Von Uwe Hegewald

Hitze zum Stadtfest ist doof. Dann lieber ein paar Regentropfen, wie beim Lindenfest Samstag in der Lübbenauer Neustadt. Bereits zum musikalischen Frühshoppen mit den „Fröhlichen Hechten“ zieht es Besucher auf den Oer-Erkenschwick-Platz. Dass sich Pärchen bereits zur Mittagszeit auf den Tanzboden wagen, liegt auch an den Blasmusikanten, die statt Bühne das Parkett vorziehen. „So sind wir näher am Publikum“, begründet Posaunist Guido König den Vorzug.

So praktiziert es auch der Spielmannszug der TSG Lübbenau, der sich anlässlich des 60-jährigen Bestehens selbst ein Ständchen bringt. Doch stehen dort etwas mehr Musikerinnen und Musiker auf dem Parkett, als erwartet? Beate Reichert erklärt: „Wenn es sich ergibt, unterstützen wir unsere Seelenverwandten aus der Nachbarstadt“, so die Gast-Musikerin von den Calauer Fanfaren. Mit einem Umzug durch Straßen der Neustadt hat der zusammengeschmiedete Klangkörper das Fest offiziell eröffnet.

Als „die Party des Jahres“ auf „buntem Festgelände“ haben die Veranstalter von der Lübbenaubrücke das Lindenfest angekündigt, das im Fokus von 30 Jahre Stadtentwicklung steht. „Mittlerweile sind alle Wohnungen in der Stadt modernisiert“, sagt Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos), ohne zu verschweigen, wer daran den Löwenanteil trägt: Die WIS Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald mbH und die GWG, Gemeinschaftliche Wohnungsbaugenossenschaft der Spreewaldstadt Lübbenau eG. „Es ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, die exemplarisch für unser Lindenfest steht“, so das Stadtoberhaupt.

Dass erfolgreiche Stadtentwicklung selbst zum Stadtfest nicht ruht, wird an der der Karton-Performance deutlich. 23 Mädchen und Jungen des Paul-Fahlisch-Gymnasiums versuchen sich als Maurer- und Malerkolonne. „In der zurückliegenden Projektwoche standen Themen wie gegenseitiges Miteinander und Teamfähigkeit im Mittelpunkt. Unsere Teilnahme an der Karton-Aktion soll einen finalen Abschluss bilden“, sagt Anke Rißka. Die Lübbenauerin begleitet die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7/3, die bei der Wahl ihres Bauprojektes nicht lange überlegen müssen: ein Shopping-Center. Auch wenn in Sichtweite ihres Gemeinschaftswerkes mit dem Kolosseum bereits ein Einkaufstempel grüßt.

Einem weitgereisten Gast ist es vorbehalten, dem Bauprojekt ein wenig die Show zu stehlen. Aktionskünstler Mr. Dark alias Ralf Dunkel ist aus Sachsen angereist. Ralf Dunkel, der zwischenzeitlich in Vetschau und Luckau gelebt hat? „Richtig, ich bin immer wieder gerne in der Heimat“, beteuert der Weltrekordler, dem es schon gelungen ist, binnen zehn Tagen 2005 Bilder zu malen. Dass er diesen Rekord weder brechen konnte, noch wollte, ist auf seinem mitgeführten Riesenpinsel zurückzuführen. „Seit 2001 steht er als größter Pinsel der Welt im Guinness-Buch der Rekorde“, teilt der der Rückkehrer mit. Beim Brandenburg-Tag 2012, war er schon einmal mit dem inzwischen 20 Jahre alten (Rekord-)Pinsel in Lübbenau zu Gast. Nur mittels Schwerlastkran kann der 15 Meter lange und 500 Kilogramm schwere Pinsel in Position gebracht werden, der aufgrund der Maße das Interesse auf sich zieht.

Beherzt schreitet eine Seniorin auf Aktionskünstler Ralf Dunkel zu, der mit ihr gemeinsam das gewünschte Blumenmotiv zu Papier bringt. „Ich konnte an diesem Stand einfach nicht vorbeigehen“, bemerkt die spontane Künstlerin fast schon entschuldigend. Ihr Name? Helga Krzysch, Mutter des Malers Henry Krzysch, mit eigener Kunstwerkstatt und Atelier in Calau.