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| 02:32 Uhr

Nazi-Schmier-Spur durch Lübbenau

In Lübbenau sind in der Nacht zum Dienstag mehrere Gebäude und Anlagen – hier der Bahnhofstunnel – sowie Wahlplakate mit Nazi-Symbolen sowie Szene-Codes beschmiert worden. Der Staatsschutz ermittelt.
In Lübbenau sind in der Nacht zum Dienstag mehrere Gebäude und Anlagen – hier der Bahnhofstunnel – sowie Wahlplakate mit Nazi-Symbolen sowie Szene-Codes beschmiert worden. Der Staatsschutz ermittelt. FOTO: Jan Gloßmann
Lübbenau. Eine Spur von Nazi-Schmierereien durchzog am Dienstag Lübbenau. Während in Teilen der Neustadt Codes wie "Label18" oder "DFB18" auftauchten, wurden die Fenster der RUNDSCHAU-Büros mit Hakenkreuz und "Sieg heil"-Spruch verunstaltet. Jan Gloßmann

Die Mail kam am Montagabend, 19.26 Uhr. Eine Schülerin des Paul-Fahlisch-Gymnasiums in Lübbenau schreibt darin der RUNDSCHAU-Redaktion, dass die Gymnasiasten das Projekt "Stolpersteine für Lübbenau" weiterführen werden. Dieses erinnert an Lübbenauer, die von den Nazis verfolgt, umgebracht oder in den Tod getrieben wurden.

Vielleicht hatten zu der Zeit ein paar Jungs schon ihre Spraydosen bereitgestellt für ihren nächtlichen Schmier-Zug durch die Stadt. Am Dienstagmorgen steht dann "Nazi" und "NPD" auf einem großen Wahlplakat des Landtagskandidaten Mario Dannenberg (Linke). Ein Verkehrsschild in der Straße der Friedens ist am Richtungspfeil nach Cottbus mit "Nazis" untermalt. Laternen- und Ampelmaste strotzen vor Aufklebern der NPD. Die Fenster der RUNDSCHAU-Büros sind mit den Worten "Juden" und "Sieg heil" beschmiert, daneben prangt groß ein Hakenkreuz.

Der Energieweg und Teile des Bahnhofstunnels sind mit Codes verunstaltet: "Label18" und "DFB18" steht da an einer Wand und auf dem Asphalt, dazu "Kampfgruppe Nord". Die "18" dürfte dabei für die Initialen Adolf Hitlers stehen.

Der polizeiliche Staatsschutz hat Ermittlungen aufgenommen. "Natürlich gibt es die rechte Szene weiter, auch in Lübbenau", sagt Sprecherin Ines Filohn. Mit Verboten wie dem der "Freien Kräfte Südbrandenburg" beseitige man keine Ideologie. Ob die Schriftzüge untereinander in Zusammenhang stehen, sei aber offen.

Allerdings, so sagt ein Ermittler, seien die Schmierereien an den Fenstern der LR-Büros eher nicht die Handschrift eines in Lübbenau bekannten intellektuellen Rädelsführers der Szene. Parallelen zu den Attacken auf die RUNDSCHAU-Redaktion in Spremberg aber seien augenscheinlich.

Diese sieht auch Lübbenaus Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos). "Es gibt wohl Zusammenhänge mit den Vorfällen in Spremberg und mit der bevorstehenden Landtagswahl. Wir gehen damit offen um. Da gibt es nichts zu verniedlichen." Für eine Stadt, die vom Tourismus lebe, seien Toleranz und Weltoffenheit unabdingbar. Ines Filohn betont: "Solche Schmierereien sind kein Spiegelbild der Lausitz."

Kommentare zum Artikel:

Keine dummen Jungen

Zielscheibe Meinungsfreiheit

Zum Thema:
Die Lokalredaktion der RUNDSCHAU in Spremberg war erst in der vergangenen Woche Ziel von Schmierereien mit Nazi-Slogans und -Symbolen. Formuliert waren dort auch Morddrohungen. Kriminaltechniker haben am Dienstag die verschiedenen Schriftzüge in Lübbenau unter die Lupe genommen. Für die Ermittlungen sollen auch Bilder der Überwachungskameras im Bahnhofstunnel ausgewertet werden.