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| 18:13 Uhr

Problem bei Talentförderung
Ochsentour für Schwimmtalent aus Klein Beuchow

 John-Paul Kühmel aus Klein Beuchow mit seinen größten Talentförderern, Mutter Manuela und Vater Sebastian.
John-Paul Kühmel aus Klein Beuchow mit seinen größten Talentförderern, Mutter Manuela und Vater Sebastian. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Lange Fahrzeiten bis Cottbus machen John-Paul Kühmel und seinen Eltern schwer zu schaffen.

Er ist erst zehn Jahre alt, schafft die 50 Meter Brust aber schon in 45 Sekunden. John-Paul Kühmel, sagt sein Vater Sebastian, schwimmt im Landkreis OSL in seiner Altersklasse allen davon. Daher war es auch wenig erstaunlich, dass man ihn an der sportbetonten Grundschule in Cottbus gern aufgenommen hat. Zumal John-Paul nicht nur die „Kadernorm“ erfüllte. Auch seine schulischen Leistungen sind gut und in den Gesprächen ließ er keinen Zweifel, was er will: ein großer Schwimmer werden, der Meisterschaften gewinnt und Medaillen.

Im Becken zwar ist John-Paul schon jetzt schnell am Ziel, im Schulbus jedoch nicht. Er müsste zu Hause in Klein Beuchow um 5.36 Uhr in den Schulbus steigen, um nach zweimal Umsteigen und 95 Minuten Fahrt um 7 Uhr in Cottbus in der Schule zu sein, wo um 7.30 Uhr der Unterricht beginnt. Eine so lange Fahrzeit aber wollen die Eltern ihrem Sohn, der übrigens mit der Bahn auch nicht schneller wäre, nicht aufbürden. Das sei „unzumutbar“, wie die Kühmels auch dem Landkreis OSL gegenüber mitgeteilt haben. Der Antrag allerdings für die Beförderung von John-Paul per „Schülerspezialverkehr“, sprich im Taxi, wurde abgelehnt. Wie auch der Widerspruch dagegen. Es wird darauf verwiesen, dass die Schule außerhalb des Landkreises liegt und daher laut entsprechender Satzung kein „Schülerspezialverkehr“ genehmigt wird.

 John-Paul wird privat gefahren und mit dem Taxi. Eineinhalb Stunden mit dem Schulbus sind den Eltern zu viel.
John-Paul wird privat gefahren und mit dem Taxi. Eineinhalb Stunden mit dem Schulbus sind den Eltern zu viel. FOTO: LR / Daniel Preikschat

Die Kühmels wollen das so nicht hinnehmen, organisieren und finanzieren einstweilen aber die Fahrten ihres Sohns zur Schule und wieder zurück selbst. Mit der 77 Euro-Monatskarte vom Landkreis für öffentliche Verkehrsmittel käme man dabei nicht sehr weit, so Sebastian Kühmel. Der selbstständige Unternehmer bemüht mit seiner ebenfalls berufstätigen Frau Manuela ein Taxiunternehmen. John-Paul fährt in einem Sammeltaxi mit, in dem außer ihm noch Kinder mit Behinderungen unterwegs sind. Monatlich müssen die Kühmels dafür 200 bis 250 Euro zahlen. Nach der Schule holen sie ihr Kind in Cottbus im Privat-Pkw ab, abwechselnd. Auch die Großeltern und manchmal Freunde übernehmen Fahrten.

Schon bevor John Paul voriges Jahr die Schule wechselte, war er regelmäßig in Cottbus. Denn auch den Verein hat er gewechselt. Vom PSV Lübbenau/Calau ging es zum PSV Cottbus. Es ist der nächste Schritt in der Talententwicklung, so der Vater, der selbst Schwimmtrainer ist. Ob es John-Paul nach der Grundschule zum Olympiastützpunkt in Potsdam schafft, so wie sein Vorbild Christian Diener, warte er ab. „Der Junge entscheidet das selbst.“

Keine befriedigende Antwort indes erhielten die Eltern auch vom Bürgermeister. Helmut Wenzel zeigt Verständnis, verweist nach Rücksprache mit dem Landkreis aber ebenfalls auf die Schülerbeförderungssatzung des OSL-Kreises, die einen „Schülerspezialverkehr“ über die Landkreisgrenzen hinaus nicht vorsieht. Allerdings könnten die Eltern eine „anteilige“ Fahrkostenerstattung geltend machen. Die Kosten aber, so Sebastian Kühmel, seien nicht das Problem, sondern die Fahrzeit. Für ihren Jungen einen Internatsplatz in Anspruch zu nehmen, ist für Manuela und Sebastian Kühmels ebenfalls nicht zumutbar – weder für ihren Sohn noch für sie.