ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:58 Uhr

Offene Fragen zum Wanderweg im Teichgebiet

Der etwa einen Kilometer lange Gurkenradweg fürhrt durch die Stradower Teichwirtschaft, beginnend in Stradow, vorbei am Zipfelteich, dann zwischen Geißler- und Spreeteich in Richtung Burg.
Der etwa einen Kilometer lange Gurkenradweg fürhrt durch die Stradower Teichwirtschaft, beginnend in Stradow, vorbei am Zipfelteich, dann zwischen Geißler- und Spreeteich in Richtung Burg. FOTO: Stadtverwaltung Vetschau/Bearbeitung: LR
Vetschau/Stradow. Petkamsberg lässt grüßen. Nachdem der Zoff um die drohende Sperrung des Radwegs durch die Teichgruppe im Februar 2012 mit einer gütlichen Einigung endete, gibt es jetzt in der Teichwirtschaft Stradow ähnlichen Ärger. Missverständnisse, Haftungsfragen und das fragwürdige Verhalten von Radlern und Vogelkundlern auf dem Betriebsgelände holen Peitzer Edelfisch, Stadt Vetschau und Teichwirt auf die Matte. Hannelore Kuschy

Teichwirt Karl Winkelgrund ist ein Gemütsmensch. Aber wenn er jeden Tag radelnden Touristen auf seinem Betriebsgelände den Müll nachräumen muss, platzt ihm der Geduldsfaden. Und nicht nur das. Es gibt Ornithologen, die keine Hemmungen haben und ihre Tierbeobachtungen mit dem Teleobjektiv auf seinen privaten Hof ausweiten.

"So geht das nicht", stellt der Teichwirt klar. Er habe nichts dagegen, dass Radler diese angenehme Verbindung zwischen Stradow und Burg über sein Betriebsgelände nutzen, wenn sie sich ordentlich verhalten und Rücksicht auf Wirtschaftsfahrzeuge nehmen. "Denn die Stradower Teiche sind in erster Linie eine Aquakulturanlage, also ein Betriebsgelände mit erhöhtem Gefahrenpotenzial und dienen ausschließlich der Produktion und Vermarktung von hochwertigem Fisch", erklärt er. Dass es zudem ein deutschlandweit äußerst wertvolles Ersatzhabitat für viele seltene und bedrohte Tiere und Pflanzen darstellt, sei ein angenehmer Nebeneffekt. Den sollen Touristen durchaus genießen. "Ihnen gebe ich auch gern, wie kürzlich einem Schweizer Ehepaar, den Tipp, sich die Singschwäne mit Jungen am Kossateich anzuschauen", erzählt Karl Winkelgrund. Jenen aber, die seine Einladung falsch verstehen, hat er vor dem Betriebsgelände ein Regelwerk aufgestellt, das zu befolgen keiner größeren Anstrengungen bedarf.

Denn zusätzlich zu den rund 30 000 Euro Schäden jedes Jahr durch Fischadler und Kormoran hat der Teichwirt erhebliche weitere Belastungen zu tragen, die größtenteils vermieden werden können. Seine Betriebshaftpflicht sei besonders hoch, weil auch die Unfallgefahr auf dem Gelände groß ist. Karl Winkelgrund erklärt das an einem Beispiel: "Unsere Mönche, das sind Ablassbauwerke, sind mitunter drei Meter tief. Fällt jemand hinein, würde er nicht wieder allein herauskommen." So sind nach Ansicht Winkelgrunds die Besucherströme zu führen und zu kontrollieren, zum Beispiel mit der kostenpflichtigen Fotoerlaubnis. "Dabei geht es nicht um jene, die kurz innehalten, um mit ihrer kleinen Kompaktkamera einen Schnappschuss zu machen, sondern um andere, die gezielt mit Teleobjektiven den Tieren auflauern beziehungsweise längere Zeit an einem Ort verweilen", erläutert der Pächter.

Ramona Oppermann, Geschäftsführerin des Verpächters Peitzer Edelfisch, erinnert daran, dass der Teil des beliebten Gurkenradwegs im Teichgebiet dem Unternehmen übergestülpt wurde. Doch sie wolle die Situation nicht komplizierter machen als sie ist. Das Durchfahrtsrecht sei nicht verboten, und auch geführte Wanderungen seien weiter möglich. Überhand nehmen würde zurzeit allerdings der Autoverkehr durch die Teichwirtschaft. "Alle Beteiligten sollten deshalb jetzt ein gemeinsames Interesse daran haben, alle anstehenden Fragen zu klären. Eine ist zum Beispiel: Wer trägt die Haftung?", erklärt die Geschäftsführerin des Peitzer Unternehmens.

"An einem entsprechenden Vertragsentwurf arbeiten wir gerade", versichert Lutz Gubbatz, amtierender Fachbereichsleiter der Vetschauer Stadtverwaltung. Er weiß zum Beispiel noch, dass die gesamte Teichanlage zu DDR-Zeiten für Besucher gesperrt war. "Das will heute niemand, nachdem die touristische Route Anfang der 1990er-Jahre festgeselgt worden war."

Zum Thema:
Ende 2011 drohte der etwa acht Kilometer lange Rad- und Wanderweg durch das Teichgut Petkamsberg gesperrt zu werden. Als Eigentümer des Abschnitts forderte das Unternehmen einen Ausgleich für "Behinderungen des Betriebsablaufs" für Instandhaltungsarbeiten sowie für Haftungsfragen. Bei einem mehrstündigen Gespräch kamen sich Behörden und Unternehmen näher: Der Weg bleibt offen.