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Name und Erinnerung kehren zurück

Blumen als Ehrung am "Stolperstein” für Max Plessner in der Ehm-Welk-Straße.
Blumen als Ehrung am "Stolperstein” für Max Plessner in der Ehm-Welk-Straße. FOTO: Gloßmann
Lübbenau. Neues Kapitel der Erinnerung an die Gräuel der Nazi-Diktatur: In Lübbenau ist am Donnerstag ein "Stolperstein" im Gedenken an den jüdischen Tierarzt Max Plessner verlegt worden. Gymnasiasten kümmern sich weiter um neue Erkenntnisse. Jan Gloßmann

"Er war sehr beliebt wegen seiner Arbeit." Ilse Kullick, heute 86, aus Lübbenau hat Max Plessner noch gekannt. Ihr Großonkel hatte den Tierarzt aus Berlin nach Lübbenau geholt, das war 1905. Er fand Quartier in der damaligen Haupt- und heutigen Ehm-Welk-Straße 34, gleich beim Fleischer Claudius. Ilse Kullick ist eine geborene Claudius; als Kind hat sie Plessner manchmal begleitet zu den Höfen der Bauern. Als Max Plessner 1942 von Nationalsozialisten abgeholt und deportiert werden soll, setzt er sich eine tödliche Morphiumspritze.

Mädchen und Jungen vom Paul-Fahlisch-Gymnasium haben den Lebensweg recherchiert, haben ihren Geschichtskurs - bei Antje Pohler und Florian Neuer - und manch freie Stunde genutzt, um mehr über Plessner zu erfahren, habe in der Kommunalpolitik und in der Stadtveraltung Wege geebnet für ihr Vorhaben. Sie schufen so die Grundlage dafür, dass am Donnerstag ein "Stolperstein" für Max Plessner vor seinem letzten Wohnhaus verlegt werden konnte.

"Das ist ein Geschenk der Bürger an ihre Stadt", sagte der Kölner Künstler Gunter Demnig. Dieser hat die Aktion mittlerweile über Europa verbreitet etwa 45 000 Messingplatten erinnern an verfolgte, deportiert, ermordete Juden in 17 Ländern Europas. Lübbenau ist die 936. deutsche Kommune, die frühere Mitbürger derart ehrt. Demnig würdigt die Arbeit der Schüler, dankt den Paten, Spendern und anderen Unterstützern. Das Verlegen sei für ihn "keine Routine, die Schicksale sind immer wieder neu". Er wolle "die Namen und die Erinnerung dahin zurückbringen, wo die Leute gelebt haben". Lübbenau ehrt Plessner zudem, da eine Straße nach ihm benannt ist. "Ich bin stolz, dass sich Jugendliche aus Lübbenau auf diese Weise mit der Geschichte auseinandergesetzt haben", sagt Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) über den "Ort der Erinnerung". Die Zwölftklässlerin Christin Höbel sagt: "Je mehr wir uns damit beschäftigt haben, desto näher ging das." Jetzt sei die Gruppe von acht Mädchen und Jugend stolz, es geschafft zu haben. Die heutigen Elftklässler am Fahlisch-Gymnasium sind derweil auf den Lebensspuren der Lübbenauerin Beatrice Ledermann, einer Nachbarin Plessners - ihr Leben weise viele Parallelen auf.