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Nur Reiterinnen auf den 21 Pferden

Reiterin Stine Richter aus Lübben-Lubolz auf dem Pferd "Goldfinger" empfängt von Organisationsleiter Jürgen Sergel das grüne Hoffnungskreuz für die stille Prozession durch den Zerkwitzer Kirchensprengel.
Reiterin Stine Richter aus Lübben-Lubolz auf dem Pferd "Goldfinger" empfängt von Organisationsleiter Jürgen Sergel das grüne Hoffnungskreuz für die stille Prozession durch den Zerkwitzer Kirchensprengel. FOTO: B. Marx/bdx1
Lübbenau. Die Einwohner von sieben Spreewalddörfern und ihre Gäste haben am Ostersonntag die wendische Osterprozession empfangen. 21 Reiterinnen überbrachten die Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi. Bernd Marx / bdx1

Als Marlies Sergel aus dem Stadtteil Zerkwitz am Ostersonntag über ihrer Pferdekoppel die Sonne aufstiegen sah, war sie eine große Sorge los. "Bei gutem Wetter werden sich auch bisher unschlüssige Reiterinnen und Reiter mit ihren Pferden zum Umritt einfinden", so die 62-jährige Zerkwitzerin.

Gestriegelt und geschmückt

Die Landwirtin sollte recht behalten. Noch vor dem achten Glockenschlag der Dorfkirche trafen die ersten Pferdesportlerinnen zum 19. Osterreiten durch den Zerkwitzer Kirchensprengel ein. So sah man bald Melanie Kasprick aus Lehde und Stefanie Böttcher aus Lübbenau ihre Pferde "Sonja" und "Püppi" striegeln. Die Mähnen wurden geflochten und mit weißen Schleifen geschmückt.

Etwa 500 Zuschauer hatten sich gegen 10 Uhr vor der Dorfkirche eingefunden, um den Abmarsch des Reitertrosses mitzuerleben. "Wir sind extra aus dem sächsischen Horka angereist, um das Osterreiten der Wenden im Spreewald zu verfolgen", sagte die 74-jährige Christine Lindner.

Nach dreimaligem Umreiten des Gotteshauses übergaben die Zerkwitzer Kinder Finja Völkner, Simon Volgger, Nicklas Lehniger, Carlos Frinke und Inga Graß die vier weißen Kirchenfahnen und das grüne Hoffnungskreuz an die Reiterschar. Mit den Worten: "Bringt die christliche Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi zu den Menschen in die Dörfer", verabschiedete erstmals Pfarrer Andreas Döhle, Nachfolger von Pfarrer i. R. Michael Oelmann, Ross und Reiter.

Vanessa Siemer und Steffi Blaschke trugen die beiden Kirchenfahnen an der Spitze des Trosses. Reiterin Stine Richter aus Lubolz trug das grüne Hoffnungskreuz. Juliane Burisch und Janett Szilagyi bildeten mit den beiden Kirchenbannern den Abschluss der Gruppe. Elevin Maria Herr sorgte mit ihrem kleinen Pony "Lilly" für Aufmerksamkeit.

Hoffnungssträußchen

In Richtung Kleeden, über die Lindenallee, Klein und Groß Beuchow ging es nach Klein Radden, wo die erste Verschnaufpause eingelegt wurde. "Die Osterreiterinnen leben hoch", rief der Ragower Roland Scherz laut der Gruppe zu. Prompt bekam er von Reiterin Katja Blaschke aus Groß Klessow ein Hoffnungssträußchen überreicht. Am Ragower Osterbogen war der zehnjährigen Emelie Tomsche aus Neu Zittau bei Königs Wusterhausen (LDS) das Glück hold. Sie besitzt nun einen der begehrten Osterkrüge. Eine Mittagspause mit Andacht und Gebet, Gesang und Gesprächen schloss sich am Dorfplatz "Rund um den Trinka" an.

Mit einem dreifachen "Gut Wehr" empfing eine Stunde später die Ehrenformation der Krimnitzer Feuerwehr am Osterbogen die Reitergruppe. Den zweiten Osterkrug empfing freudestrahlend Pia Kirsche (10) aus dem Dorf.

Den Reiterinnen Carolin Peschang aus Stradow, Lisa Kaluza aus Kemmen, Constanze Kuba aus Striesow, Alexandra Seidel aus Ragow und Sarah Gehrke aus Lübbenau sah man die Freude an. Zum ersten Mal absolvierten sie die Prozession.

"Unsere Freunde werden zu Hause staunen, wenn wir ihnen die vielen tollen Eindrücke mitteilen", so Raimar Lindner (75) aus Horka, bevor er mit seiner Frau Christine die Heimfahrt antrat.

Mehr Fotos: lr-online.de/ostern

Die Fahnenträgerinnen Vanessa Siemer (l.) und Steffi Blaschke verlassen unter dem Beifall der Zuschauer und Glockengeläut den Zerkwitzer Kirchenvorplatz. Jürgen Sergel (r.) sorgt für die Sicherheit innerhalb der Zuschauer.
Die Fahnenträgerinnen Vanessa Siemer (l.) und Steffi Blaschke verlassen unter dem Beifall der Zuschauer und Glockengeläut den Zerkwitzer Kirchenvorplatz. Jürgen Sergel (r.) sorgt für die Sicherheit innerhalb der Zuschauer. FOTO: B. Marx/bdx1