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| 17:33 Uhr

Kriegerdenkmal
Nicht nur für gefallene Soldaten

FOTO: LR / Stephan Meyer
Calau. Nach Restaurationsarbeiten würdigt das Gollmitzer Kriegerdenkmal nun weitere Opfer. Von Stephan Meyer

Mit einer Fertigstellung der Restaurationsarbeiten am Gollmitzer Kriegerdenkmal vor 2020 hatte Hans Fischer eigentlich nicht gerechnet. Der zweite Vorsitzende des Dorf- und Feuerwehrvereins Gollmitz hatte sich dem Denkmal vor zwei Jahren, im Zuge der 450-Jahr-Feier des Calauer Ortsteils, angenommen.

Nicht nur der Zahn der Zeit nagte an dem Monument. Eine Linde in unmittelbarer Nähe tat ihr übriges. Bevor es an die Restaurierungsarbeiten gehen konnte, mussten jedoch die Zuständigkeiten geklärt werden. Das Denkmal wurde 1923 von der Gemeinde erbaut, steht aber auf Kirchengrund. Auch wenn die Stadt Calau und die Kirche die Restaurationsabsichten unterstützten, fühlte sich zunächst keiner verantwortlich. Mit der Erlaubnis beider Parteien, das Denkmal in Eigenregie aufarbeiten zu dürfen, konnte der Verein loslegen.

Auf knapp 7 000 Euro beliefen sich die Kosten. Dafür wurden  zwei Jahre lang Spenden gesammelt. Über 2 500 Euro davon kamen aus dem Ortsteil. Der Verein schrieb dafür alle Familien an, deren Nachnamen auf dem Kriegerdenkmal eingraviert waren und empfahl eine Spende in Höhe von 100 Euro. Aber auch Gollmitzer, die nicht mit jenen gefallenen Soldaten verwandt sind, gaben eine Spende.

Ursprünglich war das Mahnmal den gefallen Soldaten des Ersten Weltkrieges gewidmet. Im Zuge der Restaurationsarbeiten wurden die Namen der gefallenen und vermissten Soldaten des Zweiten Weltkrieges ergänzt. Doch was sollte mit den anderen zwei Seiten des Denkmals geschehen, fragten sich Fischer und der Dorfverein. Platz frei zu lassen, kam nicht in Frage. „Mir war es wichtig, auch den stillen Helden und den zivilen Opfern von Kriegen zu gedenken“, so der Gollmitzer. Gerade Letztere kämen in der Erinnerungskultur immer zu kurz. Mit stillen Helden meint Fischer Deserteure und Kriegsdienstverweigerer. Eine ganze Seite des Denkmals befasst sich mit ihnen. Ob sich auch Gollmitzer den beiden Weltkriegen entzogen haben, ist ungewiss. Namen von Kriegsdienstverweigerern stehen nicht auf dem Denkmal, dafür jedoch eine Widmung. Darüber prangt folgende Zeile des US-amerikanischen Dichters Carl Sandburg: „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin!“

„Das ist schon ziemlich einmalig“, erklärt Fischer. Kriegerdenkmale erinnern in der Regel ausschließlich an die in einem Krieg gefallenen Soldaten. Ganz unumstritten war das nicht, gibt er zu. Das habe zum Teil für Gesprächsstoff im Ort gesorgt, ob auch Kriegsverweigerern gedacht werden soll. Am Ende gab es aber keine Gegenstimmen. Der meiste Zuspruch, jene stillen Helden zu würdigen, kam vor allem von den über 80-Jährigen im Ortsteil. Die Gollmitzer, die den Krieg noch miterlebt hatten.

Am Sonnabend, 11. August, soll das restaurierte Denkmal feierlich der Öffentlichkeit präsentiert werden. Um 18 Uhr findet dazu ein Kammermusikkonzert in der Gollmitzer Kirche statt. Das Ensemble des Kammermusikkreises Werder spielt Kompositionen aus vier Jahrhunderten, von Barock bis Swing. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende wird gebeten. In einer Konzertpause, um 19 Uhr, soll das Denkmal enthüllt werden. Ganz fertig ist es aber noch nicht. Eine Bepflanzung soll demnächst noch vorgenommen werden.

Vor der Restaurierung: Die Inschrift ist kaum noch zu lesen.
Vor der Restaurierung: Die Inschrift ist kaum noch zu lesen. FOTO: Hans Fischer