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| 02:32 Uhr

Oberschule Calau jetzt "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage"

Theater in der Oberschule: Die Brandenburger Dorf-Polizistin will Nazi-Mitläufer Rudi zur Ordnung rufen.
Theater in der Oberschule: Die Brandenburger Dorf-Polizistin will Nazi-Mitläufer Rudi zur Ordnung rufen. FOTO: Jan Augustin
Calau. Rudi ist Neonazi. Äußerlich zumindestens. Er hat eine Glatze, trägt Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln und ein T-Shirt mit eine 88 drauf. J. Augustin

Ein simples verschlüsseltes Symbol. Der achte Buchstabe im Alphabet ist ein H - zwei H's sollen dann Heil Hitler heißen. Auf dem Rücken von Rudis schwarzer Jacke steht, dass er stolz ist, ein Deutscher zu sein.

Rudi - gespielt von Carsten Waldeck - gibt sich Mühe, seinem Aussehen alle Ehre zu machen: "Euch Polacken will keiner", schreit er seinem Gegenüber Jan ins Gesicht. Jan (Angelos Marinis) ist Pole. Er verdient sein Geld mit Autos, die er in Deutschland (schwarz) aufkauft, um sie dann in Polen wieder zu verkaufen.

Rudi und Jan sitzen nach einer Schlägerei gemeinsam in Haft. Sie liefern sich einen harten verbalen Schlagabtausch, ab und an kracht es auch mit den Fäusten. Nachdem ihnen die Dorf-Polizistin (Maria Reich) mitteilt, dass eines der Opfer den brutalen Schädelverletzungen erlegen ist, kippt die Stimmung auf der Bühne, und im Publikum. Wo gerade noch über gängige Klischees gelacht wurde, bleibt es nun still in dem gläsernen Durchbruch in der Calauer Oberschule.

"Hallo Nazi" heißt die Aufführung, die das Berliner Tourneetheater "Scheselong" am gestrigen Montag vor Schülern der 7. bis 10. Klassen aufführte.

Regisseur und Projektleiter Cüneyt Ogan ist froh darüber, dass sich die Oberschule für sein Theater interessiert. "Es ist wichtig, dass sich die Schule dafür öffnet." Das sei nicht immer normal, sagt Ogan.

Das Stück ist Teil des fächerübergreifenden Unterrichts an der Oberschule. Es ist aber auch ein Projekt von vielen, das die Schule in jüngster Zeit im Rahmen der Aktion Courage durchführte. Und bei dem sie ab sofort offizielles Mitglied ist. Sie darf sich nun "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" nennen. Eine feierliche Einweihung soll es Anfang des kommenden Schuljahres geben, teilt Lehrerin Kathrin Dannenberg mit.

Dem nach eigenen Aussagen größten Schulnetzwerk in Deutschland gehören mehr als 1000 Schulen an. Es soll Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bieten, das Klima an ihrer Schule mitzugestalten, in dem sie sich bewusst gegen jede Form von Gewalt wenden.

Den Titel bekommt man, wenn sich mindestens 70 Prozent aller Schüler und Lehrer mit ihrer Unterschrift dazu verpflichten, sich gegen jede Form von Diskriminierung einzusetzen.