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Naturfreunde setzen Zeichen aus Heu

Eine mitunter staubige Angelegenheit – rund 30 Unternehmer und Touristiker harkten die nötigen Mengen Heu zusammen. Eine Tonne davon wurde fünf Meter hoch aufgetürmt.
Eine mitunter staubige Angelegenheit – rund 30 Unternehmer und Touristiker harkten die nötigen Mengen Heu zusammen. Eine Tonne davon wurde fünf Meter hoch aufgetürmt. FOTO: Daniel Preikschat
Lübbenau. Mit dem Bau von zehn Heuschobern soll für den Erhalt der Spreewaldnatur gut sichtbar geworben werden. Das erste dieser Bauwerke steht bereits. Daniel Preikschat

An jedem anderen Montag würde Marcel Köhler im Taxi sitzen und Gäste von A nach B chauffieren. Am Montag dieser Woche jedoch nahm er ausnahmsweise statt des Steuers eine Harke in die Hand. "Auf jeden Fall ist das Mal eine schöne Abwechselung", so Köhler. Außer ihm harkten auf der Wiese an der Zeitz-Schleuse nahe Lehde unter anderem auch Hotel-Leiterin Birgit Tanner, Kahnfährmann Marko Schröter oder auch Queenie Nopper und Michael Hensel vom Projektbüro Lübbenaubrücke. Fünf große Rollen Heu immerhin galt es unter Anleitung der heuschoberbaukundigen Siegfried Stadelmayer und Günter Brandt solide aufzuschichten.

An der Aktion "Zehn Schober für den Spreewald" der Bürgerstiftung Kulturlandschaft Spreewald beteiligten sich zertifizierte Qualitätsunternehmen in Lübbenau. Zum einen mit 3500 Euro, die der Stiftung kürzlich bei einer Festveranstaltung zu ihrem zehnjährigen Bestehen gespendet wurden. Zum anderen, wie am Montag nicht zu übersehen war, mit Arbeitskraft. Von 14 bis 18 Uhr wurde geschuftet.

Ausgestattet mit Strohhut und Handschuhen stemmte auch Bootsverleiher Martin Richter Heu in die Höhe. Bei seiner Oma in Neu Zauche habe er das früher schon Mal gemacht, erzählt er. Das sei aber schon fast zwanzig Jahre her.

Der Lübbenauer Bürgermeister Helmut Wenzel nahm als gewichtige Person sozusagen eine gehobene Stellung ein und trat den nach oben wachsenden Heuberg fest. Valentin Bredels Job hingegen war es, großflächig Gras zu sensen, damit der Schober von den anliegenden Fließen aus auch gut zu sehen ist. Der junge Mann, sonst für das Spreewiesel-Center als Reparaturdienstleister tätig, hatte ebenfalls sichtlich Freude an der ungewohnten Tätigkeit in schöner Natur.

Auf der Heuschoberbaustelle war der Spaß umso größer, da es um eine gute Sache ging. Die einzigartige Natur- und Kulturlandschaft des Unesco-Biosphärenreservates ist "wichtigste Grundlage unserer touristischen Arbeit". So ist gleich der erste von insgesamt sieben "gemeinschaftlichen Servicestandards" formuliert, auf die sich die 26 Lübbenauer Q-Betriebe geeinigt haben. Mit sinnbildhaft an markanten Stellen des Spreewalds aufragenden Heuschobern werde eindrucksvoll Werbung für Pflege und Erhalt der Spreewald-Landschaft gemacht, wie Holger Bartsch und Michael Petschick von der Bürgerstiftung erklärten. So könnten Betrachter der Heuberge beispielsweise dazu animiert werden, bei der Bürgerstiftung Wiesenaktien für 50 Euro das Stück zu kaufen und so die Pflege erhaltenswerter Flächen mit zu finanzieren.

Bartsch und Petschick können noch nicht sagen, wo genau die nächsten Heuschober errichtet werden. Die Standorte wollen gut gewählt sein, damit möglichst viele Spreewaldbesucher die Schober auch sehen. Weiter müsse der Flächeneigentümer die Baugenehmigung erteilen. Die Materialkosten immerhin sind dank der Gemeinschaftsspende über 3500 Euro nun nicht mehr das Problem. Fünf bis sechs Rollen Heu für jeweils 30 bis 40 Euro brauche man, so der stellvertretende Leiter des Biosphärenreservates. Hinzu komme das Holzgestell. Insgesamt rund eine Tonne Material. Schon für den Transport bedürfe es dann jedoch ehrenamtlicher Unterstützung, die am Montag der Lehder Landwirt Sebastian Schilka leistete.

Beim Bau der weiteren neun Heuschober setzen Bartsch und Petschick weiter auf den Spaßfaktor und viele zupackende Helfer.