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| 02:32 Uhr

Ogrosen ohne Ortsvorsteher

Aus dem alten Konsum in der Dorfmitte soll ein Bürgerhaus werden. Um den Neubau anzuschieben, braucht der Ort aber eine Stimme, die sich bei der Stadt einsetzt. In den nächsten vier Jahren muss der Vetschauer Ortsteil ohne sie auskommen.
Aus dem alten Konsum in der Dorfmitte soll ein Bürgerhaus werden. Um den Neubau anzuschieben, braucht der Ort aber eine Stimme, die sich bei der Stadt einsetzt. In den nächsten vier Jahren muss der Vetschauer Ortsteil ohne sie auskommen. FOTO: Jan Augustin
Ogrosen. Auch im zweiten Anlauf hat sich niemand in Ogrosen gefunden, der sich im Ortsbeirat engagieren will. Nun wird die Vetschauer Stadtverordnetenversammlung die Geschäfte des Dorfes übernehmen. Die Verwaltung bedauert diesen Zustand. Kritik äußert der ehemalige Ortsvorsteher. Jan Augustin

Der alte Konsum in der Dorfmitte ist der wohl der einzige Schandfleck in Ogrosen. Ansonsten zeigt sich das Dorf bei einem Rundgang mit dem ehemaligen Ortsvorsteher Hans Schumacher von seiner schönsten Seite. Urlauber genießen im Hinterhof der frisch sanierten Kirche ein verlängertes Frühstück bei angenehmen Temperaturen. Ein Traktor mit Anhänger tuckert gerade aus dem historischen Gutshofgelände los. Wer dörfliche Idylle mit einem extravaganten Charme sucht, hat beides in Ogrosen. Was man allerdings nicht findet, ist ein Ortsvorsteher.

Ogrosen ist der einzige Ort zwischen Altdöbern, Calau, Lübbenau und Vetschau, der diesen Posten nicht besetzen kann. Auch einen Beirat wird es in den nächsten vier Jahren nicht geben. Der Grund: fehlende Kandidaten. Weder hat sich jemand für die Kommunalwahl am 25. Mai gefunden noch für die Nachwahl, für die die Frist vor zwei Wochen endgültig abgelaufen war.

Nun übernimmt die Vetschauer Stadtverordnetenversammlung die Geschäfte des Dorfes. Die Verwaltung bedauere das. "Das ist schade für das Dorf. Die Bürger vor Ort wissen doch, wo der Schuh drückt", sagt Stadtsprecher Steffen Römelt. Ogrosen mit seinen 250 Einwohnern sei ansonsten so engagiert.

Auch das von einem Cottbuser Architektenbüro entworfene Dorfentwicklungskonzept bestätigt: "Insbesondere sind aber der besondere Zusammenhalt der Bürger und das daraus resultierende reiche gesellschaftliche Zusammenleben das Rückgrat der Vitalität des Ortes." Um so verwunderlicher ist es nun, dass keiner die Verantwortung übernehmen will.

Auch Hans Schumacher, der in den vergangenen fünfeinhalb Jahren die Geschicke gemeinsam mit Frank Semt und Frank Thiede leitete, kennt nicht die einzig wahre Ursache. "Vielleicht haben wir die Latte zu hoch gelegt", spekuliert er. In der Zeit sei einiges geschaffen worden. Schumacher zählt auf: die sich finanziell lohnende Teilnahme an den Dorfwettbewerben, die aus Spendengeldern finanzierte Sanierung der Kirche unter der Leitung von Christel Paulick oder das eingeleitete Projekt Bürgerhaus, das laut Verwaltung ab dem kommenden Jahr umgesetzt werden soll. Der alte Dorfkonsum soll dafür abgerissen werden.

Enttäuscht darüber, dass sich niemand aus seinem Ort gefunden hat, sei Schumacher auf jeden Fall. Er selbst steuere langsam auf die 70 zu. Und solange er noch mobil ist, wolle er mit seiner Frau noch etwas von der Welt sehen. Außerdem, so rechnet Schumacher vor, wenn sich jeder der 250 Einwohner einmal als Ortsvorsteher verdingen würde, hätte man in den nächsten 1000 Jahren keine Probleme.

Kommentar: Ogrosener verlieren Mitsprache