Becker und Simmich besitzen davon eine große Portion. Damit haben sie auch die Klettwitzer Pistenchefs beeindruckt. Vorige Woche kürten Hans-Jörg Fischer und Matthias Tomasetti, die Geschäftsführenden Gesellschafter des Eurospeedway Lausitz, die beiden Ruheständler zu den „Team-Mitgliedern des Jahres 2006“ .
Total überrascht standen Becker und Simmich beim traditionellen „Dankeschön-Empfang“ zum Saisonende im Blitzlicht der Kameras. Der erste Schock wich aber bald der Freude über die Auszeichnung. „Es ist doch schön, wenn unsere Leistung anerkannt wird“ , meinte Klaus Becker im RUNDSCHAU-Interview. Eine Arbeit, bei der das eingespielte Maler-Duo im Notfall auch nicht auf die Uhr guckt. Wenn das Wetter mitspielt, sind Becker und Simmich am Donnerstag vor einem DTM-Lauf bereits frühmorgens um fünf mit Farbtopf und Pinsel auf Achse. Schichtende sei dann manchmal erst gegen elf Uhr abends. „Dann drängeln aber schon die ersten Teams, die vor dem Zapfenstreich noch ein paar Trainingsrunden drehen wollen“ , erzählte Peter Simmich breit grinsend.
Mit 66 Jahren haben beide Kollegen das Pensionsalter eigentlich schon erreicht. Den Aushilfsjob in der Technik-Crew des EuroSpeedway Lausitz möchte das Rentner-Gespann aber nicht missen. Becker wohnt in Klettwitz und Simmich ist Hörlitzer. Die Nachbarschaft zur Rennstrecke wirkt wie ein Magnet. „Dabei sind wir gar keine gelernten Pinselkünstler. Wir waren beide früher bei der Reichsbahn beschäftigt“ , gab Peter Simmich ein weiteres Geheimnis preis. Die späte Malerkarriere auf dem Lausitzring bereitet dem Duo sichtliches Vergnügen. Beide versichern: „Solange die Gesundheit mitspielt, bleiben wir noch am Ball.“
Alles begann im Spätsommer 2001. Das erste Gastspiel der ChampCar-Flitzer in der Lausitz stand unmittelbar bevor. „Plötzlich war Not am Mann, weil fast über Nacht die Streckenmarkierungen erneuert werden mussten“ , berichtete Klaus Becker. Er und Kollege Simmich arbeiteten damals beim Wachschutz am Ring. Die restliche Geschichte ist schnell erzählt: „Jede verfügbare Hand wurde vor fünf Jahren bei den Markierungsarbeiten gebraucht. Wir sind bis heute dabei geblieben.“ In der abgelaufenen Saison, so schätzt das Maler-Gespann, pinselten sie etwa drei Tonnen Farbe auf den Grand-Prix-Asphalt. Besteht schon Vorfreude auf die Ruhepause im Winter? „Die gibt es auch nicht“ , beantwortete Klaus Becker schmunzelnd die Frage. In der kalten Jahreszeit bekommen die Innenbereiche im Fahrerlager einen frischen Anstrich verpasst. Das Maler-Duo des Euro-Speedway kapituliert vor keiner Aufgabe. Vor drei Wochen haben Becker und Simmich in der 43-Grad-Steilkurve des Dekra-Testovals die verblassten, weißen Randstreifen aufgefrischt. Es war sogar im Gespräch, echte Spezialisten mit Bergsteigerausrüstung anzuheuern. Doch denkste. „Wir haben die Arbeit auch allein bewältigt. Allerdings mussten wir uns tatsächlich anseilen“ , erzählte Klaus Becker mit einem Augenzwinkern.