| 12:57 Uhr

Pollen kleben in Vetschaus Falle

Die Falle wird geöffnet und die neue Trommel liegt bereit.
Die Falle wird geöffnet und die neue Trommel liegt bereit. FOTO: Hannelore Kuschy
Vetschau. Zwischen Juli und September zeigt Ambrosia, was sie drauf hat: nämlich ihre hochallergenen Pollen ordentlich durch die Luft zu wirbeln. "Deutschlandweit ist die Lausitz spitze in der Pollenbelastung", erklärt Diplom-Meteorologe Thomas Dümmel von der Freien Universität Berlin. Hannelore Kuschy

Neben Berlin machen es die drei Regionen um Drebkau, Cottbus und Vetschau unter sich aus.

Seit Jahren betreibt Vetschau eine Pollenfalle, anhand dieser die Pollenbelastung pro Kubikmeter Luft gemessen wird. Kleben bleiben die Pollen an einer Edelstahl-Trommel in der Falle, die auf einem fast neun Meter hohen Dach des Bauhofes installiert ist und sich mit dem Wind dreht. An jedem Dienstag gegen 15 Uhr steigt Michael Gräber oder sein Bauhofkollege Eberhard Beesk über die Feuerwehr-Drehleiter hinauf zur Falle.

Diesmal ist es Michael Gräber mit dem allwöchentlichen Prozedere: Er öffnet die Falle und nimmt aus dem verschnürten Päckchen die neue Trommel. "Um sie herum gibt es einen unsichtbaren Klebestreifen, den ich nicht berühren darf", erklärt er. Denn dort verirren sich die Pollen. Durch eine kleine Öffnung in der Falle gelangen sie hinein. "Zum Schluss ziehe ich die Trommel auf wie einen Wecker - so bleibt sie bis nächsten Dienstag in Betrieb", sagt der Bauhofmitarbeiter und Feuerwehrmann.

Am nächsten Tag ist das Päckchen unterwegs zum Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin. Dort wertet Anna Schubert die Pollenbelastung aus. Und die liegt für Drebkau, Cottbus und Vetschau zwischen Juli und September bedrohlich weit über der Schwelle zu starker Belastung von etwa zehn Pollen pro Kubikmeter Luft (Grafik). Nach Institutsangaben erreichte Drebkau 2016 den Höchstwert von knapp 180 Pollen, Cottbus von mehr als 40 Pollen, Vetschau überschritt die Schwelle mit knapp 40 Am brosia-Pollen. Zum Vergleich: Die Schwelle zu mäßiger Belastung liegt bei weniger als fünf Pollen.

Ein Zeichen, dass der Kampf gegen das Allergen Nummer 1 nicht aufgegeben wird, ist in Vetschau die jährliche Ausreißaktion, an der sich erst kürzlich viele Vetschauer beteiligt hatten. "Unsere Bemühungen bei der Bekämpfung werden auch vom Landesbetrieb Straßenwesen, von der Straßenmeisterei Calau und auch von Landwirten unterstützt", sagt Monika Krüger vom Fachbereich Ordnung/Soziales der Stadtverwaltung. Sie nimmt gemeinsam mit ihrer Kollegin Petra Bartel die Meldungen über Ambrosia-Vorkommen in Vetschau und Umgebung entgegen und trägt sie in den Ambrosia-Atlas ein. Dann werde gemäht und kontrolliert. "In dieser Woche haben wir vom Landesamt für ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung ausgewiesene Flächen genannt bekommen, auf denen Am brosia mit chemischen Mitteln bekämpft werden darf", sagt sie. Das betreffe unter anderem den Radwanderweg zwischen Thälmannstraße und Klärwerk in Vetschau, den Groß Lübbenauer Weg in Raddusch bis zur L 49, den Schulweg in Repten und den Radweg von der Slawenburg nach Koßwig.

Größte Sorgen aber bereitet Ambrosia den Landwirten. "Normalerweise dürften befallene Flächen über mehrere Jahre nicht landwirtschaftlich genutzt werden, aber das kann sich kein Landwirt leisten. Deshalb darf man die Landwirte nicht alleine lassen - hier ist die Politik im Land gefragt", stellt Thomas Dümmel klar.

Solange es keine gesetzlichen Regelungen mit Melde- und Beseitigungspflicht bei Androhung von Strafe wie in der Schweiz gäbe, werde Ambrosia nicht zurückgedrängt werden können. Sie habe in den letzten zehn, 20 Jahren gelernt, sich klimatischen Veränderungen anzupassen, so Thomas Dümmel. Greife niemand konsequent durch, werde Ambrosia viele heimische Pflanzen verdrängen, Landwirte könnten nicht mehr alles anbauen. Allergien, die schon heute viele Menschen plagten, würden künftig spürbar zunehmen.

Im Gegensatz zu Berlin, so Dümmel weiter, habe Brandenburg jetzt einen Ambrosia-Koordinator. "Aber da muss noch mehr hinterher kommen", davon ist der Diplom-Meteorologe fest überzeugt.