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| 18:17 Uhr

Nominierung für Deutschen Engagementpreis
Preiswürdige Geschichtsforschung

An ihrem Stolperstein in der Ehm-Welk-Straße gedachten Lübbenauer Schüler der Jüdin Beatrice Ledermann an ihrem 75. Todestag.
An ihrem Stolperstein in der Ehm-Welk-Straße gedachten Lübbenauer Schüler der Jüdin Beatrice Ledermann an ihrem 75. Todestag. FOTO: Projektgruppe Stolpersteine
Lübbenau. Lübbenauer Schüler sorgen mit ihrem “Stolpersteine“-Projekt bundesweit für Aufmerksamkeit.

. Sie hören einfach nicht auf, zu forschen und zu forschen. Mittlerweile haben die Schüler im Grundkurs Geschichte am Paul-Fahlisch-Gymnasium so viel herausgefunden über die ermordete Lübbenauer Jüdin Beatrice Ledermann und ihr familiäres Umfeld, dass sie mit ihrem Projekt „Stolpersteine für Lübbenau“ weit über die Grenzen der Spreewaldstadt hinaus auf großes Interesse stoßen. Für das kommende Wochenende wurden die Schüler von Geschichtslehrerin Antje Pohler für die Veranstaltungsreihe „Denk Mal am Ort“ in Berlin erneut angefragt. Wenige Tage später, am 8. Mai, stellen sie ihre Forschungsergebnisse in Berlin-Wuhlheide bei der Lernstatt des Wettbewerbs „Demokratisch Handeln“ vor. Von der Jury wurden ihre Schüler bereits nomiert für den Deutschen Engagementpreis 2018. Im Juni in Hamburg werden die insgesamt 50  ausgewählten Preisträger aus ganz Deutschland ausgezeichnet.

Wer am Holocaustgedenktag im Januar die zentrale Gedenkveranstaltung der Stadt Lübbenau in der Aula des Gymnasiums besucht hat, der weiß, womit sich die Schüler diese Anerkennung verdient haben. Nicht um Beatrice Ledermann selbst ging es bei dem Vortrag, die im Alter von 76 Jahren von den Nazis in den Freitod getrieben wurde. Vielmehr berichteten die Schüler über die hochspannende Lebensgeschichte der Nichte der Lübbenauerin. Ernestina Gallardo, selbst Halbjüdin, hatte in ihrer Berliner Wohnung Mutter und Tante sowie weitere verfolgte Juden versteckt und dabei ihr Leben riskiert.

Ganz in der Nähe dieser Wohnung in der Markgraf-Albrecht-Straße, in der Galerie „Fantom“, halten die Lübbenauer Schüler ihre Lesung. Diesmal sind die Hausbewohner aus der Markgraf-Albrecht-Straße mit eingeladen. Ernestina Gallardos Lebensgeschichte haben die Lübbenauer Schüler nunmehr aber auch im Internet dokumentiert unter der Adresse www.stolpersteineluebbenau.wordpress.com. „All das“, sagt Antje Pohler stolz, „ist für unser Gymnasium eine große Auszeichnung.“

Wie die Schüler mittlerweile herausgefunden haben, hatte Ernestina Gallardo damals zudem Kontakt zu den Widerstandskämpfern um Graf Claus Schenk von Stauffenberg, die am 20. Juli 1944 ein Attentat auf Hitler verübten. Auf dem Schloss von Wilhelm Friedrich Rochus Graf zu Lynar in Seese hatten sich die Wehrmachtsoffiziere zuvor getroffen und das Attentat geplant.

Seit 2012, so Antje Pohler, forscht die Projektgruppe „Stolpersteine“ nun schon – und es gebe immer noch viel zu tun. So wollen Schüler und Lehrerin möglichst bald erneut sichtbar Spuren hinterlassen im Stadtbild Lübbenaus. Nach dem Verlegen von Stolpersteinen für Beatrice Ledermann und Max Plessner vor ihren damaligen Wohnhäusern sollen nun auch deren Grabstellen gestaltet werden. Was der Realisierung dieses Plans noch im Weg steht: Der Alte Friedhof in der Lübbenauer Neustadt, hier wurden Beatrice Ledermann und Max Plessner bestattet, darf derzeit wegen Astbruchgefahr nicht betreten werden. Jedoch laufen Verkaufsverhandlungen zwischen der Evangelischen Kirche und der Stadt Lübbenau. Sobald sich der Friedhof im Eigentum der Stadt befindet, wird die Projektgruppe ihre Gestaltungsvorschläge machen, so Antje Pohler. Wo in etwa sich die Grabstellen befinden, haben die Schüler schon recherchiert.