Die Standesherrschaft zeigte sich dem Wendischen gegenüber tolerant. So kam es, dass in Lübbenau ausgestellten amtlichen Dokumenten zwar oftmals David Jedro (zuweilen auch David Jedrow) vermerkt wurde, man seinen Namen also in deutscher Schreibweise festhielt; die Umgangssprache aber war in Lübbenau teilweise und in Leipe nahezu ausschließlich wendisch. Selten nannte ihn jemand David Jedro, größtenteils redeten die Menschen in ihrer Muttersprache, und deshalb hieß der Leipsche Einwohner bei den meisten Leuten Dabid bzw. Dabo Jedro oder - da der Vorname dem Nachnamen häufig nachgestellt wurde - Jedros Dabo.
Im Alter von 34 Jahren heiratete David Jedro in der Kirche St. Nicolai in Lübbenau Anna Nowka. Ungefähr in dieser Zeit dürfte er auch den Hof seiner Eltern in Leipe übernommen haben. Seine Frau brachte in den folgenden Jahren sieben Kinder zur Welt.
David Jedro erlebte viele Veränderungen und Neuerungen. Beispielsweise zog 1713 Martin Radnitz von Luckau nach Lübbenau und übernahm das Anwesen der Familie Schepanck, um eine Bäckerei einzurichten. Die neue Bäckerei blieb für die Familie Jedro aber wahrscheinlich weniger von Bedeutung, denn zu beinahe jedem Grundstück in Leipe (und in vielen anderen Spreewalddörfern) gehörte ein Backofen, wo nach Bedarf eigenständig sowohl Brot als auch Kuchen gebacken wurde.

Apotheker ließ sich nieder
Ungefähr fünfzehn Jahre später ließ sich Carl Johann Herzog, ein aus Magdeburg stammender Apotheker, in Lübbenau nieder. Die hiesigen Bewohner bauten ihre Heilpflanzen zwar selbst an bzw. sammelten sie im Spreewald, aber in Ausnahmefällen und vor allem, wenn das Geld reichte, suchten sie einen Arzt auf bzw. nutzten sie Erzeugnisse eines Apothekers.
Jedros Frau aber konnte offenbar weder ein Apotheker noch ein Arzt helfen. Auch Heilkräuter verschafften ihr keine dauerhafte Linderung. Sie verstarb am 24. Januar 1728 in Leipe. Reichlich drei Jahre nach ihrem Tod heiratete David Jedro erneut. Am 21. Mai 1731 fand die Trauung in der Lübbenauer Stadtkirche statt. Mit seiner zweiten Gattin hatte er ein Kind. In diesen Jahren dürfte eines seiner Kinder erster Ehe den Hof in Leipe übernommen haben.
Die umfangreichste Baumaßnahme, die David Jedro erlebte, war Ende April 1738 der Abriss der Stadtkirche in Lübbenau sowie die bis 1741 andauernde Errichtung eines neuen Gotteshauses. Graf Moritz Carl zu Lynar, der Auftraggeber des Bauvorhabens, hatte verfügt, dass jede Familie bestimmte Aufgaben beim Kirchenbau übernehmen muss. Bohlen, Bretter, Dachziegel, Feldsteine, Kalk, Mauersteine, Sand und verschiedenes andere mehr mussten herbeigeschafft werden. Der gräfliche Verwalter hielt genau fest, wer welche Transport- und sonstige Hilfsdienste zu erbringen hatte. Neben sächsischen Handwerkern und Künstlern beteiligte sich auf diese Weise die gesamte Pfarrgemeinde an der Errichtung des Gotteshauses. Jeder alteingesessene Lübbenauer oder Einwohner eines der umliegenden Dörfer kann deshalb mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass wenigstens einer seiner Vorfahren damals tatkräftig beim Bau mitwirkte. Neben Arbeitsleistu ngen sollten alle Haus- beziehungsweise Grundstücksbesitzer und Handwerker gestaffelt nach ihren Einkommens- und Vermögensverhältnissen auch einen finanziellen Beitrag leisten. Ein Großteil von ihnen musste den Höchstbetrag von einem Taler zahlen, was für die meisten sehr viel Geld war. Einige sandten deshalb Bittgesuche an Graf Moritz Carl zu Lynar, den von ihm geforderten Betrag herab- oder zumindest vorläufig auszusetzen. Während in der neuen Kirche eine gräfliche Gruft entstand und sich auch der Oberpfarrer eine Begräbnisstätte unterhalb der Sakristei sicherte, sollten künftig alle anderen Verstorbenen von Lübbenau, Leipe und Lehde auf dem St. Rupertskirchhof in der Vorstadt beerdigt werden; auch dies erregte bei einigen Einwohnern Unmut, da ihre Vorfahren seit Jahrhunderten auf dem das Gotteshaus St. Nicolai umgebenden Friedhof ihre Ruhestätte fanden. Was die Familie Jedro aus Le ipe von all dem hielt, ist nicht überliefert. Für David Jedro stand aber spätestens seit der Verfügung des Grafen Moritz Carl zu Lynar 1738 fest, dass man ihn später einmal in der Vorstadt von Lübbenau zu Grabe tragen würde.

Würdig eingeweiht
Am 12. Februar 1741 fand die feierliche Einweihung des Gotteshauses statt. Die innere Ausgestaltung des Gebäudes blieb in einzelnen Bereichen unvollendet, so dass verschiedene Handwerker noch einige Zeit weiterarbeiten mussten.