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| 17:42 Uhr

Ehrenamt im Oberspreewald-Lausitz-Kreis
Ortschronist im Außendienst

In seinem früheren Heimatdorf hat Rainer Kamenz einen dauerhaften Schreibtisch. Regelmäßig zieht es den in Plessa/Elster wohnenden und für Mehßow wirkenden Ortschronisten, Autor, Hobbyfotografen und -filmer an einen seiner Lieblingsplätze der alten Heimat - eine Sitzbankgruppe mit funktionellem Baumstumpf am Mehßower Großteich.
In seinem früheren Heimatdorf hat Rainer Kamenz einen dauerhaften Schreibtisch. Regelmäßig zieht es den in Plessa/Elster wohnenden und für Mehßow wirkenden Ortschronisten, Autor, Hobbyfotografen und -filmer an einen seiner Lieblingsplätze der alten Heimat - eine Sitzbankgruppe mit funktionellem Baumstumpf am Mehßower Großteich. FOTO: Uwe Hegewald
Groß Mehßow. Ohne Ehrenamt wäre das Leben in der Region nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken werden deshalb jedes Jahr einige verdienstvolle Bürger aus dem Landkreis OSL ausgezeichnet. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Heute: Rainer Kamenz (Plessa). Von Uwe Hegewald

Klein- und Groß-Mehßower, die ein direktes Vier-Augengespräch mit ihrem Ortschronisten anstreben, müssen etwas mehr Zeit einplanen. Weder in unmittelbarer Nachbarschaft, noch in einer der angrenzenden Kommunen ist Rainer Kamenz anzutreffen, sondern im 45 Kilometer entfernten Plessa/Elster. So gesehen verfügt Mehßow über eine ständige Außenvertretung im Elbe-Elster-Kreis.

Für die Einwohner des Zwillingsdorfes kein gravierendes Problem, sind sie doch im sprichwörtlichen Dreiländereck OSL-LDS-EE mit Grenzgängen vertraut. Teilnehmer des zurückliegenden OSL-Ehrenamtstages zogen symbolisch den Hut vor Rainer Kamenz und fragten sich: Warum macht er das? Also Herr Kamenz: Warum machen Sie das?

„Es gibt drei Säulen, auf die sich mein Hobby stützt“, erklärt der Ortschronist, Archivar und Autor: „Heimatliebe, Geschichtsinteresse und die Begegnung mit Dr. Oskar August (1911-1985). Ich war wohl der letzte Schüler des bedeutenden Geographen, der in Berlin, Leipzig und Halle wirkte“, führt Rainer Kamenz einen von zwei wissenschaftlichen Wegbegleitern an. Bei der zweiten Persönlichkeit handelt es sich um Dr. Günter Wetzel, der dem Plessaer mit Mehßower Wurzeln als Fachexperte zur Seite steht. In Luckau geboren verbrachte er seine ersten Lebensjahre im Calauer Ortsteil. 1962 zog die Familie nach Plessa, doch die Großmutter und das Herz des kleinen Rainer blieben in Groß Mehßow zurück.

„In Plessa konnte ich nie eine so intensive Heimatliebe entwickeln, wie in Mehßow“, gesteht der 62-Jährige. Wann immer sich die Gelegenheit ergab, machte er sich auf den Weg in das idyllische Dorf, das nicht ohne Grund auf Kreisebene zu den ständigen Vertretern des Wettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“ zählt. Eine einzigartige Teichlandschaft, imposante Kirche, ruhige Lage und sogar ein einladendes Gasthaus verschmelzen zu einem Komplettdorf zusammen.

Hinzu kommt eine beeindruckende Geschichte, die Rainer Kamenz seit mehr als 30 Jahren aufarbeitet. „Durch meinen Bekanntheitsgrad und die regelmäßige Anwesenheit öffneten sich die Türen zu vielen Grundstücken nahezu automatisch. Die Leute haben mich nie als Fremden wahrgenommen“, erzählt er. Und doch musste sich der Historiker mitunter bohrenden Fragen stellen: Du schreibst dir so viel auf, fotografierst und bist zum Ausarbeiten einer Mehßower Chronik ständig auf Suche nach alten Fotos und Dokumenten. Wann bekommen wir die mal zu sehen?

2016 war es soweit. Auf über 800 Seiten hat Rainer Kamenz die Geschichte von Klein- und Groß Mehßow ab 2000 vor unserer Zeitrechnung bis in die Gegenwart gebannt. „Aufgrund neuer Informationen, Daten und Erkenntnisse sind inzwischen weitere 200 Seiten hinzugekommen“, berichtet er. Auch räumt der in Plessa als selbstständiger Unternehmer in der Kfz-Elektrik-Branche ein, dass dieses umfassende Werk insbesondere die Mehßower anspricht oder ausgewiesene Geschichtsfreunde. Um Interessierten auch eine Chronik in Kurzform, aber mit allen wichtigen Details anzubieten, hat sich der Autor zum Veröffentlichen einer gestrafften Ausgabe entschieden, zumal die große Chronik nicht mehr in Druck geht. „Vor wenigen Tagen ist der 104 Seiten umfassenden Ausgabe die Druckfreigabe erteilt worden“, informiert Rainer Kamenz mit breitem Lächeln. Ist ihm doch nach langer Recherche gelungen, eine Druckerei zu finden, die die gestraffte Chronik trotz kleiner Auflage in qualitativ hochwertiger Fadenheftung bindet.

In Erwartung, den Wissensdurst der Mehßower zu ihrer Geschichte gestillt zu haben, sieht der Ortschronist jedoch keinen Grund, Schreibgerät, Kamera oder Notizblock für immer in Schubladen zu verbannen. Es sind ständig neue Ideen, die der Hobbyfotograf und -filmer in seinem Kopf spazieren führt. Die Geschichte der Kirche bedarf ebenso einer Überarbeitung, wie die des Kirchspiels/Sprengels im „Dreiländereck“. Herzenssache ist ihm, den Reiz der Mehßower Landschaft in Wort und Bild zu packen, die ihm seit Kindesbeinen fasziniert. „Vom Fenster des Hauses meiner Großmutter hatte ich direkten Blick auf den Großteich, der zum Naturschutzgebiet Tannenbusch und Teichlandschaft Groß Mehßow gehört. Das allein war Grund, immer wieder nach Mehßow und zur Oma zurückzukehren“, erzählt er. Auch nach deren Tod, vor 20 Jahren, ist es bei Rainer Kamenz mit dem Heimweh nicht besser geworden. Kann es auch nicht, jährt sich das Erwähnen des Familiennamens Kamenz in Mehßow im kommenden Jahr zum 300. Mal.