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| 15:54 Uhr

Neue Publikation
Verneigung vor einem Genie seiner Zeit

Dr. Thomas Ketelsen (l./Köln) und Martin Schuster (r./Dresden) sind Herausgeber des edel verarbeiteten Buches „Carl Heinrich von Heineken in Dresden und auf Schloss Altdöbern“. An der Publikation über den bedeutenden Kunstgelehrten des 18. Jahrhunderts, der in Altdöbern beigesetzt ist, hat ein internationales Autorenteam mitgewirkt.
Dr. Thomas Ketelsen (l./Köln) und Martin Schuster (r./Dresden) sind Herausgeber des edel verarbeiteten Buches „Carl Heinrich von Heineken in Dresden und auf Schloss Altdöbern“. An der Publikation über den bedeutenden Kunstgelehrten des 18. Jahrhunderts, der in Altdöbern beigesetzt ist, hat ein internationales Autorenteam mitgewirkt. FOTO: Martin Schuster / privat
Dresden/Altdöbern. Neuerscheinung widmet sich dem Wirken von Carl Heinrich von Heineken in Dresden und auf Schloss Altdöbern Von Uwe Hegewald

Er zählt zweifellos zu den bedeutendsten Kunstgelehrten und Sammlerpersönlichkeiten des 18. Jahrhunderts und machte sich über viele Jahre als Direktor des königlichen Kupferstichkabinetts in Dresden verdient. Die Rede ist von Carl Heinrich von Heineken (1707-1791). Erinnert sei auch an die Ausstellung mit dem Titel „Ein Licht in der gelehrten Welt“, die 2012 im Altdöberner Schloss für Beachtung sorgte.

Zu verdanken war die Ausstellung in von Heinekens Wohnsitz (ab 1764) dem Dresdner Kunsthistoriker Martin Schuster. Ihm und Dr. Thomas Ketelsen, Kunsthistoriker und Leiter der Grafischen Sammlung des Wallraf-Richartz-Museums in Köln, ist nun die Publikation unter dem Titel „Carl Heinrich von Heineken in Dresden und auf Schloss Altdöbern“ zuzuschreiben. „Erste Ideen dazu gab es bereits 2011. Wir hoffen, mit unserer Publikation eine Diskussion über seine Verdienste für die Kunst- und Kulturgeschichte im 18. Jahrhundert, aber auch für die Regionalgeschichte Sachsens und Brandenburgs und insbesondere der Niederlausitz zu initiieren“, so die beiden Herausgeber für die Carl Heinrich von Heineken Gesellschaft.

Von Beginn an stand fest: Wenn eine umfassende Biografie über von Heineken auf den Weg gebracht wird, dann soll es auch ein detailliertes, fundiertes und renommiertes Werk werden. Autoren wurden gesucht und gefunden. Unter ihnen Fachleute aus Dresden, Berlin, München oder auch Köln, aber auch aus New York, Toronto oder Paris. Von dort ist überliefert, dass von Heineken 1754 auf dem französischen Hof empfangen wurde und ihm zu Ehren die Wasserspiele von Versailles in Gang gesetzt wurden. Zu dieser Zeit befand sich der damals noch in Dresden lebende Kunstgelehrte auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Von Heineken organisierte ein europaweit operierendes Kunstagentennetz, das aus Diplomaten, Kunsthändlern, Malern, Kunstkennern und Gelehrten bestand. Zudem arrangierte er den Ankauf zahlreicher bedeutender Gemälde für die königliche Bildergalerie. Kunstwerke von Weltrang kamen aus ganz Europa nach Dresden, darunter Correggios „La famossissima Notte“ (Die Heilige Nacht) und Raffaels „Sixtinische Madonna“.

Dass sich Martin Schuster und Thomas Ketelsen die erforderliche Zeit zum Zusammenfassen von Informationen nahmen, reicht der Publikation zur Perfektion. „In unserer Zusammenarbeit mit namhaften Autoren und bei den Recherchen sind wir auf neues Material gestoßen und auf neue Erkenntnisse“, sagt Martin Schuster. Stellvertretend nennt er bisher unveröffentlichte Bilder von Carl Heinrich von Heineken sowie die Bestätigung eines bis dato nicht belegbaren historischen Ereignisses für die Gemeinde Altdöbern. Demnach war August II., Kurfürst von Sachsen und als August III. später auch König von Polen und Großherzog von Litauen, zu Gast in dem unscheinbaren Ort der Niederlausitz. Nach den Wirren des Siebenjährigen Krieges, dem Ableben von August III. und Kabinettsministers Graf Heinrich von Brühl, in dessen Diensten von Heineken stand, fand sich der Kunstgelehrte auf der Anklagebank wieder. Sein späterer Freispruch mündete jedoch in eine Auflage: Dresden für immer in Richtung Altdöbern zu verlassen. Für Carl Heinrich von Heineken kein Grund, fortan die Hände in den Schoß zu legen. Wie dem Buch zu entnehmen ist, widmete er sich in den folgenden drei Jahrzehnten intensiv der kunstwissenschaftlichen Forschung, der Gartengestaltung aber auch der Obstkunde.