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Orgelklang und Pinselstrich

Malten zu Orgelmusik und vor Publikum – Dietrich Lusici (l.), Rainer Ehrt und Egidius Knops (nicht im Bild). Die Arbeiten sollen in der Kirche verbleiben und am Sonntag im Gottesdienst zu sehen sein.
Malten zu Orgelmusik und vor Publikum – Dietrich Lusici (l.), Rainer Ehrt und Egidius Knops (nicht im Bild). Die Arbeiten sollen in der Kirche verbleiben und am Sonntag im Gottesdienst zu sehen sein. FOTO: Daniel Preikschat
Lübbenau. Zum Schauplatz eines künstlerischen Experiments wurde am Mittwochabend die Lübbenauer Nikolaikirche. Beteiligt waren drei Maler und eine Musikerin. Daniel Preikschat

Solche Arbeitsbedingungen haben Dietrich Lusici, Rainer Ehrt und Egidius Knops noch nie vorgefunden. Schon, dass sich alle drei Maler gleichzeitig auf einer Arbeitsbühne ans großformatige Werk machten, war ungewöhnlich. Fast surreal jedoch wirkte es, das Maler-Trio im Altarraum einer Kirche ihre Farben auftragen zu sehen, zu Orgelmusik und vor Publikum.

Sung-Rim Park hatte eine "sehr farbenreiche" Musikstückauswahl getroffen, wie Kantorin Katharina Schröder zu Beginn der außergewöhnlichen Veranstaltung in der Lübbenauer Nikolaikirche den Besuchern erklärte. Felix Mendelssohn-Bartholdy, Johann Sebastian Bach, Olivier Messiaen, Arvo Pärt und Niels Wilhelm Gade war es daraufhin eine gute Stunde lang vorbehalten, die Maler zu inspirieren.

Dabei fanden Ehrt, Knops und Lusici gute Voraussetzungen vor. Queenie Nopper und Jürgen Othmer von der Lübbenaubrücke hatten die Arbeitsfläche mit ihren Helfern optimal ausleuchten lassen. Die Kirchenwände waren in dem Bereich mit Folie geschützt. Ein provisorisches Atelier in einer Kirche entstand so.

Vor allem bei Dietrich Lusici konnten die rund 50 kunstinteressierten Kirchgänger beobachten, wie er die Töne auf die Leinwand zu bannen versuchte. Griff die Organistin kräftig in die Tasten, beispielsweise bei Bach, wuchtete Lusici den Pinsel geradezu auf die Leinwand. Drei bis vier dieser Arbeitsgeräte hielt er in Händen und wartete die nächste Klanginspiration ab. Farbenfroh und abstrakt sah das Ergebnis am Ende aus.

Ganz anders arbeitet neben ihm Rainer Ehrt, der sich an seine mitgebrachte Skizze hielt. Die Zuschauer sahen vor ihren Augen eine Frauenfigur mit Stier Kontur annehmen. Eine mythologische Szene, wie Ehrt später erklärte. Passend zum Ort hielt der Maler seine Europa in Kreuzigungspose fest. Sie schien nach hinten zu fallen, sah aus wie ein glatzköpfiger Alien.

Heiterer und bunter dann wieder das Bild von Malernachbar Egidius Knops: ein Baum, der mit seinen geweihartigen Ästen eine Sonne umfängt. Drum herum in der oberen Bildhälfte Farbensplitter, die sich mosaikartig zusammenfügen. Ein Bild, das Jürgen Othmer sehr gefiel. Es erinnere ihn an Spaziergänge durch den Spreewald und den besonderen Lichteinfall dort.

Jürgen Othmer und Queenie Nopper waren es auch gewesen, die sich mit Kantorin Katharina Schröder diese außergewöhnliche Begegnung von Musik und Malerei in einer Kirche ausgedacht haben, um das Spreewaldatelier noch mehr aufzuwerten. Auch einen Namen dafür ließ man sich einfallen: "Hörgenuss und Bilderlust" Aus Sicht vieler Besucher, die sich nach der Performance äußerten, versprach dieser Titel nicht zu viel.

Ein Erlebnis war der Abend auch für die Künstler. "Anregend und anstrengend", sagte spontan Dietrich Lusici. Und: "Die tolle Musik hat das Bild entstehen lassen." Rainer Ehrt indes kam nur zeitweise in den Rhythmus der Musik, wie er sagte. Eine halbe Stunde mehr Zeit hätte Egidius Knops gern gehabt.

Fotos unter www.lr-online.de

Zum Thema:
Dietrich Lusici, Rainer Ehrt und Egidius Knops können Besucher heute und morgen beim Karikaturisten-Open-Air auf dem Lübbenauer Kirchplatz besuchen. Dort arbeiten auch 15 Holzbildhauer an ihren Skulpturen. Bilder von Ehrt, Lusici und Knops werden parallel im Lübbenauer Rathaus zu den Öffnungszeiten ausgestellt. Heute um 12 Uhr eröffnet auf dem Kirchplatz die Auktionsausstellung. Gäste können sich Kunstwerke aussuchen, versteigert werden sie morgen bei einer Auktion von 15 bis 17 Uhr. Samstag ab 19 Uhr: Spreewaldatelier-Abschlussprogramm mit Tanz zwischen Skulpturen.