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Nach dem Feuer kentert ein Boot

Völlig niedergebrannt ist am Montagnachmittag eine Gartenlaube am Vetschauer Brandtemühlenweg. Die Vetschauer Feuerwehr konnte nichts mehr retten. Die Polizei schließt Brandstiftung nicht aus.
Völlig niedergebrannt ist am Montagnachmittag eine Gartenlaube am Vetschauer Brandtemühlenweg. Die Vetschauer Feuerwehr konnte nichts mehr retten. Die Polizei schließt Brandstiftung nicht aus. FOTO: H. Neumann
Vetschau. Das Heer der Vetschauer Feuerwehrleute hat sich in den zurückliegenden zehn Jahren zahlenmäßig nicht verändert – die Ansprüche an ihr Ehrenamt schon. Die Belastungen, so schätzt Stadtbrandmeister Holger Neumann ein, seien um ein Drittel gestiegen. Hannelore Kuschy

Auf bedrohliche Weise mussten das die Vetschauer beim größten Feuer 2016 im Oberspreewald-Lausitz-Kreis erleben. Bei Spreewaldbauer Ricken hatte das einen Millionenschaden angerichtet. Am 27. Juni war es. Wer nicht arbeiten musste, lag am See oder erholte sich anderweitig. Auf einen Großbrand wartete gerade niemand.

"Vor Ort wurde schnell klar: Das Ding schaffen wir nicht allein. Ein großes Dankeschön noch heute an den Akku meines Handys. Er hatte durchgehalten. Wieviel Mal bloß rief ich in der Leitstelle an und forderte weitere Kräfte nach Vetschau", erinnert sich Holger Neumann bei der Jahreshauptversammlung. Er ruft diese Zahlen noch einmal ins Gedächtnis: Knapp 300 Einsatzkräfte mit 64 Fahrzeugen und einen Rettungshubschrauber waren vor Ort. 1,9 Millionen Liter Wasser mussten aus dem öffentlichen Trinkwassernetz und mindenstens die gleiche Menge noch einmal aus Löschbrunnen und anderen Gewässern durch 163 Schläuche gepumpt werden. Der Stadtbrandmeister spricht von einer der größten Herausforderungen in der 121-jährigen Geschichte der Wehr. Es war bereits der dritte Großbrand an dieser Stelle - 1969 und drei Jahre später noch einmal brannten Gebäude der Flachsröste. Die Wände beim Spreewaldbauer waren noch nicht kalt, da ging es für die Vetschauer zum wohl schwersten Verkehrsunfall des Jahres mit sechs teils erheblich Verletzten auf der Autobahn.

Es gab 95 weitere Einsätze im vorigen Jahr - damit liegen die Vetschauer weit über dem Durchschnitt der letzten 18 Jahre.Neben dem Brand von 400 Heuballen in Raddusch gab es auch eine Premiere: Ein Segelboot war auf dem Gräbendorfer See gekentert. Die darauf spezialisierte Koßwiger Wehr holte es sicher ans Ufer.

Üben und sich schulen zu lassen, sind nach Ansicht Holger Neumanns auch künftig von entscheidender Bedeutung. "Unser größtes Problem sind und bleiben die Atemschutzgeräteträger", schätzt er ein. Von ihnen gäbe es zu wenige, nur 51. Lediglich sieben seien es in der Stadt selbst.

Zum Thema:
531 Feuerwehrleute erfüllen bei der Wehr in Vetschau und seinen Ortsteilen ehrenamtlich die Pflichtaufgabe der Kommune - genauer sind das 100 Frauen und 431 Männer. In der Kernstadt sind es vier Frauen und 50 Männer. Eingeschlossen sind die 20 Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung. Laut Stadtbrandmeister Holger Neumann hat sich damit die Personaldecke in den zurückliegenden zehn Jahren nicht verändert.