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| 14:39 Uhr

Tierdiebstähle
Hundeklau schockiert Lübbenauer

Rainer Balko mit seinem Schäferhund „Ron“. Mehrere Male ist der Hund seit Herbst des vergangenen Jahres aus seinem Zwinger vom Hof der Stallanlage bei Boblitz gestohlen und anschließend in der Lübbenauer Innenstadt wieder aufgefunden worden.
Rainer Balko mit seinem Schäferhund „Ron“. Mehrere Male ist der Hund seit Herbst des vergangenen Jahres aus seinem Zwinger vom Hof der Stallanlage bei Boblitz gestohlen und anschließend in der Lübbenauer Innenstadt wieder aufgefunden worden. FOTO: Rüdiger Hofmann
Lübbenau. Tierdieb terrorisiert Halter seit Monaten – mit schlimmen Folgen. Polizei meldet ersten Ermittlungserfolg. Von Rüdiger Hofmann

Es passiert an einem Januarmorgen. Die Nacht zuvor ist Sturmtief „Friederike“ durch das Land gezogen. Steffen Busch geht mit seiner Hündin „Jacky“, einem kleinen Jack Russell, in Lübbenau Gassi. Plötzlich geschieht das Unfassbare: Ein Schäferhund kommt um die Ecke gerannt, ohne Leine, ziemlich verstört. Er stürzt sich auf Jacky. Diese wird bei dem Angriff schwer verletzt, erleidet Bisswunden am Hinterteil. Weit und breit ist kein Halter zu sehen. „Ich konnte in dem Moment nichts machen“, erinnert sich Busch. Der Schäferhund lässt ab von Jacky und rennt davon.

Busch zeigt den Vorfall bei der Polizei an. Dort hatte kurz zuvor Rainer Balko aus Boblitz seinen Schäferhund „Ron“ als gestohlen gemeldet. Wie sich herausstellt, passen die Beschreibungen von Busch mit denen von Balko zusammen. Kurze Zeit später wird Schäferhund Ron in der Lübbenauer Innenstadt aufgespürt. Er wird seinem Besitzer Rainer Balko zurückgegeben.

„Der Angriff auf die Hündin tut mir wirklich sehr leid“, sagt Rainer Balko. „Doch im Grunde kann ich nichts dafür, denn mein Hund wurde vorab aus dem Zwinger vom Grundstück gestohlen. Wer weiß, was der Dieb mit ihm angestellt hat.“ Wenn Rainer Balko als vertraute Person nicht dabei sei und Ron nicht angeleint an einem fremden Ort umherlaufe, könne er unberechenbar werden.

Ein Bild aus friedlichen Zeiten: Der Jack Russell von Steffen Busch. Er wurde vom freilaufenden Schäferhund Ron attackiert.
Ein Bild aus friedlichen Zeiten: Der Jack Russell von Steffen Busch. Er wurde vom freilaufenden Schäferhund Ron attackiert. FOTO: privat / Steffen Busch

Das Kuriose an der Geschichte: Ron wurde nicht zum ersten Mal gestohlen. Immer nachts. „Wir können bestätigen, dass der Hund von Herrn Balko allein im Januar viermal als gestohlen gemeldet wurde“, sagt Polizeisprecher Ralph Meier. Hinzu kommen weitere Diebstähle seit Sommer 2017. Und jedes Mal sei Ron wenige Stunden später im Stadtbild von Lübbenau wieder gesichtet worden. Er konnte eingefangen und schließlich seinem Besitzer – der bei den Diebstählen immer Anzeige gegen Unbekannt erstattet hat – zumindest äußerlich unversehrt zurückgegeben werden.

Von allein ausgebüxt sein kann Ron nicht, ist sich Rainer Balko sicher. Auf dem Gelände der von ihm betriebenen Stallanlage an der L 49 bei Boblitz ist Ron für die Bewachung der Kuhherde zuständig, nachts aber im Zwinger untergebracht, der durch ein Vorhängeschloss gesichert ist. „Der Täter muss zunächst durch ein abgeschlossenes Tor auf das Grundstück, anschließend das Schloss am Zwinger aufbrechen und dann den Hund ruhigstellen. So etwas funktioniert nur, wenn man sich gut mit Hunden auskennt.“

„Jacky“ hat schwere Verletzungen beim Angriff von Schäferhund „Ron“ am Hinterteil davongetragen. Inzwischen geht es ihr wieder besser.
„Jacky“ hat schwere Verletzungen beim Angriff von Schäferhund „Ron“ am Hinterteil davongetragen. Inzwischen geht es ihr wieder besser. FOTO: privat / Steffen Busch

Die Polizei bestätigt, dass Balko mit seinem Hund Ron kein Einzelfall ist. „Seit etwa einem Jahr kommt es in den Ortsteilen von Lübbenau immer wieder zu Diebstählen von Hunden“, sagt Ralph Meier. Die Hunde tauchen kurze Zeit später jedes Mal wieder auf.

Vor gut einer Woche gibt es dann einen ersten Durchbruch bei den Ermittlungen zu den mysteriösen Fällen: Auf frischer Tat wird in der Nacht auf dem Gelände der Stallanlage von Rainer Balko ein Tatverdächtiger gestellt. Mit Rucksack und Hundeleine. Nach dem versuchten Hundediebstahl werden auf der Polizeiwache die Fingerabdrücke des Verdächtigen genommen. Nach Abschluss der kriminalpolizeilichen Maßnahmen wird er wieder auf freien Fuß gesetzt. „Wir prüfen nun, ob der mögliche Täter auch für andere Fälle verantwortlich ist“, sagt Polizeisprecher Ralph Meier. Das Motiv sei noch völlig unklar.

Ein womöglicher Täter ist nun zwar ermittelt, doch Rainer Balko schläft trotzdem nicht ruhiger. Zumal der Tatverdächtige wieder auf freiem Fuß ist. Balko hat sich inzwischen eine Wildkamera zugelegt und oberhalb des Zwingers angebracht. „Ich lebe mit der ständigen Angst, früh aufzustehen, zum Zwinger zu gehen und mich zu fragen: Ist mein Hund noch da? Das ist eine enorme psychische Belastung für uns.“

Und Jacky? Die Hündin hat den Angriff vom Januar überlebt, ihr geht es inzwischen wieder besser. Für Steffen Busch ein schwacher Trost. „Wir Hundebesitzer bleiben auf den Schäden sitzen.“ Und der Mensch, der dafür verantwortlich sei, komme womöglich glimpflich davon. Eine Frage geht Steffen Busch nicht aus dem Kopf: Was passiert, wenn die freigelassenen Hunde nicht mehr „nur“ andere Hunde attackieren?