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| 18:25 Uhr

Lübbenauer zu Gast beim Papst
Pilgerfahrt nach Rom im Rollstuhl

Vom Kolosseum in der Lübbenauer Neustadt macht sich Detlef Grätz auf zum Kolosseum in Rom – und erfüllt sich damit einen Traum.
Vom Kolosseum in der Lübbenauer Neustadt macht sich Detlef Grätz auf zum Kolosseum in Rom – und erfüllt sich damit einen Traum. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau und dpa / Daniel Preikschat und dpa
Lübbenau/Rom. Der Lübbenauer Detlef Grätz nimmt trotz schwerer Behinderung an der 12. Wallfahrt der Malteser zum Vatikan teil.

Detlef Grätz musste nicht lange überlegen, als ihn Gräfin Beatrix zu Lynar vor einigen Wochen fragte: „Detlef willst mit nach Rom fahren.“ Der 56-jährige Lübbenauer ist dafür bekannt, dass er trotz spastischer Lähmung seine Ziele hartnäckig verfolgt. So lebt er bereits seit zehn Jahren weitgehend selbstständig in einer eigenen Wohnung, hält dort sogar zwei Katzen. Er beteiligt sich am politischen Leben in der Stadt, ist regelmäßig als Wahlhelfer im Einsatz und sachkundiger Einwohner für die Linken im Bauausschuss. Ins Ausland wollte er schon seit einer halben Ewigkeit mal. Bis jetzt, erzählt er der RUNDSCHAU, sei er aber kaum mal aus Lübbenau herausgekommen, war nur einmal in West-Berlin gewesen.

Nun also gleich Rom. „Das war immer mein Traum, einmal dorthin zu kommen“, sagt Detlef Grätz. Dass es eine Wallfahrt mit den Maltesern sein wird, mit Papst-Audienz, Vatikan-Besichtigung, mit Besuchen der Heiligen Messe und Abendmahlfeiern in den schönsten Kirchen der Stadt, das schrecke ihn keineswegs. Detlef Grätz würde sich selbst als Christenmensch bezeichnen. „Ich bin nicht jemand, der nur Weihnachten in die Kirche geht.“ Fast jeden Sonntag fahre er hinüber in die Altstadt zur Sankt-Nikolai-Kirche. Der christliche Glaube gebe ihm etwas Halt und Orientierung, er schätze die Kirche wegen ihrer Wertevermittlung.

Kurzum: Detlef Grätz sagte der Gräfin zu, die bei den Maltesern Diözesanoberin ist. Auch weil er sie schon seit der politischen Wende kennt und schätzten gelernt hat. Mit großer Anteilnahme habe er verfolgt, wie die gräfliche Familie Schritt für Schritt das Schloss mit seinen Nebengebäuden touristisch erschlossen und dabei viel investiert hat an Geld, Zeit und Mühe. Viele Lübbenauer seien anfangs argwöhnisch gewesen, als die Lynars zurückkehrten. Mittlerweile aber haben sie sich viel Respekt erarbeitet, sagt Grätz. Menschen wie ihm, die eine Behinderung haben oder bedürftig sind, reiche Beatrix zu Lynar schon seit Jahren die helfende Hand. Beispielsweise werden sie von ihr nun schon traditionellerweise zu sich nach Hause zum Weihnachtsessen eingeladen, erzählt Detlef Grätz. Wem der Lübbenauer am liebsten schon jetzt ebenfalls herzlich danken möchte, ist Katrin Brauer. Die Koordinatorin beim ambulanten Hospizdienst der Malteser hat sich bereit erklärt, Grätz während der Reise zu betreuen. Der an den Rollstuhl Gefesselte weiß selbst am besten, welch anstrengende Aufgabe da auf die ausgebildete Krankenschwester zukommt. Zwar hat der Lübbenauer einen Elektro-Rollstuhl, der es auf zehn Stundenkilometer bringt. Doch der muss zu Hause bleiben. Sein Rom-Rollstuhl wird einer sein, der geschoben werden muss, außerdem muss Detlef Grätz in ihn hinein- und herausgehoben werden. Bei den täglichen Verrichtungen, beim An- und Auskleiden etwa, ist Grätz ebenfalls hilfebedürftig. Sein Pflegedienst fährt schließlich nicht mit nach Rom.

Gerade darum geht es den Maltestern bei der Wallfahrt aber auch: „Für Behinderte, die auf den Rollstuhl angewiesen sind“, heißt es in einer Mitteilung, „ist die Malteser Romwallfahrt eine besondere Gelegenheit, neue Eindrücke zu gewinnen, Nähe zu erleben und Kraft im Glauben zu gewinnen.“ Detlef Grätz denkt auch, dass er sich noch lange an die Romreise erinnern wird. Mit seinem Smartphone will er viele Fotos machen, sich auch selbst fotografieren lassen, zum Beispiel vor dem Kolosseum. Groß mit der Ewigen Stadt auseinandergesetzt und Bücher über sie gelesen indes hat er nicht. Obwohl er gern und viel liest. „Ich lasse es einfach auf mich zukommen und bin offen für alle Eindrücke.“ Nur in Goethes „Italienischer Reise“ hat er noch mal gelesen zur Einstimmung und sein Italien-Gedicht „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen“.

Reisevorbereitungen aber waren natürlich schon zu treffen für Detlef Grätz und seine Helfer. Fast am wichtigsten für ihn war, für seine Katzen eine gute Bleibe zu finden. Hier hilft ihm der Vetschauer Pfarrer Roland Eiselt, der die Tiere abholt, zu einer Tierpension bringt und nach der Rückkehr von Detlef Grätz wieder zu ihm zurück. Auch einen Blog hat er sich einrichten lassen, um seine Eindrücke und Gedanken während der Reise im Internet mitteilen zu können. Dabei wiederum geholfen hat ihm das „Systemhaus Spreewald“ auf dem Roten Platz.

Samstag früh geht es los für Detlef Grätz und zehn weitere Lübbenauer. Um halb vier ist Abfahrt in der Nähe des Spreewaldhauses. In Trient wird übernachtet. Und Sonntag ist Detlef Grätz tatsächlich in Rom.