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| 19:41 Uhr

Spreewald
Wer fliegt denn dains Futterhaus?

 An diesem Wochenende sind Vogelfreunde aufgerufen, eine Stunde lang alle Gartenvögel zu notieren und dem Naturschutzbund zu melden
An diesem Wochenende sind Vogelfreunde aufgerufen, eine Stunde lang alle Gartenvögel zu notieren und dem Naturschutzbund zu melden FOTO: dpa / Patrick Pleul
Spreewald. Naturschutzbund ruft am Wochenende zur Zählaktion auf. Spreewald beklagt Verlust von zwei Seeadlern. Von Bernd Töpfer

Am Wochenende startet wieder das große Zählen vor dem Futterhäuschen. Der Naturschutzbund ruft bis zum 6. Januar zur mittlerweile neunten „Stunde der Wintervögel“ auf.

Nach dem Jahrhundertsommer 2018 dürfte die Zählung besonders spannend werden. Das zumindest erwartet Manuela Brecht, Naturschutzreferentin beim Nabu Brandenburg. „Bisher können wir mangels Daten nur spekulieren, wie sich die Dürre auf die Vogelwelt ausgewirkt hat. Je mehr Meldungen wir bekommen, um so genauer können wir uns ein Bild von der Lage machen.“

Durch den warmen Sommer tragen wilde Bäume und Sträucher in diesem Jahr besonders viele Früchte. „Die Wintervögel finden also einen reich gedeckten Tisch vor. Wenn es, wie schon in den vergangenen Jahren, ein milder Winter wird, ist das eine gute Voraussetzung, dass Kurzstreckenzieher wie Rotkehlchen und Star bei uns häufig im heimischen Garten zu beobachten sind“, so Brecht. „Bei einem frühen Wintereinbruch mit viel Schnee in Skandinavien geben, können wir mit vielen Erlenzeisigen und Birkenzeisigen rechnen, die von dort zu uns kommen.“

Bernd Elsner, Nabu-Geschäftsführer im Spreewald, rechnet damit, dass der Haussperling wieder auf Platz 1 flattert. Er stand im Vorjahr vor Kohlmeise, Feldsperling und Blaumeise in ganz Brandenburg ganz oben in der Liste. „So gesehen erwarte ich keine Überraschungen“, sagt Bernd Elsner. Allerdings bleibe abzuwarten, wie sich der Rückgang der Insekten auf die Vogelwelt insgesamt auswirkt. Es werde mit einem Rückgang zu rechnen sein, so der Natufreund.

Ein Rückgang ist ebenfalls bei den Amseln zu verzeichnen. Eine Viruskrankheit hat im Vorjahr die Amselpopulation dezermiert. Eine traurige Nachricht für die Naturfreunde hat es zudem vor wenigen Wochen gegeben: Gleich zwei Seeadler von den wenigen Paaren im Spreewald sind verunglückt. Ein Raubvogel ist im Windpark bei Mehßow getötet worden. Ein weiterer kam an einer Bahnstrecke um.

Raubvögel werden allerdings nicht gezählt, sondern die Gartenvögel. Damit Vogelfreunde optimal vorbereitet sind, bietet der Nabu ein eigenes Lernprogramm für die Stunde der Wintervögel an. Welcher Vogel ist in Deutschland am häufigsten zu finden? Bekommen Vögel im Winter kalte Füße? Mit dem neuen kostenlosen E-Learning-Tool „Nabu Vogeltrainer“ erfährt man spielerisch alles über 15 häufige Vögel, die im Winter in unseren Gärten zu finden sind. Unter www.vogeltrainer.de kann sich jeder fit machen.

Die „Stunde der Wintervögel“ ist Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion. Jeder, der Lust hat mitzumachen, kann eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zählen und dem Nabu melden. Von einem ruhigen Beobachtungsplatz aus wird von jeder Art die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu beobachten ist. Die Beobachtungen können unter www.stundederwintervoegel.de bis zum 15. Januar gemeldet werden. Zudem ist für telefonische Meldungen am 5. und 6. Januar von 10 bis 18 Uhr die kostenlose Rufnummer 0800/1157-115 geschaltet. Das pure Interesse und die Freude an der Vogelwelt reichen zur Teilnahme aus, eine besondere Qualifikation ist für die Wintervogelzählung nicht nötig. Bei der letzten großen Vogelzählung im Januar 2018 haben sich deutschlandweit mehr als 136 000 Menschen beteiligt. In Brandenburg zählten 5372 Vogelfreunde mit. Auf die Spitzenplätze flatterten hierbei der Haussperling, Kohlmeise, Feldsperling und Blaumeise.