| 02:32 Uhr

Polizei zieht wieder aus Kittlitz ab

Lübbenau. Vor dem Hintergrund des geplanten Flüchtlingsheimes schaukeln sich die Emotionen in Kittlitz immer höher. Ein Teil der verbalen und medialen Erregung hat jetzt sogar den Staatsschutz auf den Plan gerufen. Jan Gloßmann

Am Wochenende hatten die Kittlitzer die Polizeipräsenz, die sie sich künftig wünschen. Beamte standen vor dem Gebäude der Förderschule, in die zum Jahresende bis zu 130 Flüchtlinge einziehen sollen. Seit der offiziellen Bekanntgabe der Pläne durch den Landkreis Oberspreewald-Lausitz Mitte März geht im Lübbenauer Ortsteil eine Mischung aus tatsächlicher und aufgebauschter Angst um - kombiniert mit einem Auflauf verschiedener Medien. Auslöser für die Polizeipräsenz am Wochenende war offenbar ein Zitat in einer überregionalen Zeitung: "Das ist das nächste Ding, das brennt", hatte dort ein Mann berichtet. Er habe diese Anspielung auf den Brandanschlag auf die Flüchtlings-Unterkunft in Tröglitz aus einer Firma gehört. Der Staatsschutz hat den Mann jetzt befragt; er streitet wohl ab, den Satz gesagt zu haben.

Das passt ins Bild, das der Ortsteil seit Tagen in den Medien abgibt. Eine Vermutung wird über drei, vier Gartenzäune zur Tatsache, ein Gerücht zwei Straßenecken weiter zur Wahrheit. TV-Leute sind da, teils sogar vom "Westfernsehen", wie RTL in Kittlitz noch genannt wird. Die Satiresendung "heute show" hat sich mit dem Zaunbau im Ort beschäftigt und dem Herumgedruckse einzelner Leute. Zeitungsleute sind unterwegs, die Zitate für die Mischung aus Angst, Wut und Ressentiments suchen, wie sie sich zu Hauf in diversen Internetforen finden.

Noch in dieser Wochen wollen Landratsamt, Stadtverwaltung und Ortsbeirat über das weitere Vorgehen und vor allem die Kommunikation untereinander sowie mit den Kittlitzern sprechen. Weitere Bürgerinfos werden geplant, ein Tag der offenen Tür.

Die Polizei hat sich am Montag erst einmal wieder zurückgezogen. Laut Landkreis sehe man "im Augenblick keine konkrete Gefährdung", somit sei der "Einsatz eines privaten Wachschutzes zum jetzigen Stand nicht erforderlich".