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Erinnerung wachhalten
Gymnasiasten gedenken Holocaust-Opfern

Schüler des Paul-Fahlisch-Gymnasiums haben am Donnerstag Opfern des Holocausts in der Aula ihrer Schule ein Gesicht gegeben.
Schüler des Paul-Fahlisch-Gymnasiums haben am Donnerstag Opfern des Holocausts in der Aula ihrer Schule ein Gesicht gegeben. FOTO: Rüdiger Hofmann
Lübbenau. Schüler recherchieren im Geschichtsunterricht zu Biografien Verfolgter des NS-Regimes und erinnern an eine Zeit des Terrors. Von Rüdiger Hofmann

„Verdrängen schafft nur den Nährboden für neue Vergehen.“ Mit diesem Satz hat Lübbenaus Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) in der Aula des Paul-Fahlisch-Gymnasiums am Donnerstag auf die so wichtige Bedeutung des Erinnerns an die Schreckensherrschaft des Nazi-Regimes und an Millionen Opfer hingewiesen. Elftklässler des Gymnasiums hatten in den vergangenen Monaten im Geschichtsunterricht zu den Schicksalen jüdischer Opfer des nationalsozialistischen Regimes recherchiert. „Wir haben ihre Verbindung nach Lübbenau ausfindig gemacht“, sagt Marven Wuttke vom Gymnasium. Die Rechercheergebnisse präsentierten die Schüler nun im Rahmen des am Samstag stattfindenden internationalen Gedenktages anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau vor 73 Jahren. Die Gymnasiasten zitierten aus historischen Berichten und warfen Zeitzeugendokumente an die Wand.

„Wir geben dem Schrecken ein Gesicht“, sagt Geschichtslehrerin Antje Pohler. Sie ist Mitinitiatorin des Projektes „Stolpersteine für Lübbenau“. Die Schüler des Paul-Fahlisch Gymnasiums hatten im Februar 2013 mit dem Projekt begonnen. Dazu forschen sie in der jüdischen Geschichte Lübbenaus. Die goldenen „Stolpersteine“ werden vor den zuletzt bewohnten Häusern der Opfer im Gehweg versenkt und erinnern an das Schicksal der Menschen, die in der NS-Zeit verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

„Den Schülern nützt es wenig, wenn man ihnen die anonyme Zahl von sechs Millionen ermordeter Juden im Zweiten Weltkrieg nennt. Durch eine Person wie Ernestina Gallardo wird das Grauen erst vorstellbar“, sagt Antje Pohler. Gallardo versteckte während der Nazi-Diktatur Juden in ihrer Berliner Wohnung. Zugleich war sie die Nichte der Lübbenauer Geschäftsfrau Beatrice Ledermann, die 2015 durch die Verlegung eines „Stolpersteins“ in der Innenstadt gewürdigt wurde. Ein Jahr zuvor wurde der Lübbenauer Tierarzt Max Plessner mit einem „Stolperstein“ geehrt.