigt Programmdirektor Uwe „Horschte“ Lehmann an.