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| 17:45 Uhr

Brauchtumspflege beim Trachtenfest
Notenspende(r) beim Trachtenfest gesucht

  Die Lübbenauerin Martina Molle mit Ehemann Hans-Joachim starten am Samstag zum Deutschen Trachtenfest nach Lübben. Besonderer Hingucker ist der von ihr umgebaute Kinderwagen mit Puppen, Holzelementen und Stickereien.
Die Lübbenauerin Martina Molle mit Ehemann Hans-Joachim starten am Samstag zum Deutschen Trachtenfest nach Lübben. Besonderer Hingucker ist der von ihr umgebaute Kinderwagen mit Puppen, Holzelementen und Stickereien. FOTO: Rüdiger Hofmann
Lübbenau. Martina Molle aus Lübbenau feiert am Wochenende in Lübben gemeinsam mit ihrem Ehemann die Pracht der Tracht. Dafür hat sie eigens einen Kinderwagen umgebaut und ein Gedicht kreiert. Das soll nun noch vertont werden. Erste Ideen gibt es schon. Von Rüdiger Hofmann

Seit Monaten macht sie ein Geheimnis um ihr neues Vorhaben. Nun hat Martina Molle aus Lübbenau die Katze aus dem Sack gelassen. Acht Strophen hat sich die Trachtenträgerin für ihr neues Spreewald-Gedicht ausgedacht. „Saure Gurken, Trachten Mädels, und der Kahn ist voll – ja das gibt es nur im Spreewald, ach, das find ich toll!“ Der „Refrain“ bildet das Kernstück. In den einzelnen Strophen hat Martina Molle die Besonderheiten der jeweiligen Jahreszeiten und der Region zwischen Heuschober, Fließlandschaft und Kahnfahrten zu Reimen zusammengefasst.

Voriges Jahr zu Weihnachten hat die gebürtige Luckauerin begonnen, die Textpassagen der einzelnen Strophen auf Seide und anderes Material zu sticken. Doch damit nicht genug. „In Vorbereitung des diesjährigen Trachtenfestes in Lübben habe ich auch einen Kinderwagen umgebaut“, sagt sie voller Begeisterung. Dieser ist wirklich liebevoll gestaltet: Puppen, so weit das Auge reicht, Holzverzierungen, eine kleine Nähmaschine als Schachtel, Stickereien. Kleine Gurkenattrappen mit hochprozentigem Inhalt sollen die Stimme lockern. Nicht zu vergessen ist eine Box für Notenspenden, denn Martina Molle wünscht sich so sehr, dass nun jemand ihr Gedicht vertont. Auch aus diesem Grund wird sie sich in Lübben – selbstverständlich in Festtagstracht – präsentieren. Vielleicht spricht sie jemand an. Immerhin steht gut lesbar auf der Vorderseite des farbenfrohen Kinderwagens: „Suche Notenspende(r).“

„Vorstellen können wir uns Rudi Babben für die Vertonung“, sagt Martina Molle. Babben ist Musiker, hat bereits CDs mit Liedern aus dem Spreewald produziert. „Ich kenne ihn auch aus der  Lübbenauer Schützengilde“, sagt Hans-Joachim Molle. Der Ehemann von Martina Molle ist dort seit fast 30 Jahren aktives Mitglied. Die Uniformen aus dem Schützenverein sind es auch, die Martina Molle bereits vor Jahren fasziniert haben. Durch diese kam sie erstmals mit Formen von Trachten in Berührung.

Doch die Belange der Schützengilde bleiben dieses Wochenende außen vor, denn da begleitet Hans-Joachim seine Frau in Frack und Zylinder. Sage und schreibe 2500 Trachtenträger aus Deutschland und sogar Polen, den Niederlanden und der Ukraine werden erwartet. Im Frack-Outfit mimt Hans-Joachim Molle auf den Lübbenauer Straßen oft den Theodor Fontane. Vor 160 Jahren besuchte die Dichtergröße den Spreewald, ließ sich von Fließlandschaft und Hecht in Spreewaldsoße verzaubern und brachte Gedanken zu Mensch und Natur in spezieller Ausdrucksweise zu Papier.

Martina Molles Leidenschaft für Trachten wird endgültig entfacht, als sie mit ihrem Mann 2014 nach Mühldorf an den Inn fährt. „Für diese Reise wollte ich unbedingt eine Tracht haben“, sagt sie. Die Mitbegründerin der Leiper Heimatstube, Traute Romke, und Marlene Jedro sind in dieser Zeit wichtige Bezugspersonen, die sie in ihrem Wunsch bestärken. Martina Molle holt sich Tipps, schaut sich Muster an, und wird zur Trachtenträgerin. Mari­anne Golinski schließlich stickt Anfang 2015 die erste richtige Tracht von Martina Molle, die sie nun beim Festumzug auch zeigen wird.

Dann gibt es in Lübben den Glanz von Stoffen und Farben und die Lebensfreude durch Musik und Tanz zu erleben. Molles sind dann im Getümmel unter anderem neben Spreewald-Urgestein Marga Morgenstern und dem Verein Rubisko mit dabei. Eindrücke sammeln, Fotos schießen, Kurzberichte notieren – im Kopf geht Martina Molle schon alles durch. Seit Tagen wird der Wetterbericht verfolgt. Es kribbelt in den Fingern.

„Haube und Tuch müssen unbedingt zum Strickmuster passen“, erläutert sie die Kleiderordnung. Bis zu zwei Stunden kann ein kompletter Anziehvorgang von Schleife, Haube, Tuch, Schürze und Strumpfhose schon dauern, sagt sie, wenn man die komplizierten Faltprozesse berücksichtigt. In den vergangenen Jahren ist sie beim Ankleiden und den Auftritten in der Öffentlichkeit aber immer sicherer geworden. Und ihr Mann ergänzt: „Sie ist bei diesem Thema die treibende Kraft. Und blüht richtig auf mit dieser Trachtengeschichte.“