Von Philipp Brendel

Hobby-Naturforscher hatten in dieser Woche die Möglichkeit, ihrer Leidenschaft nachzugehen. In Calau wurden neben dem Baum des Jahres, der Flatterulme, auch die Wildpflanze, der Vogel und das Wildtier des Jahres 2019 vorgestellt. Den Vortrag präsentierte der mittlerweile in Rente befindliche Förster Siegfried Berndt. Mit Anekdoten aus einem langen Arbeitsleben und lebenslangem Interesse an der Schönheit und Faszination der Natur, konnte er den rund 40 Gästen einen lebensnahen Einblick in die Welt der Natur gewähren.

Warum ist es überhaupt von Interesse, sich mit spezifischen Arten und Vorkommnissen in der Natur zu beschäftigen? Dies wird allein schon am Schicksal des Baums des Jahres 2019 deutlich. Die Flatterulme oder auch Flatterrüster genannt, erlitt in den 1920er- und 1930er-Jahren ein trauriges Schicksal. In diesen Jahren gab es europaweit ein fatales Ulmen­sterben, bei dem fast der komplette Bestand zu Grunde ging. Das konnte Siegfried Berndt daran verdeutlichen, dass die Flatterulme im Calauer Raum und auch anderenorts nur noch sehr vereinzelt vorkommt, wie beispielsweise in Luckaitz. Schuld am Ulmensterben ist ein Übeltäter, der einen für die Ulmen sehr schädlichen Pilz überträgt: der Ulmensplintkäfer.

Den naturinteressierten Gästen, die mit Vogelbestimmungsbüchlein und Notizblocks Siegfried Berndt aufmerksam lauschten, wurden aber auch weitere Besonderheiten der Natur vorgestellt, die manchen Rekord mitsichbringen. So steigt beispielsweise die Feldlerche, der Vogel des Jahres, mit ihren halb zwitschernden, halb trillernden Gesängen in Höhen von bis zu 200 Metern in die Lüfte. Leider hält die Feldlerche auch einen traurigen Rekord bereit, da ihre Bestände seit den 1990er-Jahren durch intensive Landwirtschaft, Insektizide und fehlende Nahrungsgrundlage in ganz Brandenburg einschneidend eingebrochen sind.

Durch die Landwirtschaft bedrängt wird auch das Wildtier des Jahres, das Reh. Gerade Jungtiere werden immer wieder Opfer von großen Feldmaschinen. Gefährdet seien die Bestände jedoch nicht, so Berndt, sondern eher noch zunehmend. Weil Rehe vor allem an jungen Bäumen große Schäden anrichten, kommt der in Brandenburg wieder heimisch gewordene Wolf den Förstern entgegen, dessen Hauptbeutetier das Reh ist. Einen interessanten Rekord stellt das Reh durch seinen Geruchssinn auf: Es kann einen Menschen auf einer Entfernung von bis zu 300 Metern wittern. Die Gäste konnten sich an Anschauungsmaterial in Form von Rehgebissen und -gehörnen ein genaueres Bild machen.

In ihrem Vorkommen hingegen eingebrochen ist leider auch eine violette Schönheit: die Besenheide als Wildpflanze des Jahres. Zwar wird die Landschaft um die Calauer Schweiz noch durch die auch Heidekraut genannte Pflanze geprägt, doch verdeutlichte Berndt, dass noch vor 200 Jahren die ganze Gegend um Calau in die violetten Töne der Besenheide getaucht waren, während sie heute eher vereinzelt vorkommt.

An diesem Abend war nicht nur deutlich geworden, welch Faszination die Natur bereithält, sondern auch wie sensibel sie auf die Einwirkungen des Menschen reagiert. Die Verantwortung liegt hierbei schließlich bei allen, diese Faszination zu bewahren.