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| 01:31 Uhr

Ogrosen: Schönheit mit kleinen Problemzonen

Ogrosen. „Küchentischgespräche für lebendige und zukunftsfähige Dörfer“ lautet der Untertitel einer Diplomarbeit, die von der Prüfungskommission der Universität Tübingen mit „1,0“ bewertet wurde. Verfasserin ist die 26-jährige Sissel Theuerjahr, die sich im vorigen Jahr Ogrosen als Ort der Küchentischgespräche ausgewählt hatte, sechs Tage dort lebte und ihre gesammelten Erfahrungen und Erlebnisse in einer Diplomarbeit zusammenfasste. Von Uwe Hegewald

„Ich bin von den Dorfbewohnern sehr herzlich aufgenommen worden, insbesondere von Anneli und Hans Schumacher, bei denen ich wohnen durfte“, blickt Sissel Theuerjahr auf ihren Besuch vor rund einem Jahr zurück. Der Familie hatte sie schließlich das Ergebnis der Diplomarbeit mitgeteilt und Anneli Schumacher gestattet, diese im Rahmen einer Einwohnerversammlung vorzutragen. In der 160 Seiten umfassenden Arbeit setzte sich die in Mainz geborene und aufgewachsene Sissel Theuerjahr mit der Entwicklung in ländlichen Räumen Ostdeutschlands auseinander und suchte nach den Stärken und Schwächen im Ort.

40 Fragebögen hatte sie unter die 260 Ogrosener (2,8 Prozent der Stadt Vetschau) verteilt und 21 davon ausgefüllt zurückerhalten. „Ein guter Durchschnitt“, sagt sie und unterstreicht das positive Umfrageergebnis. Für 78 Prozent der Befragten sei Ogrosen der „Mittelpunkt der Welt“. Widergespiegelt werde das durch das rege Vereinsleben, die Aktivitäten im Dorf, die Aufgeschlossenheit gegenüber Touristen, den Umgang der Generationen untereinander, gegenseitige Hilfestellungen und vieles mehr.

Als überaus beherzt wurde das Engagement um die Sanierung der Kirche bewertet wie auch die Erstteilnahme am Dorfwettbewerb 2008, bei dem Ogrosen auf Anhieb Platz drei errang. Bei den Schwächen führten die Befragten die unzureichende Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr an und ein fehlendes Gemeindezentrum. Einzelne würden sich zudem aus dem Dorfleben heraushalten. Kritisiert wurde auch der rasante Verkehr auf der Dorfstraße, die von Anwohnern als „Dorfautobahn“ bezeichnet wird. Als ausbaufähig wurde ferner das Miteinander von Dorfgemeinschaft und dem Gut Ogrosen eingestuft. „Ich bin mir sicher, dass sich die Grenze zwischen beiden Seiten schon bald auflösen wird“, gibt sich Anneli Schumacher optimistisch. Die Frau des Ortsvorstehers hatte über die Humboldt-Universität Berlin den Kontakt zu Sissel Theuerjahr hergestellt. Deren Fazit zu den Küchentischgesprächen: Ogrosen kann zweifellos in die Kategorie lebendiges und zukunftsfähiges Dorf im ländlichen Raum Ostdeutschlands eingeordnet werden.