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| 01:04 Uhr

Pizza, Pasta und Gewissheit, Gutes getan zu haben

Lübbenau.. Alles, was Olav Dentel mit Thailand und Sri Lanka verbindet, sind seine Erinnerungen an wunderschöne Urlaubstage vergangener Jahre, an Gastfreundlichkeit und sagenhaft nette Menschen. „Da ist man 15 Tausend Kilometer von der Heimat entfernt und wird ganz selbstverständlich und sehr herzlich willkommen geheißen“ , schildert er die Eindrücke, die sich ihm am tiefsten einprägten. Er wisse, wie viel Armut es in diesen Regionen schon allein vor der Flutkatastrophe am zweiten Weihnachtsfeiertag gegeben habe. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Sören Gutzki fasste Olav Dentel unmittelbar am Unglückstag den Entschluss, den Menschen, die durch den Tsunami alles verloren, helfen zu wollen. Von Kathrin Schreier

Die Idee, in der Pizzeria der beiden Lübbenauer einen Tag lang zugunsten der Flutopfer Speisen zu verkaufen, war geboren. Als „Pizza Pizza“ nun am Sonnabend um 12 Uhr, also vier Stunden vor der sonstigen Öffnungszeit, seine Pforten öffnete, lässt die Kundschaft nicht lange auf sich warten. Als Ricarda Elstermann von der Aktion erfährt, entscheidet sich die Friseurmeisterin spontan für ein Pizza-Mittagessen in ihrem nahe gelegenen Salon. Und weil jeder Euro ein Stück weiter hilft, packt sie auf ihren Rechnungsbetrag einfach noch zehn Euro drauf. Am frühen Abend macht sie es sich mit Freunden noch einmal in der Pizzeria gemütlich, damit auch der Taler für ihren Nachmittags-Kaffee in der Spendenkasse landet.
„Es ist gut, zu spüren, dass hier nicht nur die Hand aufgehalten wird, sondern aktiv was gemacht wird“ , betont Daniela Krüllke. Die Cottbuserin hatte über einen Radiosender von der Spendenaktion von „Pizza Pizza“ erfahren und ist extra deswegen nach Lübbenau gekommen.
Auf dem Heimweg von Berlin nach Cottbus nimmt Mike Kilian die Autobahnabfahrt Lübbenau, um bei der Spendenaktion dabei zu sein. Schon vorher hatte er sich in die langen Listen der spendenbereiten Deutschen eingereiht und seinen Teil zur Hilfe für die Menschen in Südasien geleistet. Doch auch die Gelegenheit, selbst mit einem guten Abendbrot etwas für die Unterstützung der Flutwellen-Opfer tun zu können, will er nicht ungenutzt lassen.
Unzählige Male wird an diesem Sonnabend die 87 90 87, die heiße Pizza-Telefonnummer, gewählt. Unzählige Male rollt das Pizza-Auto durch Lübbenau und Umgebung und kommt oft mit deutlich mehr Geld zurück, als für die Lieferungen fällig gewesen wäre. Und am Steuer des Wagens sitzt ebenso oft einer der ehrenamtlich helfenden Freunde der beiden Pizzeria-Chefs wie im Laden selbst solch einer am Abwasch steht. „Wir haben heute schon vier Stunden eher aufgemacht, um einen möglichst guten Umsatz zu erzielen, der ja in vollem Umfang von uns gespendet wird“ , erklärt Olav Dentel. Was ihm besonders wichtig ist, ist eine allumfassende Hilfe für Menschen in Not. „Wir dürfen nicht immer erst durch eine Katastrophe zur Unterstützung veranlasst werden“ , betont der 33-Jährige, der auch auf seinen Urlaubsreisen nach Afrika in den vergangenen Jahren viel Not sah. „Darum werden wir in der Pizzeria übers ganze Jahr eine Unesco-Spendenbox aufstellen, um auch den Menschen dort ein wenig helfen zu können“ , fügt er hinzu. Vor allem die Interessen von Kindern seien es, für die sich Unicef stark mache.
Lübbenauer Kinder sind es, die an diesem Abend auch so manchen neuen Kunden in den noch recht jungen Laden in der Karl-Marx-Straße 70 bringen. „Die Kids kamen sonst immer allein und hatten heute am Aktionstag ihre Eltern dabei, die dann natürlich auch gleich mit probierten“ , resümiert Sören Gutzki am Ende des Tages.
Die lebhafte Frequentierung des Ladens ist dann auch an der Kassenfüllung zu messen. Handgemachte Pizza, leckerste Pastagerichte und jede Menge Spenden ohne Gegenleistung, also Trinkgelder, brachten 427,81 Euro ein. Sören Gutzki und Olav Dentel sind zufrieden.
Ein kurzer Blick der Verständigung und die beiden Geschäftsführer sind sich einig: „Wir stocken auf. 444 Euro werden an die Unicef gehen, um in Südasien ein bisschen helfen zu können.“