Von Uwe Hegewald

Dass die Hölle nicht nur für einen „Ort der Qual“ steht, wissen Natur- und Wanderfreunde, die das gleichnamige Kleinod im Norden der Calauer Schweiz kennen. Seit Jahrzehnten zieht es Menschen an das Kerbtal der „Hölle“. „Ursprünglich gab es hier ein ausgeprägtes Moor mit bis zu drei Meter tiefen Torfschichten. In den kommenden Jahren wird dieses einer intensiven Renaturierung unterzogen“, kündigt Udo List an. „Wasserrückhaltung ist das Gebot der Stunde“, so der Leiter des Naturparks Niederlausitzer Landrücken. 148 000 Euro (100-prozentige Förderung) sind für das Vorhaben vorgesehen. Flächeneigentümer der rund 6,5 Hektar unbewirtschafteten Waldfläche sind die „Stiftung August Bier für Ökologie und Medizin“ sowie die Stadt Calau.

Ziel des Moor-Wiedervernässungsprojektes in der „Hölle“ ist der Rückhalt des Quell- und Hangwasser, welches sich aus den umliegenden Höhenschichten speist. „Damit soll neues Torfwachstum angeregt und das Moor renaturiert werden. In der Vergangenheit ist der Torfkörper durch Grabenziehung systematisch entwässert und damit degradiert worden“, erklärt Norman Heß.

Er und Christine Daute, zwei Studenten der Hochschule Neubrandenburg, kennen die „Hölle“ aus dem Effeff, hatten sie doch 2018 vor Ort eine Baumartenkartierung vorgenommen. Ziel war es nachzuvollziehen, welche Baumarten in welchen Bereichen des Gebietes vorkommen, um Rückschlüsse zu gewinnen, welche Baumgruppen im Zuge der Wiedervernässung eventuell „zu nasse Füße bekommen“ und absterben könnten, so Heß. Weiterhin wurden von den einzelnen Bäumen weitere Daten aufgenommen, wie zum Beispiel die Koordinaten des Standortes, der Stammdurchmesser, die Wuchsklasse, die Vitalität und die Totholzqualität. „Eine ausgesprochene Fleißarbeit“, würdigt Udo List die Bestandsaufnahme.

Besonderes Augenmerk legten Heß und Daute auf die Niederlausitzer Tieflandfichte, ein natürliches Rest-Vorkommen der Gemeinen Fichte im Niederlausitzer Raum. Norman Heß: „Nur dort, wo eine frische bis feuchte Lage mit ausreichend hoher Luftfeuchtigkeit und eine lang anhaltende Winterkälte gegeben ist, kommt die Niederlausitzer Tieflandfichte vor. In der Hölle sind die Bedingungen optimal.“ Diese seien jedoch bedroht durch massive Grundwasserabsenkung aufgrund des Bergbaus in der Lausitz und durch die einstige land-und forstwirtschaftlich bedingten Entwässerungen, wie sie auch in der „Hölle“ passiert sind.

„Plomben“ aus Holzpfählen, Torfmaterial aus dem Bereich und unbehandelte Schaltafeln, die leichte Bagger eindrücken, sollen die Fließgeschwindigkeit bremsen und Wasser länger im Gebiet halten. Auch im Interesse der seltenen Niederlausitzer Tieflandfichte, die es am Standort als Genpool zu erhalten gilt. „Obwohl sich diese rein äußerlich nur schwer von einer Gemeinen (Hochland)Fichte unterscheiden lässt und daher nur gemutmaßt werden kann, in welcher Anzahl es diese Form der Fichte im Gebiet noch gibt“, stellt Norman Heß klar.

Typische Erkennungsmerkmale in Unterscheidung zur Hochlandfichte: spät austreibend, weniger spätfrostgefährdet, hitzeresistenter als Hochlandfichte, walzenförmige Krone, breite, fächerartige Zweige mit waagerechten Astansatzwinkeln, Typ Plattenfichte, astarm mit weniger (3-4) Zweigen im oberen Kronendrittel, mehr oder weniger kürzere Nadeln und Triebe als Hochlandfichten.

„Da die Merkmale an den Exemplaren mehr oder weniger stark ausgeprägt sind, lässt sich nach Erscheinungsbild nur vage behaupten, ob es sich um eine Niederlausitzer Tieflandfichte handelt“, räumt Heß ein. „Genetische Nachweise wären hier eigentlich der sicherere Weg zum Erfolg.“  Bis dahin behelfe man sich mit der typisch ausgeprägten Begleitvegetation.