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Peter Liesegang lebt und arbeitet in der 100 Jahre alten Marienberger Revierförsterei bei Biebersdorf

Peter Liesegang untersucht einen Kieferstamm auf die Ablage von Eiern des Nonnen-Schmetterlings. Fotos: Anne Guckland
Peter Liesegang untersucht einen Kieferstamm auf die Ablage von Eiern des Nonnen-Schmetterlings. Fotos: Anne Guckland
Biebersdorf. Idylle pur. Die erlebt Peter Liesegang jeden Tag. Sein Arbeitsplatz, sogar sein Schreibtisch liegen mitten in der Natur. Peter Liesegang ist Revierförster von Marienberg. Mit seiner fünfköpfigen Familie bewohnt er ein Haus, dass seit 1907 Förster und ihre Familien beherbergt. Das wird sich mit der Forstreform nicht ändern – wohl aber seine Zuständigkeit. Von Anne Guckland

Seit knapp zehn Jahren lebt und arbeitet Liesegang in der Försterei, die ihm als Dienstwohnung zur Verfügung steht. Einer der Räume im Erdgeschoss des Hauses beherbergt sein Büro, gearbeitet wird ganz modern mit Internet und Telefon.

Doch etwa die Hälfte seiner Arbeitszeit verbringt er nach wie vor draußen. Auch mit der Forstreform, die ab dem 1. Januar in ganz Brandenburg in Kraft tritt, wird sich das nicht verändern. Dafür aber seine Zuständigkeit. "Bisher war ich sowohl für den Landeswald von Brandenburg als auch für die Überwachung des privaten Waldes und Beratung der Besitzer hier in meinem Revier Marienberg zuständig. In Zukunft werde ich Hoheitsförster sein und nur noch die Aufgaben rund um den Privatwald übernehmen", erklärt der studierte Forstbeamte.

Aufgaben bleiben vielfältig

Damit wird Peter Liesegang etwa 500 Hektar Wald zusätzlich betreuen. Insgesamt ist er dann für 3000 Hektar Wald, rund 6000 Fußballfelder groß, verantwortlich.

Die Grenzen seines neuen Reviers ziehen sich südlich von Pretschen über Groß Leuthen und Biebersdorf bis nach Dürrenhofe im Westen hin.

Liesegangs Aufgaben sind und bleiben vielfältig. So ist er für den Wegebau, Artenschutz, das Wild und den Schutz vor Waldbränden verantwortlich. Was es bedeutet, dass er ab dem 1. Januar vor allem hoheitliche Aufgaben in den Privatwäldern übernehmen wird, erklärt er so: "Ich überprüfe und überwache, dass die entsprechenden Gesetze eingehalten werden. Ein Waldbesitzer darf beispielsweise maximal einen Kahlschlag auf einer Gesamtfläche von zwei Hektar durchführen", nennt Liesegang eines von vielen Beispielen.

Schädlinge beobachtet

Außerdem ist er für den Forstschutz verantwortlich, auch im Privatwald. Forstschädlinge muss er immer besonders im Auge behalten. "Da hier vor allem Kiefern wachsen, ist die ,Nonne', ein Schmetterling, sehr aktiv." Die Raupen fressen die Nadeln der Kiefer und können, wenn sie sich massenhaft vermehren, im schlimmsten Fall sogar dafür sorgen, dass ein Baum stirbt.

Dieser Tage zählt der Förster stichprobenartig gesammelte Eiergelege, die sich unter der Rinde befinden. "Forstschädlinge muss man immer beobachten, da sich die Population von Jahr zu Jahr vermehrt, aber irgendwann wieder abrupt abnimmt. Wenn die Massenvermehrung für den Wald und die Bäume zu gefährlich wird, müssten wir im Notfall Chemie einsetzten", verdeutlicht er.

Bei allen Veränderungen befürchtet Peter Liesegang, dass er in Zukunft weniger mit dem zu tun haben könnte, das einen Wald ausmacht: mit den Bäumen. Als Revierförster war er für Kiefern, die vorwiegend um den Marienberg wachsen, von der ersten Keimpflanze bis hin zum Fällen verantwortlich, ebenso für Eichen, Birken und andere Arten. Im Landeswald überwachte er das Wachsen der Bäume im frühen Stadium, entschied, welche gefällt werden, hatte wiederum die Kontrolle über diese Arbeiten und war zum Teil auch beim Verkauf involviert. Diese Arbeiten fallen nun weg, da er nicht mehr für den Landeswald verantwortlich ist. Im Privatwald erledigt er zwar teilweise auch diese Arbeiten, wie etwa das Aussuchen der Bäume, die gefällt werden sollen. Dann aber muss er einen Auftrag bekommen, denn diese Leistung muss vom Waldbesitzer bezahlt werden.

Trotzdem blickt der 39-Jährige gern in die Zukunft. Wichtig ist ihm, in der Natur zu sein und sich dort mit unterschiedlichen Aufgaben beschäftigen zu können. Deshalb hatte er sich für ein Forstwirtschaftsstudium entschieden. Auch wird er in Zukunft seine Arbeit größtenteils selbstständig und selbstverantwortlich ausführen können.

Dass er weiterhin, zumindest zum großen Teil, in seinem angestammten Revier arbeiten kann, ist ihm sehr wichtig. "Wir haben uns damals bewusst dafür entschieden, in das Forsthaus mitten im Wald zu ziehen. Auch wenn sich Arbeit und Privates nicht immer so gut trennen lassen, ist der Job so, wie ich es mir wünsche", bilanziert Liesegang. Bald wird es im Forsthaus neben Heidelämmern, Hühnern, zwei Katzen und Fledermäusen im Keller auch wieder einen Hund geben. Der Dackel, der Liesegang seit dem Studium begleitet, ist vor kurzem gestorben. Ein neuer, vermutlich größerer Hund, mit dem auch gejagt werden kann, soll im Hause Liesegang einziehen.

Peter Liesegang ist zu seinen Sprechzeiten immer dienstags, von 13 bis 17 Uhr, oder nach telefonischer Vereinbarung unter 035471 80649 zu erreichen.

Zum Thema:
Der Marienberg, etwa zehn Kilometer von Lübben entfernt, war im Mittelalter eine Wallfahrtsstätte zur dortigen Quelle. Die ersten Siedler am Fuß des Marienberges waren vermutlich Schäfer im 17. Jahrhundert. Der erste Förster lebte wahrscheinlich ab 1710 auf dem Gebiet, wo sich auch heute noch die Revierförsterei befindet. Im Jahr 1907 wurde das heute noch bestehende Forsthaus aus rotem Backstein gebaut. In den 1930er Jahren wurde die obere Etage umgebaut, im Jahr 2000 fand schließlich eine umfassende Sanierung des Forsthauses statt.