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Platz für Urnen unter Bäumen

Auf dem Hauptfriedhof in Zerkwitz gibt es derzeit noch keine Baumbestattungen – das könnte sich bald ändern.
Auf dem Hauptfriedhof in Zerkwitz gibt es derzeit noch keine Baumbestattungen – das könnte sich bald ändern. FOTO: dpr
Lübbenau. Die Statistik für Lübbenau spricht eine klare Sprache: Schon im Jahr 2009 gab es auf den Friedhöfen der Stadt und ihrer Ortsteile deutlich mehr Feuer- als Erdbestattungen. Auf 61 Särge kamen damals schon 139 Urnen. Daniel Preikschat

Im vergangenen Jahr waren es nur noch 30 Erdbestattungen. 178-mal wurden Urnen im Erdreich versenkt.

Bislang standen dafür auf den Lübbenauer Friedhöfen konventionelle Grabfelder zur Verfügung. Andere Städte und Gemeinden im Land Brandenburg hingegen bieten mittlerweile darüber hinaus auch Baumbestattungen an und verzeichnen hier eine steigende Nachfrage. Darauf zumindest weist die CDU-Fraktion in einem Antrag hin, der kürzlich im Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung auf den Tisch kam. Bei Baumbestattungen wird eine biologisch abbaubare Urne im Wurzelbereich eines Baums beigesetzt. In Lübbenau, so die CDU, könnten schon bestehende Bäume genutzt oder neue gepflanzt werden. Die Vorteile für die Angehörigen: praktisch kein Pflegeaufwand, die Grabnutzungsdauer könnte bei entsprechender Gebühr um ein Vielfaches verlängert werden. Zudem, so heißt es im Antrag weiter, könnte diese naturnahe und ökologische Art der Bestattung angemessen sein für Menschen, die sich der Natur besonders verbunden gefühlt haben.

Die Stadt, so die Meinung in der Lübbenauer CDU, sollte sich der veränderten Bestattungskultur nicht verschließen. Viele Angehörige verstorbener Lübbenauer könnten Erdgräber nicht regelmäßig pflegen, da sie weit entfernt leben und arbeiten. Dass sich das in den kommenden Jahren ändert, sei nicht abzusehen, so Fraktionsvorsitzende Christina Balke. Mit Baumgräbern trage man einem Trend Rechnung und erweitere das Angebot für die Bürger. Wobei zunächst nur der Hauptfriedhof im Lübbenauer Ortsteil Zerkwitz in Betracht gezogen werden soll. Je nach Entfernung zum Besucherweg oder je nach der Zahl der Bestattungen pro Baum oder Baumgruppe könnte in Zerkwitz die Gebührenhöhe variiert werden. Die Friedhofssatzung müsste hierfür geändert und ein Konzept für Baumbestattungen erstellt werden.

Auf die Stadtverwaltung käme also Arbeit zu, sollte der CDU-Antrag im Juli in der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden. Danach sieht es derzeit aus. Denn im Hauptausschuss wurde der CDU-Vorstoß schon mal befürwortet.

Zum Thema:
Auf dem Lübbenauer Hauptfriedhof in Zerkwitz werden mit deutlichem Abstand die meisten Menschen bestattet. 182 Verstorbene fanden hier im vergangenen Jahr ihre letzte Ruhestätte. Jeweils eine bis drei Bestattungen gab es 2016 auf den Friedhöfen in den Ortsteilen Krimnitz, Ragow, Radden, Kittlitz, Groß Lübbenau, Groß Klessow, Beuchow, Boblitz und Bischdorf.