Von Daniel Preikschat

So richtig beeindruckend wären die Filower Hecken wohl erst, wenn man sie aus der Vogelperspektive betrachten könnte. Dann ließe sich vermutlich gut erkennen, wie sie in langen Pflanzenreihen landwirtschaftliche Grünflächen einfassen und schützen. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts erfüllen die Hecken diese Funktion, geben außerdem vielen Tieren Lebensraum. Und das auf einer Länge von etwa 20 Kilometern, so Nico Heitepriem vom Biosphärenreservat Spreewald.

Von oben gut auszumachen wären aber auch die Lücken und Beschädigungen in den Pflanzenreihen. Nur ein Viertel der Hecken sei noch in gutem Zustand, sagt Heitepriem. Eine lange Zeitspanne der Vernachlässigung sowie extreme Trockenheit, Überflutungen und Stürme haben Spuren der Zerstörung hinterlassen. Naturschützern blute das Herz, wenn sie ein kulturhistorisch und ökologisch so bedeutendes Stück Natur gefährdet sehen. Es sei ja nicht nur ein spreewaldtypisches Landschaftsmosaik bedroht, erklärt der Fachmann. Viele seltene Tier- und Pflanzenarten brauchen diese Nähe von Hecken, Offenland, Wald und Wasser. Nicht zuletzt sei diese einzigartige Spreewaldlandschaft für Erholungsuchende etwas ganz Besonderes.

Doch es naht Hilfe für die landschaftliche Sehenswürdigkeit in der Gemarkung Leipe nahe Burg. Fünf neue Hecken von jeweils 150 Meter Länge wurden angelegt. Neue Wildzäune schützen die jungen Pflanzen. Um die 2000 Sträucher und Bäume, Erlen, Ulmen und Weiden, wurden gepflanzt, so Nico Heitepriem, der auch Vorstandsmitglied in der Bürgerstiftung Kulturlandschaft Spreewald ist. Der Stiftung gelang es, für das Heckenerneuerungsprojekt 35 000 Euro von Bund und Land bewilligt zu bekommen. Eine Hundert-Prozent-Förderung sei das für die Jahre 2019 und 2020.

Um das Projekt aber auch umsetzen zu können, waren viele Gespräche zu führen. Vor allem die Flächeneigentümer, unter anderen die gräfliche Familie zu Lynar, musste mitmachen. Als wichtiger Partner gewonnen werden konnte der Flächenpächter, Landwirt Udo Gubela. Mit ihm, so Nico Heitepriem, arbeite man an einem Pflege- und Nutzungskonzept für die Folgejahre. Denn die Hecke bedürfe der ständigen Pflege. Sie müsse geschnitten und ausgeästet werden, um vital zu bleiben – und um Ertrag zu bringen. Das Holz darf der Landwirt nutzen, der damit zumindest zum Teil entlohnt wird für die Pflege der Hecke. Der Brennholzertrag war natürlich in früheren Zeiten für die Landwirte von noch viel größerer Bedeutung, sagt Heitepriem.

Wie viel zwischen Leipe und Burg noch zu tun ist, zeigt ein Vergleich: Ein Viertel von 20 Kilometer Hecke ist in schlechtem Zustand und muss komplett erneuert werden, 750 Meter sind erst geschafft.